Deutliche Zunahme

Zahl der Menschen in U-Haft in Berlin steigt um 43 Prozent

Der Anstieg ist auch deshalb bemerkenswert, weil zuletzt laut Polizeilicher Kriminalstatistik weniger Straftaten registriert wurden.

Justizvollzugsbeamter in der JVA Moabit

Justizvollzugsbeamter in der JVA Moabit

Foto: Marc Tirl / dpa

Die Zahl der Untersuchungshäftlinge in Berlin ist den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, wie aus Berechnungen des NDR hervorgeht. Diese stützen sich wiederum auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Demnach saßen in Berlin zum Stichtag 31. August 2018 799 Menschen in Untersuchungshaft. Das sind 43 Prozent mehr als im August 2014. Bundesweit stieg die Zahl um 25 Prozent. Einen besonders dramatischen Anstieg der Untersuchungsgefangenen verzeichneten die Stadtstaaten Bremen (plus 91 Prozent auf 130) und Hamburg (plus 87 Prozent auf 658).

Anteil der Ausländer in U-Haft steigt deutlich

Nach einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes für den NDR gab es 2017 unter den in der Strafverfolgungsstatistik Erfassten 26 Prozent mehr Ausländer mit Untersuchungshaft als 2014. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Deutschen in U-Haft um 8 Prozent. In Berlin wurden 2017 insgesamt 1501 Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit in Untersuchungshaft genommen. Das entspricht einem Anstieg von 36 Prozent gegenüber 2014.

Bei Ausländern wird häufiger auf Fluchtgefahr als Haftgrund entschieden, vor allem wenn sie keinen festen Wohnsitz und keine sozialen Bindungen in Deutschland haben.

Die Zahl der Gefangenen, die länger als sechs Monate in Untersuchungshaft sind, ist seit 2014 um 25 Prozent gestiegen. Nach Angaben von Justizbehörden, Richtern und Anwälten sind zudem Ermittlungs- und Strafverfahren in den vergangenen Jahren komplexer und langwieriger geworden. Tatverdächtige sitzen dann nicht selten bis zu einem rechtskräftigen Urteil in U-Haft. Haftrichter entscheiden auf U-Haft, wenn Fluchtgefahr, Verdunklungsgefahr oder Wiederholungsgefahr angenommen wird.