Gericht

Schlägerei endet mit fünf Messerstichen in Rücken - Prozess

Vor dem Berliner Landgericht muss sich seit Donnerstag ein Jugendlicher wegen versuchten Totschlag verantworten.

Eine Justitia-Büste an der Fassade eines Gerichts (Symbolbild).

Eine Justitia-Büste an der Fassade eines Gerichts (Symbolbild).

Foto: Foto: Ina Fassbender / dpa

Eine vermeintlich harmlose Rempelei hat einen 19-jährigen Berliner beinahe das Leben gekostet. Von mehreren Messerstichen getroffen, brach das Opfer blutend zusammen. Gerettet hat ihn eine sofortige mehrstündige Notoperation. Am Donnerstag begann am Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Messerstecher. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem versuchten Totschlag vor.

Da der Angeklagte erst 17 Jahre alt ist, wird das Verfahren vor einer Jugendkammer geführt. Mit dem 17-jährigen Marcel D. sitzt auch der ein Jahr ältere Daniel K. auf der Anklagebank. Er soll auf das Opfer eingeschlagen haben, angeklagt ist er wegen gefährlicher Körperverletzung. Während K. am ersten Verhandlungstag schwieg, ließ D. von seinem Verteidiger eine Erklärung verlesen. Die Messerstiche räumte er ein, schilderte den Tathergang allerdings anders als in der Anklage beschrieben.

Zur Tatzeit betrunken

Zu der Tat kam es in den frühen Morgenstunden des 25. August 2018 zwischen 1 Uhr und 1.30 Uhr. Auf einem Gelände am Teufelsberg im Grunewald war Party angesagt, mit Techno-Musik, Alkohol und vermutlich Drogen. Viele der jungen Leute waren betrunken, auch Marcel D., wie es in der Erklärung hieß. Bereits am Nachmittag zuvor hatte er nach eigenen Angaben große Mengen Whisky-Cola getrunken.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Opfer, Max S., den Angeklagten D. unabsichtlich leicht an der Schulter anrempelte. Daraufhin soll zunächst der Angeklagte K. auf S. eingeschlagen haben, bevor Marcel D. ebenfalls auf ihn losging. Im Verlauf der nun folgenden Prügelei zwischen D. und S. soll der 17-Jährige dann fünfmal zugestochen haben.

Marcel D. schilderte den Ablauf etwas anders. Max S. soll ihn nicht nur absichtlich angerempelt, sondern auch die Prügelei begonnen haben. Da er sich gegen den körperlich überlegenen 19-Jährigen nicht anders zu wehren gewusst habe, habe er zugestochen, so D. in der vom Anwalt verlesenen Erklärung.

Fünf Messerstiche in den Rücken

Die Folgen der fünf Messerstiche in den Rücken des Opfers waren verheerend. Ein Lungenlappen wurde verletzt, durch eine der Stichwunden drang Blut in den Brustraum. Mehrere Stunden kämpften noch in der Nacht Ärzte um das Leben des 19-Jährigen, letztlich zum Glück mit Erfolg.

Für den Prozess sind 14 Verhandlungstage angesetzt. 59 Zeugen sollen gehört werden, von ihnen erhofft sich das Gericht Aufklärung darüber, was in der Tatnacht wirklich geschah. Marcel D., türkischer Vater, deutsche Mutter, tauchte nach der Tat zunächst unter. Er wurde dann aber wenige Tage später am Flughafen Tegel festgenommen, als er sich offenbar in die Türkei absetzen wollte. Der Prozess wird am 9. Mai fortgesetzt.