Acht Prozent rauf

Taxifahren in Berlin wird bald teurer

Die zuletzt 2015 angehobenen Preise werden voraussichtlich um mindestens acht Prozent steigen.

Durch die geplanten Änderungen im Personenbeförderungsgesetz und die zunehmende Konkurrenz des US-Fahrdienstes Uber fürchten viele Fahrer und Taxi-Unternehmer um ihre Existenz.

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Berlin. Taxifahren wird in Berlin schon bald teurer. Die zuletzt 2015 angehobenen Preise werden voraussichtlich um mindestens acht Prozent steigen. Eine entsprechende Entscheidung des Berliner Senats steht unmittelbar bevor, heißt es aus der Senatsverkehrsverwaltung. „Ein Senatsbeschluss vor der Sommerpause wäre zeitlich ehrgeizig, ist aber nicht ausgeschlossen“, sagte Jan Thomsen, Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) der Berliner Morgenpost.

Taxiverbände in Berlin hatten Erhöhung vor gut einem Jahr beantragt

Beim Berliner Taxigewerbe wird auf den Beschluss sehnlichst gewartet. Mit Verweis auf steigende Kosten hatte die Branchenverbände bereits vor gut einem Jahr beim Senat eine Anhebung der Taxitarife beantragt. „Vor allem der zwischenzeitlich erhöhte Mindestlohn, aber auch die wachsende Konkurrenz von Uber und Co. machen unseren Gewerbe schwer zu schaffen“, sagte Detlev Freutel, Vorstandschef des Taxiverbandes Berlin, Brandenburg e.V. In den vergangenen Monaten seien zudem die Kraftstoffpreise und die Werkstattkosten nochmals gestiegen. Obwohl das Taxigewerbe privat organisiert ist, gehört es zum öffentlichen Nahverkehr. Preise werden daher nicht nach Angebot und Nachfrage frei verhandelt, sondern von den Kommunen in Verordnungen bindend festgelegt. Im Gegenzug sind die Taxiunternehmen verpflichtet, ihre Dienste im gesamten Stadtgebiet und zu jeder Tageszeit anzubieten.

Winkemann-Tarif - Kurzstrecke soll bald sechs Euro kosten

Laut dem Antrag der Branchenverbände vom April 2018 soll sich eine Taxifahrt in Berlin auf den ersten sieben Kilometern um 20 Cent auf 2,20 Euro verteuern. Für jeden weiteren Kilometer sollen dann 1,65 Euro statt derzeit 1,50 Euro berechnet werden. Der vor allem bei Touristen beliebte Winkemann-Tarif für eine Kurzstrecke von maximal zwei Kilometern soll künftig sechs statt fünf Euro kosten. Die Einschaltgebühr, die das Taxameter dem Fahrgast gleich beim Einsteigen anzeigt, soll hingegen mit 3,90 Euro konstant bleiben. Unterm Strich würde das bedeuten, dass die etwa die rund acht Kilometer lange Fahrt vom Bahnhof Zoo zum Flughafen Tegel künftig 21 Euro statt derzeit 19,40 Euro kostet (plus acht Prozent).

Ob der Senat dem Antrag der Taxiverbände folgt oder andere Festlegungen trifft, dazu wollte sich Behörden-Sprecher Thomsen nicht äußern. Er verwies auf eine noch ausstehende Anhörung, zu der im Mai die Taxiverbände, aber auch Vertreter von Gewerkschaften sowie der Industrie- und Handelskammer geladen werden. Allerdings hat ein vom Senat in Auftrag gegebenes Gutachten den dringenden Handlungsbedarf bestätigt. Die dargestellte Situation des Taxigewerbes und die vorgestellten Tarifvorschläge fanden bei den Gewerbevertretern allgemeine Zustimmung, so Thomsen.

Preise für Taxifahrten in Berlin sstiegen zuletzt 2015

Die Taxipreise waren zuletzt im Juni 2015 angehoben worden, um bis zu 25 Prozent. Damals hatten die Verbände auch den Senat für den Kostenanstieg mitverantwortlich gemacht. So seien wegen des schlechten Zustands vieler Straßen auch die Reparaturkosten stark angestiegen, klagte der Landesverband von Taxi Deutschland. Zusätzlich verschärft hat sich die wirtschaftliche Lage durch die wachsende Konkurrenz privater Fahrdienste wie Uber sowie Sharing-Angeboten wie Clever Shuttle. Zuletzt hatten die Taxifahrer mit einem Aktionstag am 10. April gegen die von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorangetriebenen rechtlichen Erleichterungen für Taxi-Konkurrenten protestiert.