Indikatorenmodell

Eine Ampel soll Berlins Schüler besser machen

Mit einem Indikatorenmodell will Senatorin Sandras Scheeres die Qualität der Berliner Schulen verbessern. Ob das klappt?

Eine Schule im Aufbruch, für die ein Indikatorenmodell hilfreich sein kann: Senatorin Sandra Scheeres (SPD) beim Besuch in der Spreewald-Grundschule.

Eine Schule im Aufbruch, für die ein Indikatorenmodell hilfreich sein kann: Senatorin Sandra Scheeres (SPD) beim Besuch in der Spreewald-Grundschule.

Foto: Reto Klar

Rund 8.900 Euro gibt Berlin jährlich durchschnittlich pro Schüler aus. Damit liegt der Stadtstaat deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Dort sind es nämlich 6.900 Euro, also 2.000 Euro weniger. Doch bringt mehr Geld auch mehr Erfolg?

Nicht in Berlin. Denn weiterhin liegt man hier bei den großen Schüler-Leistungsvergleichen auf den letzten Plätzen der Bundesländer.

Und es gibt weitere Probleme: So verließen an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen der Stadt im letzten Schuljahr 13 Prozent der Schüler am Ende der 10. Klasse ihre Schule ohne Abschluss – drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Senatorin Sandra Scheeres (SPD) und ihre neue Staatssekretärin Beate Stoffers hatten deshalb angekündigt, man wolle sich nun verstärkt um das Thema Unterrichtsqualität kümmern.

Helfen soll ein Indikatorenmodell, das für alle Schultypen eingeführt wird. Dieses Indikatorenmodell stellte Scheeres und ihr Team am Donnerstag im Schulausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses nun vor.

Wenn eine Schule sich gut entwickelt, wird die Grafik grün. Wenn nicht, rot

Die Idee: es werden Daten gesammelt, die die Entwicklung einer Schule verdeutlichen sollen. Sogar farblich: grün ist ein positiver Trend, rot zeigt, hier an der Schule läuft manches in die falsche Richtung. Es gibt je nach Schultyp verschiedene Indikatoren. Während bei der Grundschule beispielsweise die Testergebnisse aus dem Vera-3 hineinspielen, stehen bei weiterführenden Sekundarschulen die Zahl der Schulschwänzer im Fokus.

Für die Sekundarschulen der Stadt wird das Indikatorenmodell schon angewandt, bei den Grundschulen arbeiten die Hälfte der Schulen bislang damit. Für die Gymnasien beginnt man nun, Indikatoren aufzustellen. „Ende 2019 soll es auch hier zur Anwendung kommen“, sagte Susanne Kollmann von der Senatsbildungsverwaltung. Und betonte, die Indikatoren seien nicht „in Stein gemeißelt“. Sie können sich noch ändern.

In Schulverträgen werden Ziele für die Zukunft vereinbart

Mit den Daten kann man nun verbindliche Schulverträge aufsetzen, in denen Ziele vereinbart werden. Wo müssen wir ran, was läuft schlecht? Die Leistung der Berliner Schüler sollen sich so in der Gesamtheit verbessern, so das Ziel.

Das Thema Leistung scheint allerdings für manchen Berliner Abgeordneten des Schulausschusses immer noch heikel zu sein, denn so recht wollte danach in der Fragerunde niemand darüber reden. Dabei blieb manches unklar. Beispielsweise die Frage, wie man eine Schule „auf den Weg bringen“ will, wenn ihre Daten alarmierend sind. Mit gutem Zureden? Mit Sanktionen? Wer hat überhaupt Zugang zu den Daten des Indikatorenmodells? Nur die Schulleitung? Auf solche Nachfragen wartete man vergeblich.

Auch von der Opposition kam an diesem Tag nicht viel

Lieber lobten die Abgeordneten der Koalition multiprofessionelle Teams an Berliner Schulen oder die Schulsozialarbeit. Und die Opposition? Auch die schien müde, viele Nachfragen kamen da nicht.

Nur die SPD-Abgeordnete Maja Lasić wirkte angenehm konkret, hakte nach, wie man beispielsweise die Inklusion als Indikator positiv verankern könne. Aber sie hatte auch gerade sehr anschaulich erlebt, wie gut Datenerhebungen für eine Schulentwicklung sein können. Sie war nämlich zusammen mit ihrem Parteigenossen Raed Saleh in London gewesen, hatte dort Schulen besucht. Das Indikatorenmodell ist da längst Standard.