Jubiläum

Luftbrücken-Fest: Programm mit Schönheitsfehlern

Am 12. Mai will der Senat in Tempelhof das Ende der Berlin-Blockade vor nunmehr 70 Jahren feiern. Das Programm hat aber einige Schönheitsfehler.

Während der Berlin-Blockade verfolgen Berliner die Landung eines Luftbrücken-Fliegers in Tempelhof.

Während der Berlin-Blockade verfolgen Berliner die Landung eines Luftbrücken-Fliegers in Tempelhof.

Foto: W. Kumm / picture alliance / akg-images / picture alliance / akg-images

Berlin. Am 12. Mai sollen in Berlin wieder die Motoren der Rosinenbomber dröhnen. Allerdings nicht am Himmel und auch nicht am Boden, sondern nur „virtuell“, im Hangar 4 des früheren Flughafens Tempelhof. Die geplante Video-Sound-Installation ist Teil eines an dem Sonntag geplanten „Festes der Luftbrücke“, mit dem der Berliner Senat gemeinsam mit Partnern das Ende der Berlin-Blockade vor 70 Jahren groß feiern will.

Starts und Landungen sind nicht vorgesehen

Echtes Luftbrücken-Feeling werden die Berliner an diesem Tag allerdings kaum erleben. Starts und Landungen von Flugzeugen sind an dem 2008 geschlossenen Innenstadt-Airport nicht vorgesehen. Lediglich eine dauerhaft in Tempelhof beheimatete Maschine des Typs C-54 Skymaster, mit dem die West-Alliierten vor 70 Jahren die Stadt über dem Luftweg mit Brennstoff und Lebensmittel versorgten, wurde als echter Zeitzeuge vor das Flughafen-Terminal gerollt. Weitere Rosinenbomber, wie die Berliner die Luftbrücken-Flugzeuge damals liebevoll nannten, werden lediglich symbolisch mit weißer Farbe auf dem Rollfeld markiert. Malkunst, so scheint es, wird in Berlin immer öfter zum Äquivalent für echtes Handeln.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der am Montag extra zur Präsentation des Festprogramms auf das Flughafengelände geeilt war, ließ sich von derlei miesepetrigen Einwänden nicht beirren. Für ihn ist die am 19. Juni 1948 durch die West-Alliierten gestartete Luftbrücke eine grandiose Leistung und zudem ein ganz besonderes Datum in der Geschichte der Stadt. Nicht zuletzt durch den Einsatz der Alliierten für die Freiheit Berlins seien aus Besatzern Schutzmächte und Freunde geworden, betonte Müller am Montag.

Michael Müller hat ein besonderes Verhältnis zur Luftbrücke

Der SPD-Politiker, der mit dem Geburtsjahr 1964 selbst die Luftbrücke nicht erlebte, hat ein ganz besonderes Verhältnis zu diesem historischen Ereignis. „Mein Vater lebte mit seiner Mutter damals am Kaiserkorso gleich gegenüber vom Flughafen. Und er gehörte zu den Kindern, die am Flugfeldrand auf die Rosinenbomber warteten“, erzählte Müller, der bis heute in Flughafennähe wohnt. Er hoffe sehr, dass Gail Halvorsen noch einmal nach Berlin kommen können. Der Angehörige der US Air Force gehörte zu den ersten Piloten, die damals Süßigkeiten an kleinen Fallschirmen aus dem Cockpit abwarfen – und so den legendären Ruf der Rosinenbomber begründeten.

Doch Halvorsen ist 98 Jahre alt, ein neuerlicher Flug über den Atlantik ist zwar angekündigt, gilt aber als ungewiss. Wie schwierig es mit echten Zeitzeugen ist, macht auch das Programm für den 12. Mai deutlich. Dieses sieht mehrere Talk-Runden im Hangar 5 unter der Überschrift „Luftbrücke begreifen“ vor, ob da Zeitzeugen dabei sein werden, entscheidet sich erst in den nächsten Tagen.

Immerhin konnte Projektleiterin Ellen Wölk eine Ausstellung mit rund 50 bislang unveröffentlichten Schwarz-Weiß-Fotos von Matthias Heisig aus der Zeit der Berlin-Blockade ankündigen. Die Kosten des Festes bezifferte Senatssprecher Julian Mieth auf eine Million Euro. 150.000 Euro kommen aus Lottomitteln, weitere 100.000 Euro stellt die landeseigene Tempelhof Projekt GmbH bereit, die in diesem Jahr auf einen Tag der offenen Tür verzichten will. Weiteres Geld kommt von privaten Sponsoren wie der Lufthansa, die 1926 in Tempelhof gegründet wurde, oder von der Wall AG.

50.000 Besucher werden erwartet

Die Veranstalter kündigen für den 12. Mai von 12 bis 19 Uhr ein großes Familienfest an, zu dem mindestens 50.000 Besucher erwartet werden. Bei freiem Eintritt sollen sie einen Dreiklang aus Gedenken, Information und Feier erleben können. Auf dem Flughafen-Vorfeld wird es eine Allee der Alliierten geben, auf der sich alle an der Luftbrücke beteiligten Nationen präsentieren wollen. Auf dem Rollfeld soll auch zu sehen sein, was ein Rosinenbomber so alles transportierte. Auf der Festbühne soll es Livemusik unter anderem von der The United States Air Forces in Europe Band oder den Pipes&Drums des Royal Armoured Corps aus Großbritannien geben.

Echte Rosinenbomber werden dann erst Mitte Juni am Berliner Himmel zu sehen sein. Ob einige Maschinen, wie vom Förderverein Luftbrücke angekündigt, in Tempelhof landen können, bleibt weiter ungewiss. Die Genehmigung dafür sei allein Sache des privaten Vereins, sagte Michael Müller. „Ob der Verein das in der Kürze der Zeit schafft, kann ich nicht beantworten“, so der Regierende.