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Nun kommt der Online-Handel in die Berliner City

Den Einkaufsstraßen in den Berliner Bezirken geht es laut einer Senatsstudie gut, aber es entstehen neue Verkaufsformen.

Menschen auf dem Kurfürstendamm (Archivbild)

Menschen auf dem Kurfürstendamm (Archivbild)

Foto: Reto Klar

Das Gesicht des Berliner Einzelhandels wird sich in den kommenden Jahren verändern. Online-Händler drängen in die Einkaufsstraßen der City, herkömmliche Händler schließen sich zusammen und bilden gemeinsame Internetangebote. Auch neue Shoppingformen werden das Stadtbild verändern. Das ist das Ergebnis des Stadtentwicklungsplans Zentren 2030, den der Senat jetzt vorgelegt hat. Ziel ist es, die vielen dezentralen Einkaufszentren Berlins und den Händlermix zu erhalten.

Insgesamt bewerten die Experten die Situation für den Einzelhandel in Berlin gut. „Berlin hat stabile städtische Zentren, darüber können wir uns glücklich schätzen“, sagt der Bereichsleiter Stadtentwicklung der Industrie- und Handelskammer (IHK), Jochen Brückmann. „Es gibt eine hohe Versorgungsquote. Das ist auch eine Chance für Berlin.“ Die insgesamt gute Situation sei aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. „Die Herausforderungen steigen durch eine veränderte Mobilität, den Online-Handel und die Nutzungskonkurrenz auf den Flächen“, so Brückmann.

Großer Druck auf inhabergeführte Läden

Auch der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, Nils Busch-Petersen, warnt davor, den Blick angesichts der komfortablen Lage vor notwendigen Veränderungen zu schließen. 30 Prozent des Handels mit Damen-Oberbekleidung finde bereits im Internet statt, sodass die Bedeutung dieser Geschäfte in kleineren Einkaufsstraßen künftig eher abnehmen werde. Dieser Verlust müsse durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden.

Laut Senatsbericht erhöhe sich der Druck auf inhabergeführte Läden, da durch den anhaltenden Zuzug in die Stadt die Mieten steigen und immer mehr großflächige Discounter in die Einkaufsstraßen drängen. Auch neue Verkaufsformen entstehen. „Der Online-Handel macht kleine Geschäfte auf, klassische Einzelhändler schließen sich zusammen und erweitern ihr Online-Angebot“, sagt Brückmann.

Bestellte Online-Ware in der City West abholen

Dabei werde die Logistik zunehmend zu einer Herausforderung, die von kleineren Händlern nicht mehr allein bewältigt werden kann. „Deshalb entstehen neue sogenannte Micro-Hubs wie auf dem ehemaligen Gelände des KaDeWe-Parkhauses an der Passauer Straße. Hier können Kunden künftig ihre online bestellten Waren abholen“, so der IHK-Experte. Große Möbelhersteller, die bislang auf Industrieflächen ansiedelten, eröffneten kleine Geschäfte in Einkaufsstraßen.

Gehandelt werden müsse laut Senatsplan auch in der City Ost. „In der Friedrichstraße geht es in bestimmten Abschnitten gut, in anderen nicht so“, sagt Brückmann. Der Mix sei verloren gegangen. Und: Einige Gebäude dort seien nicht mehr konkurrenzfähig.

Attraktivere Umgebung für die Möbelgroßmärkte

Insgesamt stellt sich Berlin auf ein sich stark verändertes Gesicht in den Einkaufsstraßen ein. „Nur in wenigen Wirtschaftsbereichen zeigten sich in den letzten Jahrzehnten derart dynamische Veränderungen wie im Einzelhandelssektor“, lautet ein Fazit des Berichtes. Die Fachmarktzentren, wie die Standorte rund um den Möbeldiscounter Ikea, hat der Stadtentwicklungsplan Zentren ebenfalls im Blick. „Diese Flächen sollen attraktiver werden“, sagt Brückmann. „Es gibt neue Vorgaben, wonach die Parkplätze nicht mehr ebenerdig angeboten werden sollen, sondern unterirdisch oder in einem Parkhaus – wie bei der Mall of Berlin bereits geschehen.“ So soll an den Standorten mehr Platz für andere Geschäfte und insgesamt die Möglichkeit entstehen, die Flächen attraktiver zu gestalten. „Das tut Berlin gut“, sagt Brückmann. Nach Ansicht des Handelsverbandes sollte jedoch auf eine Ober- oder Untergrenze an Parkplätzen verzichtet werden. „Zu Stoßzeiten müssen weiter ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen“, sagt Busch-Petersen.