Waldbühne

Fleetwood Mac rocken die Waldbühne trotz Regens

Beim einzigen Deutschlandkonzert spielt sich die Mega-Band der Siebziger und Achtziger mit vielen Hits durch 52 Jahre Bandgeschichte.

Fleetwood Mac bringt die Berliner Waldbühne an diesem eher kühlen Abend ein ums  andere Mal zum Kochen. 

Fleetwood Mac bringt die Berliner Waldbühne an diesem eher kühlen Abend ein ums  andere Mal zum Kochen. 

Foto: Henning Kaiser / dpa

Berlin. Beide Arme zur Begrüßung hochgereckt, ist Mick Fleetwood ein fleischgewordenes Victory-Zeichen. Ein gutes Omen. Und tatsächlich lösen Fleetwood Mac es ein. Schon beim zweiten Song „Little Lies“ steht die ausverkaufte Waldbühne Kopf. Die Smartphones im Anschlag, um den Gig für die Ewigkeit aufzuzeichnen, singen und tanzen die Zuschauer mit.

Trotz des einsetzenden Regens, vor dem mancher Zuschauer aufs heimisches Sofa flieht, ist die Stimmung blendend in Berlins schönster Open-Air-Arena. Kein Wunder. Fleetwood Mac spielen sich beim einzigen Deutschlandkonzert mit ihren Hits durch 52 Jahre Bandgeschichte, wie „Rhiannon“.

Mit Mick Fleetwood, John McVie, Stevie Nicks und Christine McVie steht die Originalbesetzung von „Rumours" auf der Bühne. Dem legendären Album aus dem Jahr 1977, das sich über 40 Millionen Mal verkaufte. Allerdings fehlt Stamm-Gitarrist und Songwriter Lindsey Buckingham. Nach 43 gemeinsamen Jahren trennte man sich nach bandinternen Querelen 2018.

An Buckinghams Stelle neu im Line-up ist Mike Campbell. Seine Meriten erlangte er als Gitarrist von Tom Petty & The Heartbreakers. Vom Fachblatt Rolling Stone wird er als einer der 100 Weltbesten auf den silbernen sechs Saiten gelistet. Die zweite Neubesetzung ist Bassist Neil Flinn. Der Neuseeländer wurde als Sänger und Songwriter der Bands Spit Enz und Crowded House bekannt. Er übernimmt neben der Gitarre auch den Gesangspart von Buckingham. Genau wie Campbell mit virtuoser Könnerschaft.

Fleetwood Mac von der Berliner Waldbühne gefeiert

Wechselnde Musiker sind übrigens nichts neues bei Fleetwood Mac. 1967 ursprünglich von Gitarrist Peter Green, Drummer Mick Fleetwood und Bassist John McVie mal als rein britische Bluesband gegründet. Die beiden Letzteren sind seither die einzige konstanten Mitglieder der Band. In den Siebzigern wandte sich Fleetwood Mac dem Rock zu. Neue Mitglieder waren Sängerin Christine McVie, zeitweise mit Bassist John verheiratet, sowie Lindsey Buckingham, der seine Freundin Stevie Nicks mitbrachte. Wie Christine McVie eine sensationelle Songwriterin. Mit ihrem markanten Mezzo avancierte sie zur Frontfrau der Band.

Es sind denn auch die vier langjährigen Bandmitglieder, denen die größte Sympathie der Zuschauer entgegen schlägt. Mittlerweile alle über siebzig. Musikalisch immer noch so brillant und frisch wie eh und je. Die Waldbühne feiert die Mega-Band der Siebziger und Achtziger. Bei denn rund 22.000 Zuschauern sind alle Altersklassen vertreten. Und alle kommen auf ihre Kosten.

Wenn nicht gerade die Musiker zu sehen sind, flimmern allerlei kitschige Motive zu den Songs über die LED-Screens. Etwa von wild durchs Wasser galoppierenden Pferden oder ein rosaroter Mond. Passend zu den romantisch-melancholischen Tondichtungen von Stevie Nicks. Sie veredelt mit ihrer wunderbar rauchigen Stimme Klassiker wie „Dreams" und die gefühlige Ballade „Landslide". Aber auch „Black Magic Woman“. Der von Peter Green geschriebene Song war in der Version von Santana ein Welterfolg. Auch das heiße Duett zwischen Nicks und Campbells Gitarre könnte glatt die Charts stürmen.

Selbstredend gibt es auch eines der satten, epischen Schlagzeug-Soli von Mick Fleetwood. Für Abwechslung sorgen zudem die rauen, rockigen Kompositionen. Mit facettenreichen Arrangements, eingängigen Melodien und üppigen Harmonien, verwoben zu einem kraftvollen Sound. Die Band bringt damit die Freiluft-Arena an diesem eher kühlen Abend ein ums andere Mal zum Kochen.

Zum Schluss folgen Jubel, Pfiffe und verdienter Applaus für ein phänomenales Konzert.