Pharmakonzerne

Industrie fordert mehr Gen-Forschung

Die Pharmakonzerne mit Sitz in Berlin, Bayer und Pfizer, erwarten vom Senat mehr Mut, neue Technologien einzusetzen.

Die Pharmakonzerne mit Sitz in Berlin, Bayer und Pfizer, erwarten vom Senat mehr Mut, neue Technologien einzusetzen - wie Gentechnologie, Stammzellen-Therapie oder Gen-Editing.

Die Pharmakonzerne mit Sitz in Berlin, Bayer und Pfizer, erwarten vom Senat mehr Mut, neue Technologien einzusetzen - wie Gentechnologie, Stammzellen-Therapie oder Gen-Editing.

Foto: picture-alliance / dpa / dpa

Berlin.  Die Pharmakonzerne Bayer und Pfizer erwarten vom rot-rot-grünen Senat mehr Mut, neue Medizin-Technologien in Berlin einzusetzen, wie Gentechnologie, Stammzellen-Therapie oder Gen-Editing. „Wir benötigen jetzt schnellstmöglich den von der Landesregierung avisierten Pharma-Dialog in Berlin“, forderte das Vorstands-Mitglied der Bayer AG, Stefan Oelrich, gegenüber der Berliner Morgenpost.

Oelrich und auch der Chef des Pharmakonzerns Pfizer Deutschland, Peter Albiez, warnen davor, dass Deutschland und damit auch Berlin den internationalen Anschluss in der Medizin und industriellen Gesundheitswirtschaft verlieren könnten. Wenn man nicht abgehängt werden wolle, müsse man die neuen Medizin-Technologien auch in Berlin ermöglichen. „Wenn nicht, wandert diese Forschung ins Ausland ab“, sagte Oelrich, der selbst viele Jahre lang in Lateinamerika und den USA gearbeitet hatte. Man sehe dies ja schon an der Antikörper-Forschung. „Hier spielen wir in Deutschland keine Rolle mehr, die Forschung findet in den Vereinigten Staaten statt“, so Oelrich.

Pharma-Manager von Bayer und Pfizer: Kritik am Zustand der Charité

Kritisch gehen die Pharma-Manager auch mit der Gesundheitspolitik in Berlin um. So habe man in Berlin zwar eine gute Versorgungslage mit drei Standorten des Universitätsklinikums Charité und dem Klinikkonzern Vivantes, der in allen Bezirken vertreten sei.

„Aber die Charité lebt bei der Spitzenforschung zum Teil von ihrem guten Ruf, nicht von ihren Inhalten“, sagte Oelrich, der bis vor Kurzem auch Sprecher des Clusters Gesundheit in Berlin war. In diesem Cluster kommen Vertreter aus Wissenschaft, Pharmaindustrie, Krankenversorgung und Politik zusammen, um die Gesundheitsbranche in der Region Berlin-Brandenburg zu fördern und zu verbessern. „An der Charité haben wir einen enormen Investitionsstau“, sagte der Bayer-Vertreter.

Charité musste schwarze Zahlen schreiben

Ein Grund sei, dass der Berliner Senat von dem Universitätsklinikum gefordert habe, schwarze Zahlen zu schreiben. Dies ist, wie berichtet, in den vergangenen Jahren unter Charité-Chef Karl Max Einhäupl auch gelungen. Aber mit der Folge, dass die Charité mehr Breitenmedizin machte und zu wenig investierte. Auch die vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) eingesetzte Lauterbach-Kommission kam kürzlich zu dem Ergebnis, Charité und Vivantes unter einem Dach zusammenzuschließen, um die Spitzenforschung auf der einen Seite zu stärken und die Gesundheitsversorgung über Vivantes zu sichern. „Mehr Investitionen sind auch die Voraussetzung, um neue Talente nach Berlin zu holen“, erklärte Oelrich. „Der Senat hat uns klar signalisiert, dass er hier auch finanzielle Unterstützung leisten will.“

Digitalisierung ist das Zukunftsthema

Pfizer-Chef Albiez, der der neue Sprecher des Gesundheits-Clusters ist, sprach sich für die Gründung eines „Digital Campus“ in Berlin aus. „Ohne Digitalisierung ist die Zukunft der Medizin nicht mehr denkbar“, sagte Albiez der Berliner Morgenpost. Sie dürfe aber kein Selbstzweck sein, sondern müsse den Menschen dienen. Sein Ziel sei es, die hochwertige medizinische Versorgung „zukunftssicher zu gestalten“ und Berlin und Brandenburg zu einer „Modellregion bei der Patientenversorgung zu entwickeln“. Außerdem, so der Pharma-Manager, müsse das Vertrauen der Menschen in die Gesundheitswirtschaft wieder gestärkt werden. „Denn das gehört zur Gesundheit auch dazu: Mit der Gesundheitswirtschaft generieren wir Wohlstand für die Region, für die Menschen.“

Umzug von Karlsruhe nach Berlin

Das Unternehmen Pfizer hatte vor elf Jahren seinen Hauptsitz von Karlsruhe nach Berlin verlegt. Zur Deutschlandzentrale zählen rund 1300 Mitarbeiter, 650 von ihnen arbeiten am Sitz am Potsdamer Platz. Der Pharmakonzern Bayer ist seit mehr als hundert Jahren in Berlin - und plant derzeit weltweit einen Abbau von rund 12.000 Stellen. Wie viele Jobs in Berlin wegfallen, konnte Vorstands-Mitglied Oelrich noch nicht sagen. „Berlin ist und bleibt Sitz für die weltweite Leitung unserer Pharma-Division, daran wird sich auch nichts ändern“, betonte Oelrich.