Nahverkehr

Hohlraum entdeckt: Berlins U-Bahn hat einen Dachschaden

Ein Hohlraum wurde im Tunnel am Rosa-Luxemburg-Platz entdeckt. Betonteile fielen von der Decke. Die U2 darf nur Schritttempo fahren.

Betonteile fielen aus der Decke

Betonteile fielen aus der Decke

Foto: J?rg Krauth?fer

Berlins U-Bahn ist zumindest in Mitte nur eine Schleichbahn. Gerade mal mit Schrittgeschwindigkeit dürfen derzeit die U2-Züge den Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz in Richtung Pankow verlassen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie Petra Nelken, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), betont.

Überirdisch bleibt die Einfahrt von der Torstraße in die Schönhauser Allee weiter für den Autoverkehr gesperrt. Mit beiden Maßnahmen will die BVG möglichst weitere Schäden am Tunnel für die Linie U2 verhindern. Eine wochenlange Sperrung der Schönhauser Allee in Richtung Norden, wie von der Verkehrsinformationszentrale (VIZ) angekündigt, droht laut BVG allerdings nicht.

„Die Reparatur wird sicher nicht über die Osterfeiertage möglich sein. Danach werden wir das aber möglichst schnell erledigen“, sagte Unternehmenssprecherin Nelken am Freitag der Morgenpost.

Zugverkehr war zeitweise unterbrochen

In der Nacht zu Donnerstag hatten Mitarbeiter der BVG bei einer Routinekontrolle des U-Bahn-Schachts eine verdächtige Stelle entdeckt. Zunächst vermeldete ein Radiosender, dass Betonteile von der Tunneldecke gefallen seien. Laut BVG hatten die Mitarbeiter den Beton jedoch vorsorglich in einem 80 Zentimeter großen Bereich abgeschlagen.

Dabei entdeckten sie dann einen Hohlraum, der dort nicht sein darf. Für eine weitere Untersuchung und aus Sicherheitsgründen wurde der Zugverkehr der U2 unterbrochen. Tausende Fahrgäste mussten den rund 450 Meter langen Weg zwischen den Stationen Senefelderplatz und Rosa-Luxemburg-Platz zu Fuß zurücklegen.

Einen Ersatzverkehr mit Bussen richtete die BVG wegen der Kürze der Strecke nicht ein. Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen konnten aber kostenlos Großraumtaxen im Auftrag der BVG nutzen. Nachdem die Statiker Entwarnung für den Tunnel gaben, fuhr die U2 ab 12.45 Uhr wieder durch, im beschädigten Bereich aber nur mit einer Höchstgeschwindigkeit von 5 km/h.

Kommentar: Investitionen in die Berliner Infrastruktur sind notwendig

Risse durch Witterung und Straßenverkehr

Am Freitagmorgen wurde die U-Bahn-Strecke zwischen Senefelderplatz und Rosa-Luxemburg-Platz ein zweites Mal gesperrt. Dieses Mal, um die Schadstelle mit einer Blechplatte vorläufig zu sichern. Zur genauen Ursache des Schadens machte die BVG keine Angaben.

Es sei allerdings nicht ungewöhnlich, dass Tunneldecken Risse bekommen oder es mal bröckelt, hieß es. „Der Großteil des Berliner U-Bahnnetzes liegt direkt unter der Straße. Das ist bequem für die Fahrgäste, weil sie nur wenige Treppen steigen müssen. Das hat aber aber auch zur Folge, dass die Tunneldecken unmittelbar der Witterung und dem Straßenverkehr ausgesetzt sind“, sagte BVG-Sprecherin Nelken.

So würden immer wieder Wasser und Tausalze über Risse in den Fahrbahnen in die Tunnel eindringen und damit deren Bausubstanz gefährden. „Vor allem der zunehmende Lkw-Verkehr macht uns zu schaffen“, so Nelken.

Trasse schon seit 1913 in Betrieb

Der östliche Teil der Linie U2 gehört zu Berlins ältesten U-Bahnstrecken. Gebaut wurde die Trasse zwischen Mitte und Prenzlauer Berg bereits Anfang des 20. Jahrhunderts.

Weil die Technologie für den U-Bahnbau damals noch in den Kinderschuhe steckte, wurden die benötigten Tunnel (etwa vom Alexanderplatz zum Senefelderplatz) als sogenannte Unterpflasterbahn direkt unter die Straße gelegt.

Oder die Trasse wurde wie zwischen den Bahnhöfen Danziger Straße (heute Eberswalder Straße) und Nordring (heute Schönhauser Allee) oberirdisch als Hochbahnviadukt errichtet. Eröffnet wurde die Strecke im Juli 1913, also vor mehr als 105 Jahren.

„Zeichen für den hohen Sanierungsbedarf des Netzes“

Dass die Schadstelle am U2-Tunnel rechtzeitig vor einem größeren Unfall entdeckt wurde, sieht der Berliner Fahrgastverband Igeb zunächst als „gutes Zeichen“ an. „Das Kontrollsystem funktioniert“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke.

Es werde aber zugleich unterstrichen, welch hohen Sanierungs- und Instandhaltungsbedarf das teilweise mehr als 100 Jahre alte Berliner U-Bahn-System habe. „Auch hier rächt es sich, wenn – wie in der Vergangenheit geschehen – in den Erhalt der Infrastruktur nur nach Kassenlage investiert wird.“

138 Millionen Euro investiert

Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, forderte: „Die BVG sollte die Ursache des Problems schnell untersuchen und gegebenenfalls auch an anderen, insbesondere alten Tunnelteilen verstärkte Untersuchungen durchführen, um sicherzustellen, dass es keine weiteren vergleichbaren Schwachstellen gibt. Die BVG ist hier in der Pflicht, alle Zweifel und Bedenken auszuräumen.“

Die BVG verweist ihrerseits auf hohe Investitionen in die Infrastruktur. Allein für die U-Bahn wurden im Vorjahr knapp 138 Millionen Euro bereitgestellt, in diesem Jahr werde mindestens genauso viel investiert. „Das Geld muss man auch erst mal verbauen können“, so BVG-Sprecherin Nelken.