Wohlstandsgefälle

Pro-Kopf-Einkommen in Berlin steigen nur sehr langsam

Eine Studie belegt ein enormes Wohlstandsgefälle in Deutschland. Berlin schneidet im Vergleich der Großstädte ziemlich schlecht ab.

Steigende Mieten, nur leicht steigende Einkommen: Berlin muss man sich leisten können.

Steigende Mieten, nur leicht steigende Einkommen: Berlin muss man sich leisten können.

Foto: Norbert Michalke / picture alliance / imageBROKER

Berlin.  Das Einkommensniveau in Berlin ist seit dem Jahre 2000 zwar leicht gestiegen. Dennoch liegen die Hauptstädter weiter hinter anderen deutschen Großstädten. Nach den jüngsten Zahlen für 2016 belegte Berlin unter den 15 größten Städten Rang 11, wie aus einer Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. Das durchschnittliche verfügbare Pro-Kopf-Einkommen pro Jahr – also das Geld privater Haushalte für Konsum oder Sparen – lag in Berlin demnach bei 19.719 Euro.

München führt die Liste der Großstädte mit 29.685 Euro an. Hinter Berlin rangieren Dortmund, Dresden, Leipzig und als Schlusslicht Duisburg auf Rang 15. Im Jahr 2000 war das durchschnittliche verfügbare Einkommen der privaten Berliner Haushalte noch um 1,3 Prozent geringer gewesen, wie aus der Untersuchung weiter hervorging. Die neuesten verfügbaren Zahlen stammen demnach aus dem Jahr 2016. Dazu zog das Institut Zahlen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder heran.

Wertschöpfungstiefe ist geringer

WSI-Wissenschaftler Eric Seils betonte, dass es sich bei der vorliegenden Studie um eine Langzeitauswertung handele. Der Aufholprozess der deutschen Hauptstadt dauere noch an. Noch bis 2011 habe es berlinweit „ziemlich mau“ ausgesehen, sagte Seils. Seitdem wächst zwar die Wirtschaft. Gleichzeitig nahm allerdings auch die Zahl der Einwohner rasant zu. Beide Entwicklung hätten dazu geführt, dass die Pro-Kopf-Einkommen weniger stark angestiegen seien als in anderen Großstädten Deutschlands. In Hamburg etwa liegt das Pro-Kopf-Einkommensplus seit dem Jahr 2000 bei 6,3 Prozent, in München bei 4,8 Prozent. In Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam gab es sogar einen Zuwachs von 12,5 Prozent.

Gleichzeitig verwies der Forscher auf den hohen Anteil an Dienstleistungsunternehmen in Berlin. Verglichen mit dem industriestarken Süden des Landes sei die Wertschöpfungstiefe in der deutschen Hauptstadt noch immer geringer. Das habe laut Seils auch Auswirkungen auf die Höhe der gezahlten Löhne.

Ergebnisse „sehr bedenklich“

Die Ergebnisse der Studie seien dennoch „sehr bedenklich“, erklärte die sozialpolitische Sprecherin der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, Stefanie Fuchs. Berlin hinke bei der Entwicklung der Löhne hinterher. Gleichzeitig fressen die rasanten Mietsteigerungen einen Großteil der Lohnzuwächse gleich wieder auf. „Deshalb brauchen wir zweierlei: steigende Löhne, durch Erhöhung des Mindestlohns, die Durchsetzung von Tarifbindungen und die Eindämmung prekärer Beschäftigung. Und wir brauchen wirksame Maßnahmen um den Anstieg der Mieten zu stoppen“, sagte Fuchs. Als mögliche Instrumente, um die Mietpreisentwicklung zu stoppen, nannte Fuchs den Mietendeckel und die „Vergesellschaftung großer finanzmarktgetriebener Immobilienunternehmen“.

Die Untersuchung zeigt nach Ansicht der Wissenschaftler auch, dass es weiter eine „Ost-West-Spaltung“ bei den Einkommen gibt. In Ostdeutschland erreichten nur sechs der 77 Kreise die Marke von 20.000 Euro pro Kopf, während 40 der 324 westdeutschen Kreise ein niedrigeres Einkommen aufwiesen, heißt es in der Studie.

Einkommensniveau in Frankfurt (Oder) vergleichbar mit dem Durchschnitt Italiens

In den ostdeutschen Ländern liegt der Studie zufolge der Kreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg vorne. Dort lag das Einkommen pro Kopf im Durchschnitt bei 21.746 Euro. Hinten lag demnach im ostweiten Vergleich Halle/Saale mit einem verfügbaren Einkommen von 17.218 Euro pro Kopf. In Brandenburg lag das Einkommen in Frankfurt (Oder) mit 17.381 Euro pro Kopf am niedrigsten, gefolgt von der Stadt Brandenburg/Havel mit 17.609 Euro und dem Kreis Uckermark mit 17.628 Euro.

Das Einkommensniveau in Frankfurt (Oder) ist nach Angaben der Forscher vergleichbar mit dem Durchschnitt Italiens. Hinter Potsdam-Mittelmark folgten bei den höchsten Werten in Brandenburg der Kreis Oberhavel mit 20.718 Euro und der Kreis Dahme-Spreewald mit 20.068 Euro. In Berlin war das Pro-Kopf-Einkommen mit 19.719 Euro höher als im Durchschnitt Brandenburgs mit 19.431 Euro.

Bei den bundesweiten Einkommen lag der Kreis Starnberg bei München vorne. Dort war der Verdienst 2016 mit 34.987 Euro pro Kopf mehr als doppelt so hoch wie beim Schlusslicht Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen mit 16.203 Euro. Die Einkommensdaten sind dem WSI zufolge die neuesten verfügbaren Zahlen. Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte ist das Einkommen, was die privaten Haushalte nach Steuern, Sozialabgaben und Sozialtransfers haben, um konsumieren und sparen zu können.