Prozess in Berlin

223 Taten in sieben Monaten - Internetbetrüger vor Gericht

Seit Donnerstag muss sich ein 27-Jähriger vor Gericht verantworten. Die Anklage wirft ihm Betrug, Fälschungen und Geldwäsche vor.

Internetbetraug (Symbolbild)

Internetbetraug (Symbolbild)

Foto: Ole Spata / dpa

Berlin.  Als Nerds werden gemeinhin Menschen bezeichnet, die mit einem Computer und dem Internet fantastische Dinge anstellen können, sich im realen Leben aber mitunter etwas schwer tun. Auf Dennis S. soll das zutreffen, glaubt zumindest die Berliner Staatsanwaltschaft. Um sein reales Leben muss sich der 27-Jährige derzeit nur wenig kümmern, das Meiste erledigen andere. Denn S. sitzt seit Juni vergangenen Jahres in Moabit in Untersuchungshaft.

Was er im Internet so alles veranstaltet haben soll, erscheint durchaus imposant, ist aber den mit seinem Fall befassten Ermittlern zufolge vor allem hochgradig kriminell. Gewerbsmäßigen Betrug, Urkundenfälschung und Geldwäsche wird dem 27-Jährigen vorgeworfen. Und das im großen Stil. Seit Donnerstag steht er vor Gericht.

Angeklagter suchte Spieletester und griff die Personaldaten ab

223 Taten innerhalb von nur sieben Monaten werden ihm in der Anklage vorgeworfen, umgerechnet bedeutet das eine Straftat pro Tag. Dennis S. und seine Verteidiger hingegen bestreiten alle Vorwürfe energisch. Auf die zuständige 20. Große Strafkammer am Landgericht wartet damit ein langwieriges und aufwendiges Verfahren mit zahlreichen Geschädigten als Zeugen. Wenn alles klappt ist man Weihnachten fertig, so weit in die Zukunft reicht zumindest die Liste der eingeplanten Verhandlungstage.

Angefangen haben sollen die kriminellen Aktivitäten im November 2017. Damals suchte der Angeklagte nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft über die Kleinanzeigenrubrik des Internet-Auktionshauses eBay „Spieletester“. Sich den ganzen Tag mit Computerspielen beschäftigen und dafür auch noch Geld zu bekommen, erscheint vielen jungen Leuten heutzutage als der Traumberuf schlechthin. Entsprechend hoch war die Zahl der Bewerber.

S. soll allerdings nicht im mindesten an der Vergabe von Traumjobs interessiert gewesen sein, ihm soll er ausschließlich darum gegangen sein, an die Personaldaten der Bewerber zu gelangen, samt Kopien von Personalausweisen. Damit soll er dann zahlreiche Konten bei verschiedenen Banken eröffnet haben, allesamt unter den Namen der ahnungslosen Bewerber für den begehrten Job des Spieletesters.

Bei eBay Waren verkauft, die gar nicht existierten

Die Konten soll S. genutzt haben, um sich Kredite zu verschaffen und Geld, das aus anderen Straftaten stammte hin und her geschoben haben, teilweise in Zusammenarbeit mit bislang unbekannten Mittätern. Darüber hinaus soll er der Anklage zufolge bei eBay Waren verkauft haben, die gar nicht existierten oder sich zumindest nicht in seinem Besitz befanden.

Wie die Betrugs- und Fälschungsdelikte genau abgelaufen sind und was dem Angeklagten letztlich nachgewiesen werden kann, müssen die kommenden 48 Verhandlungstage zeigen. Dennis S. jedenfalls, der zeitweise ohne festen Wohnsitz war, soll zumindest in den sieben Monaten, in denen er im Internet aktiv war, ein knapp fünfstelliges Monatsgehalt, insgesamt 78.000 Euro, kassiert haben.