Straßenverkehr

Verband warnt vor E-Scootern auf Gehwegen

Der Bundesrat beschließt am 17. Mai über die Zulassung von Elektro-Tretrollern. Berlins Verkehrssenatorin Günther ist für Korrekturen.

Der Bundesrat stimmte für eine Zulassung der E-Scooter im Straßenverkehr. Vieles muss dabei jedoch beachtet werden. Infos zu dem Thema gibt es im Video.

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Müssen sich Fußgänger die Gehwege in Berlin schon bald mit rasant kurvenden Tretrollerfahrern teilen? Ein solches Szenario lässt die von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angestrebte Zulassung von sogenannten E-Scootern bislang zu. Zwar sollen die von Elektromotoren beschleunigten Tretroller in erster Linie auf Radwegen fahren, die langsameren Modelle, die bis zu zwölf Stundenkilometer schnell sind, aber nur auf dem Gehweg.

Der Lobbyverband für Fußgänger, Fuss e.V., warnt jetzt eindringlich davor, Fahrern von E-Scootern oder auch von E-Skateboards die Nutzung der Gehwege in Berlin zu erlauben. Vor allem Menschen mit Behinderungen und Ältere würden dadurch akut gefährdet. Fuss-Sprecher Roland Stimpel verweist dazu auf Erfahrungen aus Spanien. „Dort wurden im vorigen Jahr E-Roller überstürzt zugelassen. Bald danach fuhr eine junge Frau bei Barcelona mit dem E-Roller auf einem Gehweg, starrte dabei auf ihr Handy und tötete eine 90-Jährige.“ Auch in Berlin, wo die E-Scooter offiziell noch gar nicht zugelassen sind, gibt es bereits erste Unfallmeldungen.

Schwerer Unfall ereignete sich in Berlin

So war etwa vergangenen Mittwoch ein 24-Jähriger mit einem E-Roller bei Rot an der Straße des 17. Juni in Tiergarten über einen Fußgängerweg gefahren und mit einem Auto zusammengestoßen. Der Fahrer des Elektrorollers erlitt dabei eine schwere Kopfverletzung, der Autofahrer einen Schock.

Bundesverkehrsminister Scheuer sieht in den Fahrzeugen, die vor allem in den USA bereits stark verbreitet sind, ein großes Potenzial für eine umweltfreundliche Mobilität in Städten. Ergänzend zum öffentlichen Nahverkehr seien sie „eine echte zusätzliche Alternative zum Auto“, sagte der CSU-Politiker vor Kurzem. Sie könnten etwa für die „letzte Meile“ von der U- und S-Bahn oder Bushaltestellen nach Hause oder zur Arbeit genutzt werden. Am 30. April steht die Verordnung zur Zulassung von Elektrokleinstfahrzeugen im Verkehrsausschuss des Bundesrats zur Diskussion, die Beschlussfassung ist für den 17. Mai vorgesehen. Firmen wie das US-Unternehmen Uber haben angekündigt, in großem Umfang E-Roller als Leihfahrzeuge anzubieten. In Hamburg startete die Firma Hive bereits mit einem Testbetrieb.

Protestveranstaltung vor dem Bundesverkehrsministerium

Für Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) sind E-Roller eine technische Neuerung, mit der die innerstädtische Mobilität durchaus verbessert werden kann. „Allerdings darf dies nicht auf Kosten schwächerer Verkehrsteilnehmer gehen. Die Bürgersteige sind Schutzräume für Fußgänger, gerade für Kinder, Ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen. Mir ist wichtig, dass sie sich dort frei und ungefährdet bewegen können. E-Tretroller auf Gehwegen konterkarieren diesen Anspruch.“ Sie kündigte an, sich im Bundesrat dafür einzusetzen, dass E-Tretroller nicht auf Bürgersteigen zugelassen werden.

Fuss e.V. hat für diesen Dienstag (23. April 2019) zu einem Protest vor dem Bundesverkehrsministerium aufgerufen. Ab 17.30 Uhr wollen sich im Invalidenpark in Mitte Fußgänger mit Blindenstock oder Rollator E-Rollerfahrern symbolisch in den Weg stellen.