Statistik

Immer mehr Paketzusteller können von ihrem Geld nicht leben

17.500 Menschen arbeiten in Berlin für Zustelldienste. Allein von ihrem Gehalt können viele Beschäftigte jedoch nicht leben.

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Berlin.  Anfang März hatte die Deutsche Post gute Nachrichten zu verkünden: Der Konzernumsatz war im vergangenen Geschäftsjahr auf 61,6 Milliarden Euro angewachsen. Die Deutsche Post hat zudem mehr Geld verdient: 2018 stieg das operative Ergebnis des Post- und Logistikunternehmens auf 3,2 Milliarden Euro an.

Die gute Geschäftsentwicklung des Post-Konzerns war wenig überraschend. Deutschlandweit boomt die Branche. Weil immer mehr Pakete verschickt werden, steigt auch die Zahl der Arbeitnehmer, die bei Post-, Kurier- und Expressdiensten beschäftigt sind. Zwischen 2007 und 2017 nahm die Zahl der Angestellten in der Branche von 102.000 auf 155.000 zu.

Viele Briefträger und Paketzusteller müssen aufstocken

In Berlin arbeiteten Ende 2017 rund 17.500 Menschen für Paketunternehmen. 2007 waren es noch gut 6000 Menschen weniger. Das Umsatz- und Gewinnwachstum der Branche kommt bei den Beschäftigen aber nicht an. Die Zahl der Mitarbeiter, die von ihrem Gehalt nicht leben und am Ende des Monats mithilfe der Arbeitsagentur aufstocken müssen, ist in dem Zeitraum sogar gestiegen.

Das geht aus einer Anfrage des Bundestagsabgeordneten Pascal Meiser (Linke) hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Demnach lag Ende 2017 der Aufstockeranteil unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Branche bei 7,4 Prozent – rund zwei Prozentpunkte höher als noch 2007.

Die Zahlen zeigen, dass auch in Berlin Briefträger und Paketzusteller die Hauptleidtragenden der inzwischen schon über 20 Jahre zurückliegenden Postprivatisierung seien, sagte Pascal Meiser. „Es ist völlig inakzeptabel, dass viele Briefträger und vor allem Paketzusteller, die täglich dafür sorgen müssen, dass unsere Briefe und Pakete ihr Ziel erreichen, für diese harte Arbeit mit Niedriglöhnen abgespeist werden und trotz Knochenjob noch beim Jobcenter Aufstockerleistungen beantragen müssen, um über die Runden zu kommen“, erklärte Meiser weiter.

Bundesarbeitsminister will mit Gesetz gegensteuern

Laut dem Linken-Politiker seien in dieser Statistik die ausländischen Subunternehmer nicht mit erfasst. Die Realität in der Branche sehe tatsächlich also noch düsterer aus. „Die Bundesregierung muss dringend gegen die Schmutzkonkurrenz vorgehen, die die Löhne in dieser Branche immer mehr unter Druck setzt“, forderte Meiser. Die Paketzustellung müsse wie die Briefzustellung an eine Lizenz geknüpft sein und diese bei Rechtsverstößen entzogen werden. Meiser sprach sich zudem für verstärkte Kontrollen aus.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte vor einigen Wochen angekündigt, per Gesetz für korrekte Arbeitsbedingungen und Sozialstandards in der Paketbranche sorgen zu wollen. Mit dem Gesetz soll sichergestellt werden, dass die in der Branche weit verbreiteten Subunternehmen Sozialbeiträge für ihre Paketboten zahlen. Konkret soll die sogenannte Nachunternehmerhaftung ausgeweitet werden. Damit wären dann die eigentliche Auftraggeber für die Arbeitsbedingungen bei allen Subunternehmern verantwortlich.

Verdi spricht von „Wildwestmethoden“

Verdi-Landesbezirksleiter Frank Wolf hält den Schritt für überfällig. „Bei den Paketdiensten existieren Wildwestmethoden: Lohndumping, Subsubsubunternehmen, die sich aus der Verantwortung stehlen, Anheuern von Arbeitskräften aus der Ukraine oder Moldawien ohne Ortskenntnisse“, erklärte Wolf. Paketdienste widersprechen: DHL etwa unterstrich, mehr als 98 Prozent der Pakete durch eigene Zusteller auszuliefern.

Die Anfrage der Linkspartei hatte auch ergeben, dass der Verdienst innerhalb der Paketbranche trotz des Booms in den vergangenen Jahren gesunken war: Deutschlandweit war das mittlere Bruttomonatsentgelt von 2007 bis 2017 von 2859 auf 2478 Euro gesunken. Das war eine Abnahme um 13 Prozent. In Berlin verdienten Zusteller 2018 laut Statistischem Landesamt im Durchschnitt 2744 Euro im Monat, etwa 42 Euro weniger als noch 2016.