Probleme in Halensee

Personalnotstand: S-Bahner warnen vor Betriebseinstellung

In der S-Bahn-Betriebszentrale in Halensee herrsche Personalmangel, beklagen die Mitarbeiter. Das könnte Folgen für den Betrieb haben.

S-Bahn-Mitarbeiter beklagen Personalprobleme in der Betriebszentrale in Halensee. (Archiv).

S-Bahn-Mitarbeiter beklagen Personalprobleme in der Betriebszentrale in Halensee. (Archiv).

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin.  Die Stadt Mainz hat unter Eisenbahnern keinen besonders guten Ruf. Sorgte die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt doch im Sommer 2013 bundesweit für Schlagzeilen, als wegen akuten Personalmangels im Stellwerk am Hauptbahnhof tagelang zahllose Zugfahrten ausfielen. Nun warnen Mitarbeiter der S-Bahn Berlin in einem Brandbrief an die Konzernzentrale der Bahn eindringlich vor „Mainzer“ Verhältnissen“.

Konkret geht es um die Betriebszentrale der S-Bahn in Halensee, von der aus fast der gesamte Zugverkehr in der Hauptstadt gesteuert wird. In der Schaltzentrale, die in Verantwortung der Bahntochter DB Netze liegt, herrsche extremer Personalmangel. Vermehrt müssten Fahrdienstleiter zwei Arbeitsplätze gleichzeitig übernehmen, gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten würden nicht eingehalten, beklagt der Betriebsrat in einem internen Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt. „Inzwischen ist die Situation so weit zugespitzt, dass eine Betriebseinstellung nicht mehr auszuschließen ist!“, heißt es unmissverständlich im „Netzblatt Extra“.

Die Betriebszentrale ist das Herz der S-Bahn

Welche Folgen die Einstellung des Betriebs in Halensee haben kann, bekamen die Berliner erst beim jüngsten Eisenbahnerstreik im Dezember vorigen Jahres zu spüren. Weil die aus gerade einmal zwölf Mitarbeitern bestehende Frühschicht in der Betriebszentrale die Arbeit niederlegte, musste die S-Bahn Berlin fast in der gesamten Stadt ihren Zugverkehr stundenlang einstellen.

Die mehr als 90 Jahre alte Schaltwarte im Berliner Südwesten ist faktisch das Herz des gesamten S-Bahn-Betriebs. Vor hier aus werden fast alle Signale und Weichen im 327 Kilometer langen Schnellbahnsystem der Hauptstadt und ihres Umlandes gestellt. Springen die Signale auf Rot, kann kein Zug mehr fahren.

Die Lage bei der S-Bahn schien sich stabilisiert zu haben

Der Brandbrief kommt zum jetzigen Zeitpunkt für Außenstehende überraschend. Zwar gab es auch schon in der Vergangenheit wiederholt Klagen von S-Bahnern über Personalnot und eine zu hohe Arbeitsbelastung. Doch zuletzt schien sich die Lage stabilisiert zu haben.

Hatte doch der Mutterkonzern der S-Bahn Berlin GmbH, die Deutsche Bahn, vor einem Jahr eine „Qualitätsoffensive“ gestartet, mit der der oft kritisierte Betrieb spürbar verbessert werden sollte. Zusätzliche Investitionen in Höhe von 32 Millionen Euro wurden dafür angekündigt.

Schuld für den Personalmangel sollen Managementfehler sein

Anfang dieses Jahres konnte der Bahnbevollmächtigte für Berlin, Alexander Kaczmarek, tatsächlich erste Erfolge verkünden. So habe sich etwa die Pünktlichkeit der S-Bahn im Vorjahr auf 95,4 Prozent verbessert, was 1,8 Prozentpunkte über dem Wert von 2017 liegt. Berlin und Brandenburg fordern, dass mindestens 96 Prozent aller Züge pünktlich sind. Diese Vorgabe konnte im Januar mit 96,8 Prozent erstmals seit Längerem deutlich übertroffen werden.

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Allerdings scheint der Aufschwung an der Betriebszentrale in Halensee, die die S-Bahn Berlin 2016 an die Bahntochter DB Netze übergeben musste, vorbeigegangen zu sein. Die Betriebsräte dort beklagen einen andauernden Personalmangel, vor allem hervorgerufen durch klassische Managementfehler wie Fehleinschätzungen bei der Personalbedarfsplanung. Auch bei der Gewinnung von Auszubildenden würde die S-Bahn nicht vordringlich behandelt. Stattdessen würde erst die Betriebszentrale für den Fernverkehr mit Nachwuchskräften versorgt, heißt es in dem Brief.

Mitarbeiter aus anderen Einsatzorten sollen aushelfen

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn bestätigte zumindest indirekt die vom Betriebsrat angeprangerten Missstände. Es werde intensiv daran gearbeitet, die Situation für die Mitarbeiter in der Betriebszentrale S-Bahn deutlich zu verbessern. „Dazu gehört, dass wir auch weiter mit aller Anstrengung neue Mitarbeiter einstellen und ausbilden“, so die Bahnsprecherin. So seien im vergangenen Jahr bundesweit 1300 Fahrdienstleiter neu eingestellt worden. Allein im ersten Quartal 2019 hätte es 650 Einstellungszusagen gegeben.

Um die Situation in der Betriebszentrale S-Bahn-Berlin kurzfristig zu entspannen, würden Mitarbeiter aus anderen Einsatzorten zur Unterstützung angesprochen. „Darüber hinaus erhalten Kolleginnen und Kollegen in der S-Bahn-Zentrale für ihren Einsatz eine Anerkennung“, sagte die Sprecherin.

An einer weiteren Verbesserung der Lage werde in Abstimmung mit dem Betriebsrat gearbeitet. „Wir nehmen das Thema ernst und werden auch weiterhin den ständigen Dialog mit Betriebsrat und Mitarbeitern führen“, betonte die Sprecherin. Negative Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr in Berlin und Brandenburg würde es aktuell nicht geben.