Verkehr

„Nicht mehr zeitgemäß“: Radioeins setzt Blitzermeldungen ab

Zur Begründung nennt der Sender die Unfallzahlen in Berlin - und deren Ursache.

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Berlin. Der Berliner Sender Radioeins hat angekündigt, zukünftig keine Meldungen mehr auszustrahlen, in denen mitgeteilt wird, wo auf Berlins Straßen Temposünder geblitzt werden.

Zur Begründung teilte der Sender bei Twitter mit: „Wir halten Blitzermeldungen im Radio aus verschiedenen Gründen für nicht mehr zeitgemäß. Da sind zum Beispiel die konstant hohen Unfallzahlen in Berlin und Brandenburg, deren Ursache oft Raserei ist.“

Der Programmchef von Radioeins, Robert Skuppin, gab die Änderung des bisherigen Prozederes in einem 23-sekündigen Clip via Twitter bekannt. Dabei würzte er seine Ankündigung mit einem verspielten Jux.

Radioeins präsentiert Absetzung der Blitzermeldung mit Schabowski-Witz

So lässt er sich von einem Kollegen außerhalb des Bildausschnitts fragen: „Ab wann tritt das in Kraft?“ Darauf blättert Skuppin scheinbar etwas überrumpelt in den vor ihm liegenden Unterlagen, gibt ein „Ähm“ von sich, um dann zu antworten: „Also, das tritt nach meiner Erkenntnis… sofort, unverzüglich.“

Damit persifliert der 1964 in Bayern geborene Skuppin den Auftritt des damaligen Ersten Sekretärs der SED-Bezirksleitung Berlin, Günter Schabowski bei seiner live übertragenen Pressekonferenz am Abend des 9. November 1989 in Ost-Berlin.

Schabowski hatte wie in einer Fußnote, dafür umso folgenreicher, bekannt gegeben, dass die Mauer geöffnet und die Ausreise aus der DDR gestattet wird. Gefragt, ab wann die neue Regelung gilt, sagte Schabowski, überrascht wirkend: „Das tritt nach meiner Erkenntnis… sofort… unverzüglich.“

Blitzer-Apps zu nutzen sind übrigens nur bedingt eine Alternative zu den Durchsagen im Radio. Sie sind für Autofahrer illegal. Darauf weist die Stiftung Warentest hin. Ahndet die Polizei einen solchen Verstoß, werden 75 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg fällig. Das haben der Stiftung zufolge Urteile der Oberlandesgerichte Rostock (Az.: 21 Ss Owi 38/17 [Z]) und Celle (Az.: 2 Ss (OWi) 313/15) bestätigt.

Nicht verboten ist es dagegen laut Stiftung Warentest, wenn sich ein Beifahrer über sein Smartphone warnen lässt und diese Warnung mündlich an den Fahrer weitergibt. Der Fahrer darf sich außerdem vor der Fahrt und während einer Pause über sein Handy informieren. Nicht die Blitzer-Identifizierung per App ist also das Problem, sondern die Ablenkung durch ein elektronisches Gerät während der Fahrt.