Zukunftspaket

Berliner Behörden werden umgebaut

Ein Zukunftspaket soll Verwaltungsabläufe verbessern. In vielen Ämtern geht jeder Dritte demnächst in den Ruhestand.

Bürgeramt in Friedrichshain-Kreuzberg.

Bürgeramt in Friedrichshain-Kreuzberg.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlins Behörden sind weniger leistungsfähig als andere Verwaltungen. Das räumt der Staatssekretär für Verwaltungsreform, Frank Nägele, ein. „Berlin leistet sich auch aufgrund seiner Einzigartigkeit und seiner Geschichte Strukturen und Prozesse, die andere so nicht haben“, sagte der SPD-Politiker, den der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) vor einem Jahr im Roten Rathaus installierte, um die Strukturen zu modernisieren und die Behörden besser zu machen.

Ein Meilenstein wird am 14. Mai gesetzt, wenn Senat und Bezirksbürgermeister einen Zukunftspakt für die Berliner Verwaltung unterzeichnen. Darin sollen 26 Projekte und Prozesse vereinbart werden, die in klarere Kompetenzen, bessere Steuerung und mehr Dienstleistungsqualität münden sollen.

Berlins Behörden: Bewusstsein für Veränderung höher als vor fünf oder zehn Jahren

„Wir stehen an einem Scheideweg. Die Bürger, aber auch die Mitarbeiter merken, dass etwas passieren muss“, sagte Nägele im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Berlin erwarte in den Behörden einen Altersabgang, der seinesgleichen suche. „Wir werden die wachsenden Aufgaben der Zukunft also nur stemmen, wenn wir effizienter arbeiten“, sagte der Staatssekretär. Das Bewusstsein für Veränderung sei höher als vor fünf oder zehn Jahren.

In vielen Dienststellen wird in den nächsten Jahren jeder dritte Mitarbeiter in den Ruhestand wechseln. Von den 118.000 Beschäftigten der Senatsverwaltungen und der Bezirksämter sind 16 Prozent über 60 und weitere 37 Prozent über 50 Jahre alt. Berlins Bezirksbürgermeister teilen Nägeles Problembeschreibung. Monika Herrmann aus Friedrichshain-Kreuzberg verwies auf „Zeitprobleme“ beim Bau von Verkehrswegen, Wohnungen und Kitas. „Die Verfahren dauern ewig. Das muss deutlich schneller werden“, sagte die Grünen-Politikerin.

Seit 2015 steigt die Zahl der Mitarbeiter wieder an

Staatssekretär Nägele hält die Defizite für erklärbar. In der Periode von Sparzwang und Personalabbau habe es in den Ämtern „keine Kraft“ gegeben, sich mit Führung, besserer Steuerung oder Digitalisierung zu beschäftigen. Verwaltungen igelten sich in einer solchen Situation ein. „Alles war eingeeist“, beschreibt der Staatssekretär seinen Eindruck von Berlin im Vergleich mit anderen ihm bekannten Verwaltungen etwa in Schleswig-Holstein oder im Bund. „Jetzt kommen wir da raus“, sagte er. Erst seit 2015 steigt die Zahl der Mitarbeiter in Berlin wieder an und hat seitdem um 7000 zugenommen.

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Eine entscheidende Rolle für den Modernisierungsprozess müssen aus Nägeles Sicht die Führungskräfte spielen. Viele von ihnen verstünden sich aber immer noch als bessere Sachbearbeiter. Das begünstige eine Kultur, in der sich Mitarbeiter mehrfach absichern wollten, und mache die Prozesse langsam.

Behörden: Führungskräfteakademie und mehr Verantwortung nötig

Mit einer Führungskräfteakademie und mehr Verantwortung für junge Mitarbeiter will Nägele einen Kulturwandel einläuten. Die Senatsebene müsse politisch steuern und nicht in die Bezirke hineinregieren. Stattdessen solle der Senat Vorgaben machen, die die Bezirke umsetzen müssten. Dazu wird die Position des Bürgermeisters gestärkt. Kommunikation sei ein Schlüssel für jede Veränderung. „Da sind wir ein bisschen sparsam“, sagte Nägele.

Der Staatssekretär warb um Verständnis, dass ein solcher Prozess Zeit brauche. „Zu glauben, jetzt geht man einmal mit der Harke durch und alles ist neu organisiert, das geht nicht. Berlin bleibt eine Stadt der Bezirke, bleibt polyzentral.“

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