Kriminalität

Fünffacher Familienvater ermordet: Prozess eröffnet

Anklage: 49-Jähriger stach zu, als er bei einem Wohnungseinbruch in Kreuzberg überrascht wurde.

In diesem Haus in der Alexandrinenstraße wurde ein fünffacher Familienvater im September 2018 ermordet.

In diesem Haus in der Alexandrinenstraße wurde ein fünffacher Familienvater im September 2018 ermordet.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts muss sich seit dieser Woche ein Mitglied einer polizeibekannten libanesischen Großfamilie wegen Mordes verantworten. Der mehrfach vorbestrafte Omar A.-K. (49) soll im Herbst vergangenen Jahres in eine Wohnung in Kreuzberg eingestiegen sein und dabei den 54-jährigen Wohnungsinhaber durch einen Messerstich so schwer verletzt haben, dass der noch am Tatort starb.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte am frühen Abend des 27. September über ein Baugerüst in die Wohnung im Hochparterre eines Hauses an der Alexandrinenstraße eingestiegen sein. Als er auf der Suche nach Beute vom Wohnungsinhaber, einem Vater von fünf Kindern überrascht wurde, soll der 49-Jährige zugestochen haben. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen traf er das Opfer zwar „nur“ am Unterarm, dabei wurde jedoch eine Arterie verletzt, der hilflose Familienvater verblutete.

Prozess in Berlin: Sechs Wohnungseinbrüche werden dem Angeklagten vorgeworfen

Der Eindringling habe die Wohnung fluchtartig verlassen, obwohl ihm klar gewesen sein musste, dass sein Opfer ohne sofortige ärztliche Hilfe verbluten würde, hieß es in der Anklage. Die Staatsanwaltschaft geht daher von einem Mord durch Unterlassen aus. Zusätzlich wirft sie dem Angeklagten noch fünf teils vollendete, teils versuchte Wohnungseinbrüche in der Zeit zwischen April 2012 und Oktober 2018 vor.

Allein innerhalb von vier Tagen nach dem Einbruch in Kreuzberg mit tödlichem Ausgang soll A.-K. zwei weitere Wohnungseinbrüche in Kreuzberg und Neukölln verübt haben. Nach der letzten Tat wurde der Angeklagte von einem Zeugen verfolgt, der die Polizei auf seine Spur brachte. Am U-Bahnhof Hallesches Tor konnte der 49-Jährige festgenommen werden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Laufende Haftstrafe wurde kurz vor der Tat ausgesetzt

In Haft hätte er unter normalen Umständen auch sitzen müssen, als der Mord passierte. Nach seiner bislang letzten Verurteilung verbüßte Omar A.-K. eine Haftstrafe, die formell im März 2020 geendet hätte. Sie war allerdings im August 2018 ausgesetzt und A.-K. aus der Haft entlassen worden, mit der Auflage, eine Drogentherapie zu beginnen. Die trat der Verurteilte allerdings nie an. Stattdessen soll er der Anklage zufolge schnell wieder straffällig geworden sein, bis hin zu dem Mord, der dem 49-Jährigen in dem jetzt begonnenen Prozess vorgeworfen wird.

Zum Prozessauftakt am Dienstag ließ der Angeklagte durch seine Verteidiger mitteilen, er werde sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern. An den weiteren Verhandlungstagen wird sich das Gericht vor allem mit dem Mordvorwurf befassen müssen.

Der Prozess wird am 17. Mai fortgesetzt

Prozessbeobachter rechnen fest damit, dass die Verteidigung einen Mord bestreiten wird, da der Angeklagte ja nur den Arm des Getöteten getroffen habe, eine Tötungsabsicht daher kaum vorliegen könne. Zehn Verhandlungstage hat das Gericht für die Klärung dieser Frage und weiterer Details eingeplant. Fortgesetzt wird der Prozess am 17. Mai.

Die Familie des Angeklagten geriet bereits vor 16 Jahren in die Schlagzeilen. Im April 2003 erschoss ein Bruder von Omar A.-K. einen damals 27-jährigen SEK-Beamten bei einem Einsatz gegen kriminelle Großfamilien. Der Bruder wurde wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt und im vergangenen Jahr vorzeitig entlassen.