Steuer 2018

Wie muss ein Lottogewinn versteuert werden?

Experten des Steuerberatungsverbandes und des Lohnsteuerhilfevereins VLH haben Leserfragen beantwortet.

Die Steuer­experten am Lesertelefon der Berliner Morgenpost: (v.l.) Dieter Schellerhoff, Wolfgang Wawro, Anne Klingbeil, Torsten lehmann, Maria Frantsuzova, Patrick Straßer und Marlies Spargen.

Die Steuer­experten am Lesertelefon der Berliner Morgenpost: (v.l.) Dieter Schellerhoff, Wolfgang Wawro, Anne Klingbeil, Torsten lehmann, Maria Frantsuzova, Patrick Straßer und Marlies Spargen.

Foto: Maurizio Gambarini

Eine Steuererklärung lohnt sich für viele Menschen, selbst wenn sie gar nicht dazu verpflichtet sind. In neun von zehn Fällen gibt es eine Steuererstattung – durchschnittlich 974 Euro. Doch die Angaben richtig einzutragen, ist durchaus komplex. Zahlreiche Leser der Berliner Morgenpost haben deswegen am Sonnabend die Möglichkeit genutzt, den Experten des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg sowie des Lohnsteuervereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) Fragen zu stellen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten protokolliert.

Fristen

Bis wann muss ich meine Steuererklärung für 2018 abgeben?

Wolfgang Wawro: Wer seine Steuererklärung selbst ausfüllt, muss sie bis zum 31. Juli 2019 abgeben. Wer sich steuerlich vertreten lässt, hat eine Frist bis 29. Februar 2020.

Ruhestand

Wir bekommen als Ehepaar 3000 Euro Rente im Monat. Müssen wir eine Steuererklärung abgeben?

Marlies Spargen: Ja. Wenn Sie als Rentner den Grundfreibetrag von 9000 Euro im Jahr als Alleinstehender und 18.000 Euro im Jahr als Verheiratete überschreiten, sind sie steuererklärungspflichtig. Kranken- oder Pflegeversicherungsbeiträge, Haftpflichtversicherung und auch Arztkosten können die Steuerlast allerdings mindern, ebenso Medikamentenkosten oder etwa Zuzahlungen für die Brille. Auch eine Behinderung reduziert das zu versteuernde Einkommen. Dann kann es passieren, dass trotz der Erklärungspflicht keine Steuern zu zahlen sind.

Ich beziehe neben meiner Altersrente auch eine Kriegsopferrente. Wie ist das zu besteuern?

Marlies Spargen: Kriegsopferrenten und Unfallrenten von der Berufsgenossenschaft sind steuerfrei.

Ich bin unzufrieden mit meiner Altersvorsorge und möchte sie gerne kündigen. Muss ich etwas beachten?

Patrick Straßer: Eine Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge lohnt sich meist nicht. Da Sie in den Einzahlungsphasen mehrere Steuervorteile hatten, müssten sie diese bei einer Kündigung zurückzahlen. Daher ist es sinnvoll, die Altersvorsorge bei Ihrem Versicherer beitragsfrei zu stellen und sich dann nach einer Alternative umzuschauen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Ich habe aufgrund geringer Einkünfte eine Steuerbelastung von Null. Kann ich haushaltsnahe Dienstleistungen trotzdem steuerlich absetzen?

Anne Klingbeil: Nein, wenn die Steuerbelastung Null ist, ergibt sich keine Minderung.

Ist Müllabfuhr eine haushaltsnahe Dienstleistung, die ich von der Steuer absetzen kann?

Dieter Schellerhoff: Nein. Haushaltsnahe Dienstleistungen sind Arbeiten, die man normalerweise im Haushalt selbst macht, aber die man jetzt an einen Dienstleister vergeben hat. Zum Beispiel kann ich einen Gebäudereiniger mit dem Putzen der Fenster beauftragen, oder einen Gärtner mit der laufenden Pflege meines Gartens. Die Neugestaltung des Gartens ist dagegen keine haushaltsnahe Dienstleistung.

Arbeitnehmer

Ich arbeite als Objektschützer an wechselnden Standorten. Das Finanzamt hat aber nur Fahrtkosten von der Wohnung bis zur Arbeitsstätte berücksichtigt, mit 30 Cent pro Entfernungs-Kilometer. Ist das richtig?

Marlies Spargen: Das ist nicht richtig, weil Sie ständig wechselnde Einsatzorte haben und nie länger als drei Monate an einem Ort sind. Ihnen steht die Anerkennung der Fahrtkosten nach den Reisekosten-Grundsätzen zu. Das sind 30 Cent pro tatsächlich gefahrenen Kilometern. Außerdem steht Ihnen die Verpflegungsmehraufwendung von zwölf Euro pro Tag zu, an dem Sie 8 Stunden von zuhause oder der ersten Tätigkeitsstelle weg sind. Ich empfehle Ihnen, Einspruch einzulegen und ihn zu begründen. Das können Sie innerhalb eines Monats, nachdem Sie den Bescheid erhalten haben, tun.

Abfindung

Ich beende mein Arbeitsverhältnis und bekomme von meinem Arbeitgeber eine Abfindung. Wie kann ich das steuerlich günstig gestalten?

Dieter Schellerhoff: Die Abfindung wird ermäßigt besteuert, mit der sogenannten Fünftel-Regelung. Das bedeutet, dass die normale Steuer für diesen Betrag berechnet wird. Aber nur ein Fünftel davon ist die steuerliche Belastung auf diese Abfindung. Wenn Sie bis zum Jahresende arbeiten, lohnt es sich, die Auszahlung der Abfindung für das Folgejahr zu vereinbaren. Denn dann haben Sie wahrscheinlich ein geringeres Gesamteinkommen, zahlen also weniger Steuern.

Gesundheit

Kann ich in der Steuererklärung meine Pflegestufe angeben?

Anne Klingbeil: Ja, es wird ein Pflegepauschbetrag von 924 Euro als außergewöhnliche Belastung abgesetzt.

Ich bekomme Pflegegeld aus der Pflegeversicherung, habe aber gar keine Kosten. Muss ich das bei der Steuererklärung angeben?

Dieter Schellerhoff: Nein, denn das Pflegegeld ist steuerfrei, da es zu den Sozialleistungen zählt. Wenn Sie darüber hinaus Kosten haben, etwa für ein Pflegeheim, können Sie diese grundsätzlich steuerlich absetzen.

Ich habe Arztkosten, musste eine Brille anfertigen lassen und Zahnersatz. Diese Aufwendungen möchte ich steuerlich geltend machen, doch mir wurde gesagt, sie sind zu niedrig. Stimmt das?

Marlies Spargen: Diese Kosten gehören zu den sogenannten außergewöhnlichen Belastungen. Nach aktueller Rechtslage wird jedoch eine zumutbare Eigenbelastung abgezogen, so dass sich diese Aufwendungen steuerlich derzeit manchmal nicht auswirken. Sie sollten diese Kosten dennoch in bei Ihrer Steuererklärung angeben, da noch eine Musterklage hinsichtlich der Eigenbelastung läuft. Dann wird Ihr Steuerbescheid offen gehalten und steht unter Vorbehalt. Wenn diese Klage positiv im Interesse des Steuerzahlers entschieden wird, könnten Sie davon profitieren.

Todesfall

Mein Vater ist verstorben und es sind keine Steuerunterlagen auffindbar. Was soll ich machen?

Torsten Lehmann: Da haben Sie zwei Möglichkeiten: Fragen Sie beim Finanzamt nach, ob Unterlagen zu ihrem Vater vorliegen oder holen Sie sich steuerlichen Rat ein, um zu berechnen, ob Sie für ihren Vater eine Steuererklärung abgeben müssen. Bedenken Sie, dass Sie – wenn Sie Erbe sind - für ihren verstorbenen Vater die Steuererklärung machen müssen. Aber Achtung: Das Finanzamt kann bis zu acht Jahre rückwirkend Steuern festsetzen. Unter Umständen können hohe Kosten auf den Erben zu kommen, wenn sie das Erbe angenommen wird.

Mein Ehepartner ist kürzlich verstorben. Kann ich meine Steuererklärung weiterhin so machen wie bisher?

Torsten Lehmann: Ja, zunächst können Sie ihre Steuererklärung so machen, wie zuvor. Wenn im Jahr des Ablebens die Zusammenveranlagung erfolgte, kommt im Folgejahr das sogenannte Witwensplitting zum Tragen. Sie werden also im Jahr nach dem Tode als alleinstehende Person noch den Splittingtarif bekommen.

Sind Beerdigungskosten steuerlich absetzbar?

Marlies Spargen: Sie gelten als außergewöhnliche Belastung, wenn die Kosten nicht durch die Erbmasse getragen werden können, oder nicht durch eine Sterbeversicherung abgedeckt sind. Das Finanzamt zieht eine zumutbare Belastung ab. Als Beerdigungskosten gelten steuerlich die Kosten für die Trauerfeier, für den Redner, für den Bestatter, für den Sarg, den Blumenschmuck, das Grabmal und die öffentlichen Gebühren. Nicht absetzbar sind die Kosten für die künftige Pflege des Grabes und die Bewirtung der Trauergäste.

Kapitalerträge

Ich wurde von der Bank angeregt, in der Steuererklärung alte Investmenterträge einzutragen. Wie mache ich das?

Wolfgang Wawro: Neben der Anlage KAP, Einkünfte aus Kapitalvermögen, gibt es die Anlage KAP-INV für Investmenterträge. Dort können Sie Ihre alten Investmenterträge eintragen.

Immobilien

Ich habe letztes Jahr ein Grundstück von meinem Mann geerbt, der besaß es seit 1996. Muss ich das Grundstück in der Steuererklärung angeben?

Maria Frantsuzova: Nur wenn aus dem Grundstück laufende Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielt werden. Ein Veräußerungsgewinn ist aber nicht steuerpflichtig, das Grundstück befindet sich seit über 10 Jahren im Besitz Ihres Mannes, also unterliegt es nicht der Einkommensteuer und muss in der Steuererklärung somit nicht erwähnt werden.

Ehrenamt

Ich bin ehrenamtlich tätig. Kann ich steuerlich etwas absetzen?

Wolfgang Wawro: Nein, wenn Sie kein Geld bekommen für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit, können Sie so auch nichts von der Steuer absetzen. Manche gemeinnützige Vereine stellen eine Spendenbescheinigung für den Leistungsaustausch aus, die Sie als Sonderausgaben in Ihrer Steuererklärung geltend machen können. Aufwandsentschädigungen aus öffentlichen Kassen bleiben meist steuerfrei. Nebenberufliche Ausbilder oder Pflegekräfte können aus öffentlichen Kassen Bezüge erhalten, die bis zu 2400 Euro im Jahr steuerfrei bleiben.

Vorauszahlungen

Ich habe einen Steuerbescheid bekommen und muss 600 Euro nachzahlen und soll nun auch Steuervorauszahlungen quartalsweise leisten. Warum muss ich schon vorauszahlen?

Marlies Spargen: Das Finanzamt erhebt Vorauszahlungen, sofern im Vorjahr mehr als 400 Euro an Steuernachzahlungen entstanden sind. Wenn Sie jedoch nachweisen können, dass Sie in diesem Jahr hohe Aufwendungen haben werden, kann das Finanzamt die Zahlungen auch herabsetzen.

Kirchensteuer

Mein Ehemann ist nicht in der Kirche, ich aber schon. Im Steuerbescheid wird sein Einkommen aber mit herangezogen. Ist das rechtens?

Torsten Lehmann: Ja. In solchen Fällen wird statt der Kirchensteuer ein Kirchgeld erhoben, das aber geringer ausfällt, als die Kirchensteuer. Das Kirchgeld fällt je nach Bundesland unterschiedlich hoch aus.

Mitgliedsbeiträge

Sind Beiträge zum Lohnsteuerhilfeverein als Steuerberatungskosten abzugsfähig?

Torsten Lehmann: Ja. Ungeprüft können Sie die Mitgliedsbeiträge bis zu 100 Euro geltend machen. Darüber hinaus können Sie mit Nachweis 50 Prozent des Beitrags angeben und so ihre Steuerlast mindern.

Ich gehöre einem gemeinnützigen Verein an. Kann ich meinen Mitgliedsbetrag von der Steuer absetzen?

Dieter Schellerhoff: Bei den meisten gemeinnützig anerkannten Vereinen sind die Mitgliedsbeiträge abzugsfähig, etwa bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft. Beim Karnevalsvereinen dagegen ist das nicht der Fall. Der Gesetzgeber hat eine Wertung eingeführt, was er besonders fördern will. Jeder anerkannte Verein bekommt vom Finanzamt eine Freistellungsbescheinigung. Da steht drin, ob er nur für Spenden eine Spendenbescheinigung ausstellen darf oder auch für seine Mitgliedsbeiträge.

Lottogewinn

Muss ich für meinen Lottogewinn Steuer zahlen?

Wolfgang Wawro: Nein, Lotto-, Toto- oder Pferderennwetten-Gewinne und dergleichen sind steuerfrei. Es passt zu keiner Einkunftsart. Ist der Gewinn groß und Sie legen ihn bei der Bank an, dann müssen natürlich die Zinsen oder Dividenden versteuert werden.

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