Prozess in Berlin

78-Jähriger ersticht Freundin - Schlagader völlig zerfetzt

In Spandau hat ein Senior (78) seine Freundin (77) im Streit getötet. Vor Gericht will er sich an nichts erinnern.

Vor Gericht muss sich ein 78-Jähriger verantworten, der seine Lebensgefährtin getötet haben soll.

Vor Gericht muss sich ein 78-Jähriger verantworten, der seine Lebensgefährtin getötet haben soll.

Foto: Volker Hartmann / dpa

Berlin. Vor dem Berliner Landgericht hat am Donnerstag der Prozess gegen einen 78-jährigen Mann aus Spandau begonnen. Dem Senior wird Totschlag vorgeworfen. Er soll im November vergangenen Jahres seine 77 Jahre alte Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung am Falkenhagener Feld nach einem Streit mit mehreren Messerstichen in den Hals und den Oberkörper so schwer verletzt haben, dass die Frau noch am Tatort verblutete.

Wenn in Moabit Kapitalverbrechen verhandelt werden, übernimmt stets eine größere Gruppe Justizwachtmeister die Sicherung. In diesem Fall verzichtete das Gericht allerdings darauf, vom Angeklagten Hans Joachim U. ging definitiv keine Gefahr aus. Der Senior konnte sich nur mit Hilfe eines Rollators fortbewegen und der Prozess begann erst, als das transportable Sauerstoffgerät beschafft war, an das der 78-Jährige regelmäßig angeschlossen werden muss.

Klinge steckte noch im Körper der Lebensgefährtin

Um so erstaunlicher ist die Tatsache, dass die Tat, die die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft mit erheblichem Kraftaufwand begangen worden sein muss. Der Anklage zufolge wies die Leiche des Opfers Eva K. beim Eintreffen der alarmierten Polizei am frühen Morgen des 12. November 2018 massive Verletzungen auf, unter anderem war die Halsschlagader völlig zerfetzt. Das mutmaßliche Tatwerkzeug, ein Küchenmesser mit 20 Zentimeter Klingenlänge, steckte noch im Körper der Frau.

Streit um Geld eskaliert

Wie genau das tödliche Geschehen zwischen dem seit 2006 zusammen lebenden Paar verlief, daran kann sich U. nicht mehr erinnern, erklärte er dem Gericht. Genauer erläutern konnte der Angeklagte bei seiner Befragung durch den Vorsitzenden der zuständigen Schwurgerichtskammer die Vorgeschichte. Zwischen ihm und Eva K. sei es am Abend zuvor zu einem Streit um Geld gekommen. Die 77-Jährige habe häufiger ihre Vollmacht für sein Konto genutzt, um größere Summen für sich abzuheben.

30.000 Euro, seine gesamten Ersparnisse habe die 77-Jährige beiseite geschafft, betonte U. Dazu eine wertvolle Münzsammlung, beides untergebracht in einem Banksafe. „Als ich ein paar Tage vorher mit meinem Sohn bei der Bank war, war alles weg“, empörte sich U. in seiner Befragung.

Rentner kann sich nicht erinnern

Nach dem Streit am Vorabend der Tat, habe Eva K. gedroht, ihn zu töten, sobald er eingeschlafen sei. schilderte der 78-Jährige. Am nächsten Morgen sei er wach geworden, weil seine Lebensgefährtin versucht habe, ihn mit einem Kissen zu ersticken, ergänzte der Angeklagte. Danach verließ ihn die Erinnerung. „Hatten sie zur Tatzeit Alkohol getrunken?“, wollte der Vorsitzende wissen. Die Antwort von U. kam prompt und unmissverständlich: „Ich trinke keinen Alkohol, aber die Eva hat dauernd gepichelt“.

Was es mit dem Streit zwischen Angeklagtem und Opfer genau auf sich hatte und wie es insgesamt um die Beziehung der beiden stand, sollen an den nächsten Verhandlungstagen Zeugen Auskunft geben. Darunter sind vor allem Polizeibeamte, behandelnde Ärzte des 78-Jährigen und Angehörige sowohl des Angeklagten als auch des Opfers. Der Prozess wird am 26. April fortgesetzt.