Intersexualität

So viele Menschen sind in Berlin als „divers“ eingetragen

Seit Dezember gibt es neben „männlich“ und „weiblich“ die Geschlechtsoption „divers“. Der neue Eintrag wird bislang wenig nachgefragt.

Der neue Geschlechtseintrag für intersexuelle Menschen ist in deutschen Großstädten bislang wenig nachgefragt.

Der neue Geschlechtseintrag für intersexuelle Menschen ist in deutschen Großstädten bislang wenig nachgefragt.

Foto: Jan Woitas / dpa

Der neue Geschlechtseintrag für intersexuelle Menschen ist in mehreren deutschen Großstädten bislang wenig nachgefragt. Das hat eine stichprobenartige Umfrage der Deutschen Presse-Agentur im März und April ergeben. Die Stadt mit den meisten Änderungen der Geschlechtsangabe von männlich oder weiblich in divers ist demnach Berlin: Dort wollten seit Jahresbeginn bis zum Stichtag 11. April neun Erwachsene bei den Standesämtern ihre Angaben entsprechend ändern, wie ein Sprecher der Innenverwaltung mitteilte.

Einführung des Geschlechtseintrags Ende 2018 beschlossen

In Köln war bisher von sechs, in Nürnberg von fünf und in Regensburg von drei solchen Änderungswünschen im Personenstandsregister die Rede. In München, Hamburg, Erfurt, Leipzig und Essen wollten je zwei Menschen den neuen Eintrag divers. Weitere Städte wie Stuttgart und Mannheim teilten mit, dass Menschen bisher in Einzelfällen das Anliegen hatten. Vielerorts meldeten sich noch keine intersexuellen Menschen, etwa in Großstädten Schleswig-Holsteins und Brandenburgs.

Der Bundestag hat die Einführung des neuen Geschlechtseintrags Mitte Dezember 2018 beschlossen - verkürzt ist in diesem Zusammenhang oft vom „dritten Geschlecht“ die Rede. Das Parlament setzte eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts um. Eine Kampagnengruppe um die intersexuelle Vanja aus Leipzig hatte zuvor geklagt.

Bei intersexuellen Menschen sind die Geschlechtsmerkmale, also etwa Chromosomen, Hormone und Genitalien, nicht eindeutig ausgeprägt. Die Schätzungen zur Zahl der Betroffenen gehen stark auseinander. Das Bundesverfassungsgericht berief sich 2017 in seinem Beschluss zum Thema auf eine Quelle, der zufolge es bundesweit circa 160 000 Intersexuelle geben könnte.

Auch Neugeborene können als divers eingetragen werden

Zur Änderung des Eintrags müssen Menschen ein ärztliches Attest vorlegen, in Ausnahmefällen soll auch eine eidesstattliche Versicherung reichen. Aus den Unterlagen muss laut Berliner Innenverwaltung hervorgehen, dass die Person wegen einer Variante der Geschlechtsentwicklung weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht eindeutig zugeordnet werden kann. Auch Neugeborene, bei denen dies zutrifft, können nun als divers eingetragen werden - einen solchen Fall gab es in Göttingen, wie die dpa-Umfrage ergab. Der Bundesverband Intersexuelle Menschen sieht auf Anfrage eine ganze Reihe von Gründen für die offenbar zurückhaltende Inanspruchnahme. Dazu zählt, dass es in Standesämtern noch «große Unsicherheit» gebe, sie warteten auf eine Durchführungsverordnung zum Thema. Auch befürchteten Menschen mit Varianten der geschlechtlichen Entwicklung, vor allem im Ausland diskriminiert zu werden: „Insbesondere die Eintragung im Pass schreckt viele Menschen davon ab“, hieß es.