England-Reise

Raed Saleh lässt sich den Erfolg Londoner Schulen erklären

Der Vorsitzende der Berliner SPD-Fraktion schaut mal nach, wie die Briten ihre Schulen verbessert haben.

Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, zu Besuch in London.

Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, zu Besuch in London.

Foto: Joachim Fahrun

Wenn SPD-Fraktionschef Raed Saleh ins Ausland reist, dann führt er meistens etwas im Schilde, das in der Berliner Heimat für Diskussionen sorgt. So war es im Dezember 2012, als er mit Neuköllns damaligem Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) nach Rotterdam fuhr, um von den Niederlanden aus das Berliner Brennpunktschulprogramm ins Leben zu rufen. Die Sozialdemokraten erkannten damit offiziell an, dass es Schulen mit besonderen Problemen in der Stadt gibt. Jede Schule bekommt seitdem 100.000 Euro pro Jahr, die sie nach eigenen Bedürfnissen einsetzen kann.

Sechseinhalb Jahre später ist Saleh wieder in Sachen Bildung und Integration unterwegs. Gemeinsam mit den Fachfrauen für Bildung, Integration und Jugend seiner Fraktion lässt er sich in London erklären, wie die Briten die Schulen in ihrer Hauptstadt durch ein Programm deutlich besser gemacht haben. Diese „London Challenge“ soll als Vorbild dienen, die Schulen in Berlin voranzubringen. „Wir sind hier um zu lernen, was man erweitern kann an unserem Brennpunktschulprogramm“, sagte Saleh. Aus der London Challenge könnte eine Berlin Challenge werden.

Mehr Geld in Berlin, aber kaum bessere Ergebnisse

Das passt zum Anspruch der neuen Bildungs-Staatssekretärin Beate Stoffers. Diese hatte angekündigt, künftig besonderes Augenmerk auf das richten zu wollen, was wirklich in den Klassenzimmern geschieht. Denn obwohl Berlin inzwischen erheblich mehr Geld in Schulen mit sozial schwierigem Klientel investiert, haben sich die Resultate nicht wirklich gebessert, berichtete die SPD-Bildungsexpertin Maja Lasic den Gastgebern. Nach wie vor erzielen die Schüler aus wohlhabenden und bildungsorientierten Elternhäusern deutlich bessere Ergebnisse als Kinder aus armen Familien. „Wir dürfen kein Kind zurücklassen“, wiederholte Saleh in London das Credo der Berliner SPD, das aber bisher kaum eingelöst wird.

David Woods, bis 2011 Chef-Berater für Londons Bildungspolitik, fasste den Wandel so zusammen: Früher hätten viel zu viele Schulen isoliert vor sich hingearbeitet. „Inzwischen wissen sie an den Schulen, dass jedes Kind Erfolg haben kann“, sagte der Professor. London habe sein Bildungssystem nicht nur verbessert, es sei inzwischen „Weltklasse“. Auch die Unterschiede zwischen ethnischen und sozialen Gruppen seien kleiner geworden.

„London Challenge hat sich sehr positiv ausgewirkt“

Die Lehrer spielten die wichtigste Rolle für den Schulerfolg, sagte Woods’ Vorgänger Tim Brighouse. In London hätten sie unter den Pädagogen die Botschaft verbreitet, dass jedes Kind viel besser sein könne. Dazu müsse man herausfinden, was wo besonders gut funktioniert. Diese Beispiele müsse man verbreiten. „Es ist wichtiger, die existierenden Lehrer zu verbessern als zusätzliche Lehrer einzustellen“, sagte Brighouse.

Die Londoner haben durch ihre Challenge die Leistungen der Schüler auch in armen Stadtteilen vor allem in Englisch und Mathematik deutlich verbessert. Sie schneiden mittlerweile besser ab als der landesweite Durchschnitt, berichtete ein Praktiker wie David Kennedy. Der Pädagoge leitet einen Verbund von drei Schulen in einer Londoner Vorstadt und hat dort über die Jahre die Zahl der Schüler ohne Abschluss auf Null gesenkt. „London Challenge hat sich sehr positiv ausgewirkt“, sagte Kennedy.

Entscheidend ist zunächst der Vergleich der Leistungen von Schulen mit vergleichbaren sozialen Verhältnissen in den Klassenzimmern, also Schüler nicht-deutscher Herkunftssprache oder Lernmittelfreiheit. Wenn die Resultate nicht stimmten, hätten die Schulleiter keine Entschuldigung, weil andere mit den gleichen Schülern viel mehr erreichen. Als Rezepte setzten die Londoner auf eine enge Kooperation der Schulen untereinander und starke Schulleiter, die das Lehrerkollegium auf ein gemeinsames Ziel einschwören.

Positives Vokabular für den Erfolg

In England war Transparenz in dem Prozess und bei den Resultaten ganz wichtig. Wer schlecht war, wurde durch positives Vokabular angespornt. Die Schulen im unteren Bereich der Rangliste wurden als „Schlüssel zum Erfolg“ bezeichnet, nicht als Versager gebrandmarkt. SPD-Bildungsexpertin Lasic, selbst einst Lehrerin in Wedding, würde gerne Elemente der London Challenge nach Berlin übertragen. Die Kooperation der Schulen untereinander ist ihr wichtig. Aber noch sei unklar, wie man die Daten aus den vielen Tests nutzen kann, um an den Schulen einen echten Wandel einzuleiten. Saleh kündigte an, wohl nicht schon im nächsten Haushalt die für das Ausrollen der Challenge benötigten zwölf bis 14 Millionen Euro einzustellen, sondern zunächst nur die Mittel, um das Konzept weiter auf Berlin zuzuschneiden.