Wohnungsbau

Studie: Baulandpreise in Berlin haben sich verdreifacht

Neue Wohnungsbau-Studie stellt Deutschland ein schlechtes Zeugnis bei der Neubauförderung aus. Darunter leiden besonders die Berliner.

Davon benötigt Berlin deutlich mehr: In Schöneberg werden Wohnungen errichtet.

Davon benötigt Berlin deutlich mehr: In Schöneberg werden Wohnungen errichtet.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Ballungszentren werden zu wenig bezahlbare Miet- und Sozialwohnungen gebaut. Eine der Hauptursachen dafür, so das Ergebnis einer Studie des Prognos-Instituts für Verbände der Bau- und Wohnungswirtschaft, die sich am Donnerstag zum „Wohnungsbautag“ in Berlin getroffen haben, seien die explodierenden Baulandpreise. Diese hätten sich von 2011 bis 2017 in den Metropolen Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart verdoppelt, in Berlin sogar nahezu verdreifacht.

Absolut betrachtet, steigen die Baulandpreise in der Hauptstadt von durchschnittlich 340 Euro je Quadratmeter auf 900 Euro. „Das schlägt sich auch auf das Mietniveau nieder und ist ein zusätzlicher Preistreiber“, warnte Studienautor Tobias Koch von Prognos. Baulandpreise zwischen 900 oder sogar 2700 Euro, wie in Spitzenlagen aufgerufen, würden bei einem Mehrfamilienhaus mit 24 Wohnungen und einer Gesamtfläche von 1600 Quadratmetern einen Preisaufschlag zwischen einem und vier Euro auf die Miete bedeuten, rechnete Koch vor.

Der Direktor des Deutschen Mieterbunds (DMB), Lukas Siebenkotten, forderte daher Kommunen, Land und Bund auf, mehr Bauland zu Verfügung zu stellen: „Das Bauland ist der Flaschenhals für jeden Wohnungsneubau“, sagte Siebenkotten. Nur durch die Ausweisung neuen Baulandes, etwa durch die Erhöhung der Geschossflächenzahl – also durch das Verdichten, das „Wachsen von Gebäuden nach oben“ – sei es insbesondere in Boomstädten möglich, den Anstieg der Mieten im Neubau zum Teil erheblich zu bremsen.

Neun Jahre warten auf den Bebauungsplan

Hier nannte Frank Vierkötter, Vizepräsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) Berlin als besonders schlechtes Beispiel: „Hier hat sich die Festsetzung von Bebauungsplan-Verfahren, also der Umwandlung von Grundstücken in baureifes Land, in den vergangenen beiden Jahren halbiert“, sagte er. Ein B-Planverfahren in Berlin dauere im Durchschnitt neun Jahre. „Und dann rollt immer noch kein Bagger – denn dann gehen noch mal ein paar Jahre für das Genehmigungsverfahren ins Land“, sagte Vierkötter.

Organisiert hat den Wohnungsgipfel das Verbändebündnis Wohnungsbau, dem neben Vertretern der Baubranche auch die Gewerkschaft IG Bau sowie der Mieterbund angehören. Das Bündnis forderte am Donnerstag einen „Masterplan für den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau“. Neben der Bereitstellung von Bauland forderte das Bündnis deutlich mehr Anstrengungen auf Bundes- und Landesebene für den sozialen Wohnungsbau. Bundesweit würden lediglich 26.000 statt der erforderlichen 60.000 gebaut. In Berlin gebe es nur noch rund 137.000 Sozialwohnungen, so Prognos. Das seien nur etwa sieben Prozent des gesamten Wohnungsbestandes und deutlich zu wenig.

Beim sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau müssten gerade der Bund und die Länder „schnell eine Strategie entwickeln und finanziell enorm nachlegen“. Insgesamt müssten Bund und Länder vor allem auch eine deutliche Entschlackung der Bauvorschriften und bei den Kommunen zügigere Genehmigungsverfahren durch mehr Personal und Digitalisierung in den Baubehörden durchsetzen.