Flughafen Schönefeld

Beinahe-Unglück: Dieser Schaden entstand an der Maschine

Die Piloten eines Luftwaffen-Jets konnten am Flughafen Schönefeld ein schweres Unglück gerade noch abwenden.

Erneut Panne bei Luftwaffen-Jet

Am Dienstag kam es bei einem Flieger, der ohne Passagiere unterwegs war, kurz nach dem Start zu einer Funktionsstörung.

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Berlin. Ein Regierungsflugzeug der Luftwaffe ist am Dienstagvormittag auf dem Flughafen Schönefeld nur knapp einer Katastrophe entgangen. Der Jet war aufgrund eines technischen Defekts kurz nach dem Start umgekehrt und konnte nur mit einer unkontrollierten Landung den Boden wieder erreichen. Daraufhin wurde der Betrieb in Schönefeld für fast drei Stunden eingestellt. Bis kurz vor 12 Uhr konnten keine Maschinen mehr starten.

Nach Wartungsarbeiten war die Regierungsmaschine vom Typ Bombardier Global 5000 in Richtung Köln gestartet. Ein Sprecher der Luftwaffe sagte, die Maschine habe bei der anschließenden Landung mit beiden Tragflächen Bodenberührung gehabt, eine kontrollierte Landung sei nicht mehr möglich gewesen.

Beinahe-Unglück in Schönefeld: Maschine muss notlanden

Spiegel: Regierungsmaschine bei Notlandung schwer beschädigt

Nach einem Spiegel-Bericht wurde die Maschine schwer beschädigt. Bundeswehr-Techniker hätten an dem Flugzeug vom Typ Global 5000 „erhebliche strukturelle Beschädigungen“ durch Knick- und Stauchungsschäden an beiden Tragflächen festgestellt, schreibt das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf interne Papiere der Bundeswehr. Möglicherweise sei der Rumpf verzogen, jedenfalls habe sich bei der Bruchlandung die Kabinenverkleidung gelöst. Die Bundeswehr schloss demnach sogar einen Totalschaden nicht aus.

Bombardier-Jet kippt bei Landeanflug mehrmals nach links und rechts

Auf Fotos des Online-Portals „aero Telegraph“ ist zu sehen, wie die Maschine im Landeanflug mehrmals nach links und rechts kippt. Dort heißt es weiter: „Bilder von vor Ort zeigen, wie die Bombardier Global 5000 relativ hoch anfliegt und dann sinkt und wiederum nach links und rechts wegkippt. Dabei berührten die Spitzen der Tragflächen mit einer Spannweite von 28,6 Meter den Belag.“

Laut "Spiegel",der aus dem Ablaufprotokoll der Bundeswehr zitiert, habe das Flugzeug nicht auf Steuereingaben zitiert. Kurz vor der Landung sei der Flieger in 300 Metern Höhe extrem nach rechts gekippt und habe die Landebahn verfehlt. Der Pilot habe die Maschine nur auf dem Vorfeld zu Boden bringen können. Der Jet sei dann über Rasenflächen und mehrere Rollwege hinweg geschlittert, wodurch Fahrwerk und Tragflächen massiv beschädigt worden seien. Dem Bericht zufolge vermuten die Ermittler als möglichen Grund für die Steuerungsprobleme, dass die Spoiler auf den Tragflächen bei der Wartung falsch eingestellt worden sein könnten. Das wäre eine Erklärung für die unkontrollierbaren Rollbewegungen.

Nach Angaben der Luftwaffe befanden sich in der Maschine außer den drei Piloten keine Passagiere an Bord. Die Crew wurde im Anschluss im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin medizinisch untersucht.

Ursula von der Leyen: Maschine entging nur knapp einem Unglück

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte am Dienstag, die Besatzung sei nur knapp einem Unglück entgangen. Die Angehörigen der Luftwaffe hätten es geschafft, „den Jet unter schwierigsten Bedingungen zu Boden zu bringen und damit Schlimmeres zu verhindern“, sagte die Ministerin.

Wie die Flugbereitschaft der Bundeswehr mitteilte, sollte die Maschine – Baujahr 2011 – am Dienstag nach der Wartung nach Köln fliegen, um am Mittwoch wieder nach Berlin zu kommen. Von der Hauptstadt aus sollte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dann nach Stuttgart geflogen werden. Die Auswertung des Flugschreibers, die Flugunfalluntersuchung sowie die Befragung der Piloten finden in Köln statt. Das Flugzeug wird von Spezialisten der Bundeswehr in Berlin untersucht. Sie machten sich noch am Dienstag auf den Weg nach Berlin.

Abfertigung am Flughafen Schönefeld komplett eingestellt

Für Reisende hatte der Vorfall erhebliche Folgen. Da das Flugzeug die reguläre Start- und Landebahn von Schönefeld blockierte, musste der Flughafen die Abfertigung von Passagieren kurz nach 9 Uhr komplett einstellen. Ein Flughafensprecher teilte am Nachmittag mit, dass aber kein Flug ausgefallen sei, die Jets seien mit teilweise erheblicher Verspätung nach Freigabe der Startbahn gegen 12 Uhr gestartet. 16 Maschinen, die in dieser Zeit in Schönefeld landen sollten, mussten umgeleitet werden. Zwölf davon seien in Tegel, drei in Leipzig und eine in Hamburg gelandet.

Passagiere auf dem Weg in die Osterferien mussten lange warten

Schnell hatten sich vor dem Terminal C lange Warteschlangen gebildet. Passagiere auf dem Weg in die Osterferien standen bis weit vor dem Gebäude an. Wartende vor dem Terminal D wurden laut Augenzeugen weggeschickt. Die Fluggesellschaft Easyjet leitete ihre Landungen nach Tegel um.

Wie die Folgeflüge organisiert werden sollten, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Es sei denkbar, die Passagiere nach Tegel zu transportieren oder die Flugzeuge nach der Wiedereröffnung der Landebahn nach Schönefeld zurück zu fliegen, teilte eine Sprecherin mit. Die britische Airline ist an beiden Berliner Flughäfen präsent, hat aber in Tegel mit 23 Maschinen bereits die deutlich größere Flotte als in Schönefeld mit zwölf Jets.

2300 Passagiere seien durch den Zwischenfall am Dienstag nicht wie geplant in Schönefeld gelandet. Wie die Fluggäste anschließend nach Berlin kamen, lag dem Sprecher zufolge in der Zuständigkeit der Fluggesellschaften.

Czaja: „Eindrucksvolles Argument für Offenhaltung von TXL“

„Ein eindrucksvolles Argument für die Offenhaltung und den ständigen Weiterbetrieb von TXL liefert die heutige Situation am Flughafen Schönefeld. Das muss auch der Berliner Senat endlich einsehen“, teilte Sebastian Czaja, FDP-Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, mit. „Ohne TXL müssten alle Flieger zwangsläufig immer in andere Bundesländer umgeleitet werden. Tegel ist die permanente unterstützende Alternative zum BER und als funktionierender Geschäfts-, Regierungs- und Verkehrsflughafen die ideale Ausbau-Ergänzung für die Stadt.“

Welche Rechte betroffene Passagiere haben

Laut Laura Kauczynski, Expertin für Fluggastrechte des Portals „AirHelp“ hätten betroffene Passagiere zwar Anrecht auf Verpflegung, nicht aber auf eine finanzielle Entschädigung.

Kauczynski: „Bei Verspätungen von über zwei Stunden und einer betroffenen Flugstrecke von über 1500 Kilometern muss die ausführende Airline den Passagieren am Flughafen Mahlzeiten und Getränke bereitstellen und ihnen die Möglichkeit bieten, zwei Telefonate zu führen oder auch zwei Telefaxe oder E-Mails zu versenden. Sollte die Wartezeit Mitternacht überschreiten, müssen die Airlines auch eine Unterkunft bereitstellen und die Beförderung dorthin ermöglichen. Wir raten, diese Versorgungsleistung bei der Fluggesellschaft einzufordern.“

Kauczynski weiter: „Das Recht auf eine finanzielle Entschädigung auf Grundlage der EU-Verordnung EG261/2004 haben die betroffenen Passagiere hingegen nicht, da ein solcher Fall einen außergewöhnliche Umstand darstellt, die die Airlines von ihrer Pflicht befreit, Entschädigungen bei Flugproblemen auszahlen zu müssen.”

Pannen an Regierungsfliegern - Eine Chronologie

März 2019: Beim ersten Dienstflug des Regierungsfliegers „Konrad Adenauer“ nach einer viermonatigen Generalüberholung verliert ein Reifen bei der Landung in New York Luft. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) muss mehr als eine Stunde lang in dem Airbus A340 warten, bis er aussteigen kann, und verspätet sich im UN-Sicherheitsrat.

Januar 2019: Wegen eines Druckluftproblems am Airbus A340 „Theodor Heuss“ strandet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Äthiopien. Um drei Stunden verschiebt sich der Start in Addis Abeba.

Januar 2019: Die Reise von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in drei Ländern des südlichen Afrikas wird wegen gleich zweier Defekte an der Bombardier Global 5000 zu einer kleinen Odyssee.

November 2018: Die „Konrad Adenauer“ mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) an Bord kehrt auf dem Weg zum G20-Gipfel in Buenos Aires um - weil ein defektes Teil die Funksysteme lahmgelegt hat. „Es war eine ernsthafte Störung“, kommentierte Merkel. Beide fliegen Linie nach Argentinien.

November 2018: Steinmeier harrt wegen eines Triebwerksdefekts der „Adenauer“ stundenlang in Südafrika aus.

Oktober 2018: Nagetiere knabbern bei einem Stopp in Indonesien wichtige Kabel der „Adenauer“ an. Finanzminister Scholz kehrt per Linienflug von der Tagung des Internationalen Währungsfonds zurück.

Juni 2018: Wegen eines Hydraulikschadens am Airbus steigt Steinmeier kurz vor Abflug nach Weißrussland auf eine Ersatzmaschine um.

Dezember 2016: Auf dem Weg nach Mali strandet Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aufgrund eines Computerproblems bei ihrem A340 in der nigerianischen Hauptstadt Abuja - und muss dort übernachten.

Mai 2016: Wegen eines Risses in der A319-Cockpitscheibe hängt Steinmeier, damals Außenminister, in Litauen fest. Ein Ersatzflieger holt ihn ab. Aufgrund eines defekten Fliegers hatte er zuvor auch schon im chinesischen Changsha ausharren müssen, in Berlin-Tegel platzt beim Start ein Reifen und zwingt die Piloten zur Vollbremsung.

Mai 2011: Wegen eines defekten A310-Kühlaggregats fliegt der damalige Bundespräsident Christian Wulff aus Brasilien per Linie nach Berlin.

März 2009: Auf ihrem Flug nach Brüssel muss Merkel wegen Überhitzung eines Triebwerks der Challenger-Regierungsmaschine unplanmäßig in Hannover zwischenlanden - und auf ein Ersatzflugzeug umsteigen.