Kriminalität

Angriffe auf Polizisten in Berlin nehmen zu

Der negative Trend bei Übergriffen auf Polizisten hält an. Widerstand und tätliche Angriffe sind an der Tagesordnung.

Polizisten werden bei einer Demonstration zum 1. Mai mit einer Flasche beworfen.

Polizisten werden bei einer Demonstration zum 1. Mai mit einer Flasche beworfen.

Foto: Bernd von Jutrczenka / picture alliance / dpa

Berlin. Sie werden angegriffen, bedroht, bespuckt und beleidigt. Immer häufiger werden Polizistinnen und Polizisten im Dienst Opfer von Gewalt und respektlosem Verhalten. Die Zahl der im Dienst geschädigten Beamten ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Waren es 2017 noch 6759 Delikte, bilanziert die Polizei für das vergangene Jahr 6959 Übergriffe, also 200 mehr als 2017. Das geht aus der Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine schriftliche Anfrage des CDU-Abgeordneten Peter Trapp hervor.

Unter dem Titel „Anzahl der geschädigten Polizeidienstkräfte“ wurden folgende Delikte und deren Häufigkeit aufgeführt: Widerstand (4512), tätlicher Angriff (709), Körperverletzung (1314), Bedrohung (287), Nötigung (113) und sonstige Delikte (24) In der Summer ergibt das 6959.

CDU-Politiker fordert Prävention an Schulen

Der CDU-Politiker Trapp spricht mit Blick auf die jüngsten und wiederum gestiegenen Zahlen von einer Verrohung der Gesellschaft und fordert „eine schnellstmögliche Bestrafung“ der Täter. „Wir müssen schon in den Schulen umfangreiche Präventionsmaßnahmen umsetzen“, sagte er der Berliner Morgenpost. „Den Schülerinnen und Schülern soll bereits in jungen Jahren deutlich gemacht werden, dass sie, wenn sie Polizisten und andere Einsatzkräfte angreifen oder bei ihrer Arbeit behindern, auch in Not geratene Menschen gefährden.“

Polizisten in Mitte angegriffen

Erst in der Nacht von Gründonnerstag zu Karfreitag wurden eine Polizistin und zwei ihrer Kollegen bei einem Einsatz in Mitte angegriffen und leicht verletzt. Als Beamte bei einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen an der Friedrichstraße eingriffen, schlug die Stimmung um. Die Streitenden griffen die Polizisten an und mehrere Passanten heizten die Stimmung gegen die Beamten noch an. Die Beamten wurden angegriffen und mit Aschenbechern und Flaschen beworfen. Eine 44-jährige Frau schlug einer Polizistin ins Gesicht. Nur mit Hilfe von Pfefferspray konnte ein 24-Jähriger festgenommen werden.

709 tätliche Angriffe auf Beamte

Laut der veröffentlichten Zahlen gab es im vergangenen Jahr 4512 Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, in 709 Fällen wurden die Beamten tätlich angegriffen. Die meisten Widerstandshandlungen gab es im Juli 2018 (514). Auch die tätlichen Angriffe erreichte mit 99 registrierten Fällen ihren Höhepunkt im Juli vergangenen Jahres. Ob das mit dem verstärkten Alkohol- und Drogenkonsum auf Partys im Freien zusammenhängt, geht aus der Statistik nicht hervor. Im Januar 2018 gab es mit 179 Fällen die meisten Körperverletzungen gegenüber Polizisten.

Politiker sollen nicht die Beine hochlegen

„Die Zahlen sind nach wie vor entsetzlich hoch. Es sagt viel über eine Gesellschaft aus, wenn nicht verhindert wird, dass jeden Tag knapp 20 Menschen angegriffen werden, die für die Sicherheit in der Stadt sorgen“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Jendro warnt die verantwortlichen Politiker davor, jetzt die Beine hochzulegen, nur weil es jetzt den Paragrafen 114 gebe. „Bei mehr als 700 tätlichen Angriffen auf Polizistinnen und Polizisten sehen wir, wie wichtig der neue Paragraf ist.“ Der Paragraf 114 des Strafgesetzbuches ermöglicht es, Angriffe auf Polizisten mit bis zu fünf Jahren Haft zu bestrafen. Seit Mai 2017 werden Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte härter bestraft. „Wenn er komplett verinnerlicht wird, kann er hoffentlich auch einen Teil dazu beitragen, dass die Gesamtzahlen langfristig zurückgehen.“