Reinigungsbranche

Innovationen: Berlin digitalisiert die Reinigungsbranche

Deutschlands Reinigungsprofis setzen bei neuen digitalen Angeboten auf die Hilfe von Start-ups.

Mehr als 40.000 Mitarbeiter sind bei den Gebäudereinigern in Berlin beschäftigt.

Mehr als 40.000 Mitarbeiter sind bei den Gebäudereinigern in Berlin beschäftigt.

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin.  Die deutsche Hauptstadt wird für die Reinigungsbranche verstärkt zum Innovationstreiber. „In Berlin gibt es ein paar pfiffige Start-ups, die mit ihrer Innovationskraft vor allem bei der Digitalisierung unserer Prozesse hochinteressant sind“, sagte Markus Asch, Vorsitzender des Fachverbandes Reinigungssysteme im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) am Montagabend in Berlin. Asch ist auch Geschäftsführer bei dem süddeutschen Reinigungsgerätehersteller Kärcher, der zuletzt Mitte April das Berliner Firmenservice-Start-up Service Partner One übernommen hatte.

Service Partner One verkauft Software an Unternehmen für Gebäudemanagement. Anbieter können mithilfe der digitalen Technik etwa ihre Reinigungsdienste besser organisieren. Zu den Kunden von Service Partner One gehören Firmen wie WeWork und Red Bull. Perspektivisch würden Maschinen aber menschliche Arbeitskräfte eher unterstützen, als Jobs zu vernichten, so der Kärcher-Manager. Bei großen Flächen gebe es Bereiche, die künftig noch stärker automatisiert gereinigt werden könnten, sagte Asch und nannte als Beispiel Flughäfen. Innerhalb von Gebäuden dürften intelligente Maschinen künftig aber nur eine untergeordnete Rolle spielen, so der Unternehmer. Kärcher unterhält in Berlin auch eine eigene Digital-Einheit, die vor allem neue Softwarelösungen entwickeln soll.

40.000 Mitarbeiter sind für Gebäudereiniger in Berlin tätig

Deutschlandweit beschäftigen die Gebäudereiniger rund 660.000 Mitarbeiter. In Berlin gibt es nach Angaben des Bundesinnungsverbands BIV etwa 40.000 Beschäftigte bei 1500 Betrieben. Dussmann, Gegenbauer und GRG zählen zu den größeren Unternehmen. Ausgelöst durch die gute wirtschaftliche Entwicklung in Berlin befinde sich die Branche in der Hauptstadt seit Jahren auf Wachstumskurs, sagte BIV-Geschäftsführer Johannes Bungart. Neben Reinigungsdienstleistungen würden Mitgliedsunternehmen seines des Verbandes zuletzt auch verstärkt Aufgaben bei der Gebäudesicherheit oder im Catering übernehmen, so Bungart. Immer wieder gibt es aber Diskussionen um die Bezahlung der Mitarbeiter. Bungart verwies auf geltende Tarifverträge und den Branchenmindestlohn von 10,80 Euro pro Stunde. Die Lohnuntergrenze liegt damit mehr als 15 Prozent über dem allgemein geltenden Mindestlohn. Die Tarifverträge würden auch Wettbewerbsverzerrungen verhindern, sagte der BIV-Chef. Bei Ausschreibungen neuer Aufträge stehen für gewöhnlich Preis, Konzepte und Nachhaltigkeit im Vordergrund.

Im September trifft sich die Branche erneut zum Reinigungsgipfel in Berlin: Die Messe CMS findet vom 24. bis 27. September auf dem Messegelände unter dem Funkturm statt. Bei der Veranstaltung, die in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet, werden 400 Aussteller aus 25 Ländern und gut 23.000 Fachbesucher erwartet. Die CMS gilt als das global bedeutendste Branchenevent. „Deutschland repräsentiert den stärksten Markt für gewerbliche Reinigungstechnik in Europa. Das spiegelt die CMS Berlin auch in diesem Jahr mit einem Feuerwerk an Innovationen sowie der Beteiligung der wichtigsten Marktführer und zahlreiche Newcomer wieder“, sagte Berlins Messe-Chef Christian Göke.

Chinesische Gerätehersteller drängen nach Europa

Europas Reinigungsbranche wird dabei auch auf die chinesischen Anbieter schauen. China ist mittlerweile einer der größten Märkte für Reinigungsgeräte – und fanden zuletzt für ihre Technik auch in den USA einen großen Absatzmarkt. Doch der Handelsstreit zwischen der Volksrepublik und den Vereinigten Staaten belastet zunehmend die Geschäfte. Vor allem die deutschen Marktführer befürchten nun Umsatzeinbußen. Die hohen Zölle würden dazu führen, dass chinesischer Hersteller vermehrt Europa als Absatzmarkt ins Visier nehmen, glaubt Kärcher-Geschäftsführer Markus Asch.

Auf der CMS steht deswegen auch der weltweite Austausch im Vordergrund: Während des zeitgleich stattfindenden CMS World Summit werden zahlreiche Entscheider der Reinigungsbranche in Berlin erwartet. Neben Themen wie Sauberkeit und Hygiene stehen auch Veränderungen der Arbeitswelt und technische Innovationen im Kongressprogramm.