Messe Velo

„Why Taxi“: Start-up plant neues Rad-Leihsystem in Berlin

„Why Taxi“-Leihräder sollen bald an Co-Working-Spaces und Hotels in der Hauptstadt stehen. Prototypen zeigt die Firma auf der Messe Velo.

Bike-Unternehmer Andreas Kranki will mit „Why Taxi“ ein neues E-Klapprad-Verleihsystem in Berlin ausrollen.Max Reibert

Bike-Unternehmer Andreas Kranki will mit „Why Taxi“ ein neues E-Klapprad-Verleihsystem in Berlin ausrollen.Max Reibert

Berlin. Etwa 20.000 Besucher erwarten die Macher der Fahrradmesse Velo am Sonnabend und Sonntag (27. und 28. April 2019) auf dem Gelände des früheren Flughafens Tempelhof. Andreas Kranki will die Aufmerksamkeit auch dazu nutzen, den Berlinern ein neues Fahrradverleih-System vorzustellen. Kranki ist Geschäftsführer der E-Bike-Manufaktur Urban Drivestyle, die ihren Sitz in Oberschöneweide hat. Doch Fahrräder zusammenbauen, ist Kranki nicht mehr genug.

Ab Sommer will er in der Hauptstadt das Leihrad-System „Why Taxi“ ausrollen. Zwei Stationen werden zunächst vor den beiden Co-Working-Spaces der Factory in Mitte und Kreuzberg errichtet. Mit 15 bis 20 elektrisch angetriebenen Klapprädern solle das Pilot-Projekt starten, sagte Kranki. Ein Euro pro Stunde kostet das Leihen der E-Bikes.

Stationen sollen über Werbung finanziert werden

Aufbau und Betrieb der Stationen sollen aber zum Großteil über Werbeeinnahmen finanziert werden. Dafür hat das Unternehmen große Bildschirme in die Stationen einbauen lassen, die von Werbekunden gebucht werden können. Neben der Factory hat der 40 Jahre alte Kranki bereits einen weiteren Partner gewonnen: Auch an Häusern der Hotel-Kette Mélia in Berlin und Palma de Mallorca soll es bald „Why Taxi“ geben.

Das Unternehmen fügt sich ein in die Riege der Aussteller, die auf der Velo neue Mobilitätskonzepte zeigen. Im MotionLab.Berlin stellen zahlreiche Firmen ihre Ideen zur Mobilität der Zukunft vor. Im Fokus steht vor allem das Lastenrad, sagte Velo-Organisatorin Katja Richarz. Das Berliner Unternehmern Citkar bringt etwa das E-Cargo-Bike Loadster mit zur Velo. Ab Mai will die Firma das Rad in Neukölln in Serie fertigen.

Zum neunten Mal findet die Fahrradmesse Velo in Berlin statt. Erneut kann die Schau dabei einen Ausstellerrekord vermelden. 306 Hersteller, Geschäfte und Verbände zeigen in diesem Jahr neue Ideen. „Das Fahrrad ist zu einem Lifestyle-Objekt geworden, das perfekt zum Lebensstil in urbanen Räumen passt“, so Richarz. Auch Aussteller aus Berlin nehmen auf der Messe eine immer größere Bedeutung ein: Santucci Cycles aus Prenzlauer Berg zeigt neue Kreationen aus dem Bereich Rahmenbau, Mia Catoleria aus Schöneberg wirbt mit neuen T-Shirt-Designs um Kunden und Zimmer aus Friedrichshain stellt Fahrradtaschen aus.

Die Räder können auf der Messe Probe gefahren werden

Auch Andreas Kranki zeigt neben den „Why Taxi“-Prototypen Modelle seiner Marke Urban Drivestyle. Fast eine halbe Million Euro hatte Kranki Anfang 2017 per Crowdfunding eingesammelt, um die klobigen E-Fahrräder, die ein wenig an Mofas aus den 60er-Jahren erinnern, produzieren zu können. Bereits im vergangenen Jahr lief das Zusammenbauen der Fahrräder unter Volllast. 1000 E-Bikes verließen schlussendlich die Werkstatt in Oberschöneweide. „Dieses Jahr sollen es viel mehr werden. Wir gehen im Moment davon aus, dass wir die Produktion verdoppeln können“, sagte Andreas Kranki. Gefertigt werden die Bauteile größtenteils in Taiwan. Elektromotor, Display und Kontrolleinheit stammen aus China, der E-Motor von einem Berliner Unternehmen. In Oberschöneweide erfolgt lediglich die Montage. Vertrieben werden die Räder vor allem über den unternehmenseigenen Online-Shop. Die E-Bike-Kreationen aus Berlin dürften aber vor allem Liebhaber ansprechen: 2890 Euro kostet das Einsteiger-Modell „Uni Moke Classic“.

Besucher der Velo können auf dem Gelände des früheren Flughafens auch die Fahrräder aus Berlin Probe fahren. Fünf Teststrecken haben die Macher dafür aufgebaut. Die Velo ist aber längst mehr als nur eine Messe. An den zwei Tagen gibt es zahlreiche Vorträge und Workshops. Zudem finden 20 Radrennen statt. Insgesamt ist das Velo-Gelände 25.000 Quadratmeter groß.