Sie warfen Handgranate

Männer geben zu: Anschlag auf Lokal war Rache für Nidal R.

Weil sie einen Anschlag auf ein Lokal in Kreuzberg verübten, stehen zwei Männer seit Mittwoch vor Gericht.

Handwerker übermalen im September 2018 unter Polizeischutz das Wandbild des ermordeten Intensivtäters Nidal R. am Tempelhofer Feld. Nidal R. war in der Nähe von bislang unbekannten Tätern erschossen worden. (Archivbild)

Handwerker übermalen im September 2018 unter Polizeischutz das Wandbild des ermordeten Intensivtäters Nidal R. am Tempelhofer Feld. Nidal R. war in der Nähe von bislang unbekannten Tätern erschossen worden. (Archivbild)

Foto: Paul Zinken / dpa

Lange Zeit wurde gerätselt, was den 21-jährigen Omar El-N. und den ein Jahr jüngeren Jihad El-S. dazu brachte, im Oktober vergangenen Jahres eine scharfe Handgranate in ein Lokal an der Oranienstraße in Kreuzberg zu schleudern und das Innere komplett zu verwüsten. Am Mittwoch begann vor dem Landgericht der Prozess gegen die beiden Deutschen mit arabischen Wurzeln.

Nach den direkt zu Beginn des ersten Verhandlungstages abgelegten Geständnissen der Angeklagten ist nunmehr klar: Omar El-N. und Jihad El-S. sind Cousins des im September vergangenen Jahres auf dem Tempelhofer Feld erschossenen Nidal R., bekannt als Berlins berühmtester Intensivtäter. Und der Anschlag auf das Lokal war ein Racheakt für den spektakulären Mord.

Am frühen Morgen des 22. Oktober 2018 ließen sich die Angeklagten von einem Unbekannten im Auto zu dem Lokal an der Oranienstraße fahren. Nachdem sie die Umgebung kurz in Augenschein genommen hatten, schritten sie zur Tat. Zunächst schlug El-N. mit einem Hammer ein Loch in die Fensterfront, dann zog El-S. den Sicherungsstift der mitgebrachten Handgranate und schleuderte sie in den Innenraum.

Eine Videokamera nahm die Angeklagten auf

Während die Granate mit einem ohrenbetäubenden Krach im Inneren detonierte und erheblichen Sachschaden anrichtete, flüchteten die Angeklagten vom Tatort. Was sie offenbar nicht bedacht hatten: Eine Videokamera nahm das ganze Geschehen auf, die Täter, die ihre Gesichter nur sehr oberflächlich verdeckt hatten, konnten schnell identifiziert werden.

Wenige Tage später wurden sie im Rahmen eines Großeinsatzes der Polizei gegen die organisierte Kriminalität festgenommen. Seither sitzt Omar El-N. in Untersuchungshaft, Jihad El-S. wanderte ebenfalls zunächst in U-Haft, verbüßt derzeit aber eine Freiheitsstrafe in anderer Sache.

Der Tod ihres Cousins Nidal R. habe sie sehr mitgenommen

In vorbereiteten Erklärungen äußerten sich die Angeklagten am Mittwoch zu den Vorwürfen. Beide gestanden die Tat, wobei sie beteuerten, sie hätten eigens darauf geachtet, dass sich zum Zeitpunkt des Anschlags niemand in dem Lokal aufhielt und hätte verletzt werden können.

Der Tod ihres Cousins Nidal habe sie sehr mitgenommen, dass es offenbar niemanden einschließlich der Polizei interessiere, habe sie wütend gemacht, erklärten die beiden jungen Männer. So sei der Entschluss zu dem Anschlag gereift. Heute wüssten sie allerdings, dass es falsch gewesen sei, ergänzten sie vor Gericht.

Woher kam die Handgranate? Warum dieses Lokal? Die Männer schweigen

Ob die Idee zu dem Anschlag ausschließlich von ihnen gekommen war, woher die Handgranate stammte, wer ihr unbekannter Fahrer war und was das Lokal an der Oranienstraße mit dem Mord an Nidal R. zu tun hat, dazu wollten sich beide Angeklagte dann aber doch nicht weiter äußern.

Es habe sich ja schnell herumgesprochen, „wer hinter dem Mord auf dem Tempelhofer Feld steckt“, erklärten beide, ohne ins Detail zu gehen. Vor allem diese Aussage dürfte auch die Polizei interessieren, die sucht noch immer den Mörder. Für den Prozess gegen die beiden jungen Männer sind bislang sieben Verhandlungstage vorgesehen. Fortsetzung ist bereits am Donnerstag.