Prozess

14 Überfälle in drei Monaten: Drei Männer vor Gericht

14 Überfälle in sieben Bezirken sollen drei Männer verübt worden. Am Montag begann vor dem Landgericht der Prozess.

Dorian S. ist einer der drei Angeklagten, deren Prozess am Montag vor dem Berliner Landgericht begann.

Dorian S. ist einer der drei Angeklagten, deren Prozess am Montag vor dem Berliner Landgericht begann.

Foto: Olaf Wagner

Berlin. 14 Raubüberfälle in knapp drei Monaten - wenn die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zutreffen, waren die drei Männer, die seit Monat vor Gericht stehen, überaus fleißig. Elf Supermärkte, zwei Hotels und einen Drogeriemarkt sollen Ali A. (37), Serdar K. (43) und Dorian S. (23) zwischen Mai und August 2018 überfallen haben, jeweils im Abstand von nur wenigen Tagen. Zum Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht schwiegen die Männer.

Die Raubserie, um die es in diesem Verfahren geht, begann am 23. Mai 2018 in einem Edeka-Markt in Schöneberg. Es folgten in kurzen Abständen Aldi-Märkte in Wilmersdorf und Weißensee. Jedesmal sollen die Täter in die Läden gestürmt sein, die Beschäftigten mit einer Pistole und Messern bedroht haben, um dann mit dem geforderten Inhalt der Kassen zu flüchten.

Männer sollen Schlüssel des Fluchtautos im Supermarkt verloren haben

Am 18. Juni, der vierten Tat auf der Liste der Staatsanwaltschaft unterlief den Tätern dann ein Missgeschick. Bis dato waren sie stets in einem BMW der 7er Reihe vom Tatort geflohen. Als sie an diesem Tag nach einem Überfall auf einen Netto-Markt in Charlottenburg wieder in ihrem Fluchtfahrzeug saßen, mussten sie feststellen, dass sie den Autoschlüssel im Markt zurückgelassen hatten.

Der spontane Versuch, eine Frau in einem neben ihnen parkenden Auto durch Drohungen dazu zu bewegen, ihnen ihren Wagen zu überlassen, scheiterte. Die Frau wollte partout nicht. Daraufhin flohen die Täter zu Fuß. Durch Erfahrung klug oder doch zumindest klüger geworden, flüchteten die Täter nach ihren nächsten Überfällen dann lieber gleich mit Fahrrädern.

Laut Anklage folgten in den kommenden Wochen weitere Raubtaten in weiteren Märkten der Firmen Edeka, Penny, Lidl, Netto und Rossmann in Schöneberg, Wedding, Wilmersdorf, Charlottenburg, Kreuzberg und Neukölln. Auch zwei Hotels in Schöneberg und Charlottenburg soll das Trio überfallen haben.

Überfälle sollen den Angeklagten 32.000 Euro eingebracht haben

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen stürmten die Männer zumeist mit dem Ausruf „Achtung Überfall“ in die Märkte, angesichts der drohend erhobenen Waffen eine eher überflüssige Ankündigung. Mitunter soll ihnen auch die kurze und knappe Aufforderung „Geld her gereicht haben“, einmal gar sollen sie die Tat mit dem Ausruf „Dies ist nur eine Übung“ eingeleitet haben. Am 25. August endete durch Zugriff der Polizei die Serie, die den Angeklagten etwa 32.000 Euro eingebracht haben soll.

Die Angeklagten Ali A. und Serdar S., beide türkischer Herkunft, lebten in Berlin lange ohne festen Wohnsitz. Der Angeklagte Dorian S., ein Deutscher, ist der Justiz bereits bekannt. Er wurde im vergangenen wegen mehrfachen schweren Raub zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt, ging in Revision und erhielt daraufhin Haftverschonung.

Ob er die zur Begehung der im jetzigen Prozess behandelten Taten nutzte, ist eine der zu klärenden Fragen. Angesetzt sind elf Verhandlungstage, Fortsetzung ist am Mittwoch.