Versorgung

So lange dauert in Berlin der Weg ins Krankenhaus

Eine Statistik zur Erreichbarkeit zeigt, dass die Versorgung allgemein gut ist. Wie schnell Retter eintreffen, hängt vom Einsatzort ab.

Ausnahmezustand Rettungsdienst

Die Sanitäter der Berliner Feuerwehr sind komplett überlastet - auch weil sie zu oft bei Kleinigkeiten ausrücken müssen.

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Berlin. Knapp die Hälfte der Einwohner Berlins brauchen mehr als fünf Minuten bis zum nächsten Krankenhaus, zehn Prozent mehr als zehn Minuten und weniger als ein Prozent mehr als 15 Minuten. Das sind die Kernaussagen des neuen Krankenhausatlas, den das Bundesamt für Statistik am Montag veröffentlicht hat (siehe Karte). Die interaktive Karte zeigt erstmalig die Erreichbarkeit von Krankenhäusern in Deutschland.

Unterdurchschnittlich versorgt im berlinweiten Vergleich der Krankenhäuser mit Basisversorgung sind demnach zum Beispiel Teile von Oberschöneweide im Bereich der Rummelsburger Landstraße, Teile von Lichtenrade entlang des Kirchhainer Dammes, Teile Blankenburgs entlang der Rudelsburgstraße und die Gebiete südlich des Tegeler Forsts um die Friederikstraße.

In ländlichen Regionen dauert es im Schnitt länger

Laut Bundesamt für Statistik erreichen knapp 90 Prozent der in städtischen Regionen lebenden Bevölkerung in Deutschland innerhalb von 15 Minuten das nächste Krankenhaus mit einer Basisversorgung. In ländlichen Regionen schaffen das nur etwa 64 Prozent der Bevölkerung.

Zum Vergleich: In Brandenburg brauchen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung länger als fünf Minuten zum Krankenhaus, mehr als 55 Prozent länger als zehn Minuten, mehr als 35 Prozent länger als 15 Minuten, mehr als 15 Prozent länger als 20 Minuten und mehr als zwei Prozent sogar länger als 30 Minuten.

Die Erreichbarkeiten beziehen sich auf die Fahrtzeit in einem Auto bei ungestörter Verkehrslage. Die komplexen Daten des Bundesamtes für Statistik sind allerdings aus dem Jahr 2016.

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Rettungswagen brauchen länger als früher

Die Politik in Brandenburg hat das Problem offenbar erkannt: In ihrem Abschlussbericht zur Krankenhaussituation in Brandenburg, der am Montag in Seddiner See (Landkreis Potsdam-Mittelmark) vorgestellt wurde, schreibt die Enquete-Kommission: „Der Erhalt aller Krankenhäuser der Grundversorgung und die Notfallversorgung in der Fläche sind zu gewährleisten.“ Solche Kliniken sollten in jeder Region wohnortnah die Behandlung der häufigsten Krankheiten sichern. An dem Gremium sind Vertreter von SPD, CDU, Linke, Grünen, AfD sowie Kommunalverbände beteiligt.

Neben der Versorgung mit Krankenhäusern sind in Berlin die Eintreffzeiten von Rettungswagen (RTW) immer wieder ein Thema. Hier waren die Zeiten zuletzt gestiegen. Das hatte die Innenverwaltung auf eine kleine Anfrage des innenpolitischen Sprechers der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Marcel Luthe, eingeräumt. So dauerte es 2017 im Schnitt 2:47 Minuten zwischen Rufannahme und Alarmierung und 7:55 Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen am Einsatzort. Zum Vergleich: 2014 waren es 2:33 Minuten und 7:17 Minuten.

„Nicht überall Krankenhaus mit Maximalversorgung möglich“

Innenpolitiker Luthe sagte der Berliner Morgenpost: "Kernaufgabe des Senats ist die Sicherheit der Bürger – unabhängig von ihrem jeweiligen Wohnort“. Es könne nicht sein, dass die lebensrettende rechtzeitige Hilfe in Berlin derart stark vom Wohnort abhängig ist. „Etwa bei einem Schlaganfall kostet jede Minute massiv Hirnzellen. Die Berliner Feuerwehr muss allein für ihre Kernaufgaben eingesetzt werden und diese im ganzen Stadtgebiet gleichermaßen gut abbilden können“, sagte Luthe.

Zu etwas mehr Nachsicht ruft die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die auch Feuerwehrleute vertritt, auf. Generell verfüge Berlin über eine recht ordentliche Versorgungsdichte, sagt der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Oliver Mertens. „Natürlich aber kann es bei der Größe der Stadt dazu kommen, dass ein RTW nicht binnen Sekunden an jedem Ort Berlins sein kann, zumal eine Vielzahl an Verkehrsteilnehmern scheinbar nicht auf Martinshorn und Blaulicht reagiert und sich Wegzeiten so unnötig verlängern“. Man könne auch nicht vor jeder Haustür ein Krankenhaus mit Maximalversorgung errichten, so Mertens weiter.

Retter zu Patienten mit harmlosen Problemen gerufen

Ein Problem in Berlin ist nach wie vor, dass der Rettungsdienst mit Alarmierungen zu kämpfen hat, die keine Notfälle darstellen. So rücken etwa regelmäßig RTW-Besatzungen aus, um Patienten mit Zahnschmerzen, Übelkeit und Fieber zu behandeln.

Im Unterschied dazu wäre im Ärztlichen Bereitschaftsdienst mit der Nummer 116117 der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin ein Beratungsarzt Ansprechpartner, der mit dem Anrufer das weitere Vorgehen abstimmt und den Patienten an den richtigen Facharzt verweisen würde. Die Nummer werde aber immer noch zu selten genutzt, heißt es.