Adlershof

Kinder kämpfen gegen Abholzung von Adlershofer Kiefernwald

Über 500 Bäume sollen wegen Wohnungsbau gefällt werden - die Bürgerinitiative hat einen Kinderprotest à la Greta Thunberg organisiert.

Schützt den Kiefernwald: Kinder aus der 5. Klasse der Lauterbach Grundschule, der Kita des Studentendorfes „Bienennest“ und Mitglieder der Bürgerinitiative.

Schützt den Kiefernwald: Kinder aus der 5. Klasse der Lauterbach Grundschule, der Kita des Studentendorfes „Bienennest“ und Mitglieder der Bürgerinitiative.

Foto: Maria HauessleR

Berlin. Mit Triangeln und Trommeln bewaffnet kommen die Schüler im Alexander-von-Humboldt-Weg an und marschieren direkt in das Wäldchen, um das es hier geht. Jaklina und Amanda halten aufgeregt ihr Schild in die Kamera. Darauf steht „So soll unsere Stadt nicht aussehen“. Darauf zu sehen sind Plattenbauten, wie sie die zwei aus dem Märkischen Viertel kennen. Denn von dort ist die Schulklasse am Mittwochmorgen angereist, um hier in Adlershof gegen die Abholzung eines Kiefernwäldchens mit etwa 500 Bäumen zu demonstrieren. An dieser Stelle sollen Wohnungen gebaut werden. „Wir hatten in der Medien-AG das Thema Klimawandel. Deshalb sind wir hier. Das ist auch freiwillig, alle aus unserer Klasse wollen helfen, dass das hier nicht so eine Megacity wird“, sagt Amanda.

Kitakinder spielen im Wäldchen

Tatsächlich kommen nun aus der Nachbarschaft die Kitakinder angestapft. Ihre extrakleinen Demonstrationsschilder und orange- und neonfarbenen Warnwesten machen deutlich, warum sie hier sind. „Für uns ist das wirklich ein Drama, das hier ist unser Ausflugsziel. Die Bäume spenden Schatten beim Spielen. Wir haben auch nur einen ganz kleinen Garten“, sagt Sabine Schreiber, die Geschäftsführerin des Kinderhauses „Bienennest“. „Als die Häuser gegenüber von der Kita gebaut wurden, haben die Kinder sich auch schon von ganz allein an den Zaun gestellt und die Bauarbeiter angeschrien“, fügt sie hinzu.

Detlef Staatz von der kleinen Bürgerinitiative Kiefernwald erklärt in seiner Ansprache den Kindern noch einmal, warum es sich lohnt, um jeden Wald zu kämpfen. „Ohne Wälder würden die Regenwolken des atlantischen Ozeanes gar nicht bei uns ankommen. Sie sorgen für einen Ausgleich der Temperaturen, schützen vor Wind, Sonne und Lärm. Aus unserer Sicht sind Bäume Lebewesen, die nicht einfach weggeräumt werden wie Müll“, ruft Staatz durch sein Megafon. Er stellt immer wieder Rückfragen, fast wie in der Schule. Ein Kind errät tatsächlich, dass die Kiefern etwa dreißig Jahre alt sind. Die Schüler wirken stolz, als Staatz sie als die ersten Kinder bezeichnet, die in Berlin gegen die Abholzung eines Waldes demonstrieren.

Bebauungsplan ist beschlossen

Außer den kleineren Demonstranten sind auch weitere Mitglieder der Bürgerinitiative anwesend, die eifrig mit den wenigen Politikern diskutieren, die erschienen sind. „Der Bebauungsplan ist beschlossen. Wir wollen das Fass eventuell nochmal aufmachen. Aber das ist nun wirklich eine Sache der Regierungsparteien darüber zu entscheiden“, sagt AfD-Politiker Frank Scholtysek. Die Grünen hatten damals ihren Antrag, den Bau an dieser Stelle zu vermeiden, zurückgezogen. Er fand bei den anderen Parteien keinen Zuspruch. „Heute wird das innerhalb der Partei als Fehler angesehen. Es wäre doch besser gewesen einen Antrag zu stellen, der dann abgelehnt wird“, sagt Willi Junger von den Grünen, der Mitglied im Kreisvorstand ist. Auch das Feld gegenüber soll bebaut werden.

Die Initiative aber gibt sich vorerst mit kleineren Zielen zufrieden und möchte den Wald schützen. „Er ist schützenswert. Die Kiefer ist ja auch ein Pionierbaum“, sagt Rainer Staatz. „Robust und genügsam.“ Klingt bald so, als sei es das Motto der kleinen Bürgerinitiative.