Naturschutz

Plan der Grünen - Mehr Wasser für Berlins Bäume

Die Dürre setzt Berlins 430.000 Straßenbäumen zu. Die Grünen verlangen nun doppelt so viel Geld, um sie zu pflegen und zu wässern.

Unter den Linden | Verwendung weltweit

Unter den Linden | Verwendung weltweit

Foto: CHROMORANGE / Karl-Heinz Spremberg / picture alliance

Berlin.  Die Grünen wollen Berlins Straßenbäume auch in Zeiten von Klimawandel und Dürre-Sommern erhalten. Dazu sollen verstärkt junge Bäume nachgepflanzt und neue sowie ältere Bäume besser gepflegt werden. 80 Euro pro Jahr seien für jeden der 433.000 Straßenbäume notwendig, so die Regierungsfraktion in einem Positionspapier. Das würde bedeuten, dass die Bezirke im nächsten Doppelhaushalt 14 Millionen Euro mehr bekommen müssten als bisher vorgesehen. „Alle in der Koalition meinen es sehr ernst mit den Bäumen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel mit Blick auf die in der zweiten Jahreshälfte anstehenden Haushaltsberatungen. Die „Stärkung des Stadtgrüns“ sei „Teil der grünen Handschrift“.

Finanzsenator hat 48 Euro pro Jahr und Baum vorgesehen

Die Finanzverwaltung habe den Bezirksämtern in den Plänen für 2020 und 2021 nur eine geringe Steigerung des Budgets auf 48 Euro pro Baum in Aussicht gestellt, berichtete Friedrichshain-Kreuzbergs Umwelt- und Finanzstadträtin Clara Herrmann. Sie forderte mehr Geld im normalen Bezirksbudget und weniger Sonderprogramme, wie sie der Senat etwa nach den Schäden durch den Orkan Xavier im Herbst 2017 aufgelegt habe. Sie habe für Baumschutz vier Mitarbeiter plus einer Gruppenleiterin in Teilzeit. Schnitt und Pflege der Bäume werde in der Regel an externe Dienstleister vergeben.

Ihr wäre es lieber, eigene Baumpflege-Experten zu haben, die regelmäßig die 16.000 Bäume im Bezirk betreuen könnten. „Jeder Baum ist eine Klima- und Filteranlage“, sagte die Stadträtin. „An den Berliner Bäumen wurde viel zu lange gespart“, sagte Turgut Altug, Sprecher der Abgeordnetenhaus-Fraktion für Naturschutz. Dabei liebten die Berliner ihre Bäume, die für die Anpassung der Stadt an den Klimawandel eine entscheidende Rolle spielten. Darum sollen die Bürger unkompliziert eine Patenschaft für einen Baum übernehmen können.

Senat sollte ein Notfallprogramm Trockenheit aufsetzen

Auch um der für den kommenden Sommer befürchteten Dürre zu trotzen, sollte der Senat ein Notfallprogramm Trockenheit aufsetzen und in Anlehnung an den Winterdienst einen regelmäßigen Sommerdienst einführen. Die BSR, die Wasserbetriebe, die Feuerwehr, die Polizei und auch freiwillige Bürger sollten mithelfen, die Pflanzen ausreichend zu wässern. Schon nach dem Hitzesommer 2018 hatte der Senat eine Millionen Euro bereit gestellt, um Bäume zu gießen.

Die Grünen wollen die spezielle Pflege für junge Bäume ausweiten.

Bisher werden diese nur drei Jahre besonders betreut und gewässert. Diese Phase sollte durch den Senat auf zehn Jahre ausgeweitet werden. Denn der Lebensraum in der Stadt ist nicht einfach für die Pflanzen. „Der Standort Straße ist der schwierigste und stressigste, den man einem solchen Lebewesen zumuten kann“, sagte Christian Hönig, Baumschutz-Referent des Umweltverbandes BUND. Das Durchschnittsalter der Berliner Straßenbäume liege bei 60 Jahren. „Mehr schaffen die nicht“, sagte Hönig.

Besonders junge Bäume brauchen viel Wasser

Vor allem junge Bäume bräuchten am Anfang viel Wasser, weil ihre Wurzeln noch nicht so ausgedehnt seien, um das nass aus den tieferen Erdschichten zu ziehen. Auch Dünger sei in dieser Phase notwendig. Neben dem Wässern sei gerade in den ersten Jahren extrem wichtig, den Baum fachgerecht zu beschneiden. In der mittleren Lebensphase gehe es hingegen eher um eine regelmäßige Kontrolle alle neun bis zwölf Monate, um zu sehen ob etwa Äste aneinander reiben oder ob sich Hohlräume gebildet hätten. Ältere Bäume brauchten wieder mehr Betreuung, so der Experte.

Es sollten aber auch wieder mehr Bäume an Berlins Straßen gepflanzt werden. Denn nach dem Orkan Xavier seien nur 2000 der 8000 durch den Sturm beschädigten Bäume ersetzt worden. In einer Baumpflanzoffensive wollen die Grünen gemeinsam mit Bezirksämtern, Landesbetrieben und Bürgern den Bestand erweitern. In Grünanlagen und Parks sollten bis 2021 pro Bezirk 1000 neue Bäume gesetzt werden. Diese sollten auch bienen- und bestäuberfreundlich sein. Neben den Straßenbäumen wachsen in der Stadt 470.000 Bäume in Parks und Grünanlagen. Die Zahl der Straßenbäume soll ebenfalls wachsen, um 20.000 bis 2030, so die Grünen.

Die Platanen an der Urania sollen stehen bleiben

Müssen Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden, sollten die Behörden das besser als bisher üblich den Anwohnern erklären. Baumfällungen für neue Gebäude wollen die Grünen so weit wie möglich vermeiden, indem die Naturschutzbehörden personell besser ausgestattet und rechtzeitig in die Planung mit einbezogen werden.

Die Grünen wollen es auch Bauherren schwerer machen, für verlorene Bäume eine Geldzahlung zu leisten. Lieber sollen neue Pflanzen in der Nähe für Ersatz sorgen. Um etwa Radwege anzulegen, sollen Bäume nur dann fallen müssen, wenn an der betreffenden Stelle keine Parkplätze mehr vorhanden seien.

BUND-Referent Hönig sagte, andere Städte beneideten Berlin um seine vielen Straßenbäume. Darum habe man auch an der Urania interveniert, als der Bezirk auf dem Mittelstreifen acht Platanen fällen wollte, um einen besseren Blick auf den „Arc“ des französischen Künstlers Bernar Venet zu schaffen. Für Berlins Bäume herrsche schon jetzt „Klimanotstand“, sagte Fraktionschefin Gebel. Darum sei es wichtig, dass die Platanen an der Urania stehen blieben.