Baumschulenweg

Bund spendiert 150.000 Euro für historische Dinse-Orgel

Das einzigartige Instrument von 1911 ist seit Jahrzehnten nicht mehr bespielbar - neuer Standort für Orgelmusik.

Historisch bedeutsam: die Dinse-Orgel in der Kirche „Zum Vaterhaus“ in Baumschulenweg

Historisch bedeutsam: die Dinse-Orgel in der Kirche „Zum Vaterhaus“ in Baumschulenweg

Foto: Lukas Aust / Powerplay

Berlin. Treptow-Köpenick im Glück - wieder einmal werden Fördergelder für den Bezirk bewilligt. Diesmal kommt der Zuschuss der Kirche „Zum Vaterhaus“ in Baumschulenweg zu Gute. Der Haushaltsausschuss des Bundes bewilligte am Mittwoch 150.000 Euro für die Sanierung der kostbaren Dinse-Orgel, die größte pneumatisch betriebene Orgel Berlins.

Das Instrument von 1911 muss dringend aufgearbeitet werden. Durch den Krieg beschädigt, lief Regen durch das beschädigte Dach, zu DDR-Zeiten wurde sie zwar repariert, jedoch schon seit Jahrzehnten nicht mehr bespielt. Unter Berlins Kirchenmusikern wird sie deshalb „schlafende Königin“ genannt.

Das Denkmal könne in seiner historischen Bedeutung für die gesamte Region nicht hoch genug bewertet werden, heißt es in einem Gutachten einer Berliner Orgelbauwerkstatt. Es müsse für folgende Generationen gesichert werden.

Der erste Schritt ist demnach, die gesamte Orgel zu reinigen und auf ihre Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. Dazu muss das Pfeifenwerk zerlegt werden, denn die Klangfarbe wird neu abgestimmt. Selbst das Pedal muss wohl ausgebaut werden, auch Spieltisch und Notenpult werden überarbeitet.

Bund finanziert auch Sanierung der Regattatribüne

Der BVV-Fraktionsvorsitzende Alexander Freier-Winterwerb verwies gestern auf die enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Kommune. „Ohne die 150.000 Euro Förderung vom Bund wäre dieses wundervolle Stück Musikkultur wahrscheinlich nie wieder in Betrieb gegangen.“ Wie kürzlich bekannt wurde, unterstützt der Bund auch die Sanierung der historischen, maroden Regattatribüne in Grünau und die Neuaufstellung des Nachwuchsleistungszentrums des FC Union.

Große Freude natürlich bei der Gemeindeleitung „Zum Vaterhaus“: „Die Restaurierung der Orgel ist das I-Tüpfelchen nach der denkmalgerechten Sanierung der Kirche“, sagt Michael-Erich Aust. Danach soll sie nicht nur bei Gottesdiensten und Orgelkonzerten eingesetzt werden, sondern könnte berlinweit als Übungsinstrument für die Organistenausbildung dienen.

Bezirksbürgermeister Oliver Igel unterstrich gestern noch einmal die Bedeutung des Instruments: „Ich bin mir sicher, dass die Kirche „Zum Vaterhaus“ zu einem der Standorte der Orgelmusik werden wird.“

Nun muss aber erst einmal die Restfinanzierung sichergestellt werden, Kirchenkreis und Gemeinde wollen die fehlenden Mittel von 150.000 Euro stemmen, 300.000 Euro ist für die gesamte Sanierung veranschlagt. Zudem muss die geeignete Orgelwerkstatt gefunden werden - mit diesem historischem Instrument kennt sich heute nicht mehr jeder Orgelbauer aus. Im Sommer 2021 könnte sie wieder bespielbar sein.