S-Bahn-Chef Buchner

Ab Herbst dreht die neue S-Bahn nachts Testrunden in Berlin

S-Bahn-Chef Peter Buchner über die Vorzüge der neuen S-Bahnzüge und die weiteren Schritte bis zu ihrer Inbetriebnahme 2021.

Der Berliner S-Bahn-Chef Peter Buchner in einem neuen Zug.

Der Berliner S-Bahn-Chef Peter Buchner in einem neuen Zug.

Foto: Krauthoefer (Funke Mediengruppe)

Berlin. Die ersten neuen S-Bahnzüge für Berlin sind inzwischen gebaut und werden derzeit von den Herstellern Stadler und Siemens umfangreich getestet. Auf speziellen Abschnitten des Berliner Netzes werde es dann Testfahrten geben, kündigten die S-Bahn sowie die Hersteller am Donnerstag an. Ab 2021 sollen Fahrgäste in die neuen Züge einsteigen können.

Bis Ende 2023 werden 106 neue Züge geliefert. Für Fahrgäste gibt es einige Neuerungen: Klimaanlagen, Videoüberwachung sowie Monitore, die über Haltestellen und Umsteigemöglichkeiten informieren. Außerdem sind die Wagen auf ganzer Länge begehbar - so wie die neueren Berliner U-Bahn-Züge.

Eine neue S-Bahn für Berlin

Über die weiteren Schritte bis zur Inbetriebnahme der neuen Züge sprach die Berliner Morgenpost mit Peter Buchner, dem Geschäftsführer der S-Bahn Berlin GmbH.

Berliner Morgenpost: Herr Buchner, was ist ihr Eindruck vom neuen Zug?

Peter Buchner: Ich war ja schon im November hier, als die Tests begannen. Ich bin jedes Mal beeindruckt, wie leise das Fahrzeug im Fahrgastraum ist und wie geräuschlos man hier durch die Wälder schwebt – und künftig auch durch Berlin.

Was ist im Innenraum des Zuges das Neue?

Der größte Fortschritt für die Fahrgäste ist natürlich die Klimaanlage, aber auch die Kundeninformation mit den großen Bildschirmen, die wir an der Rückseite der Zugzielanzeiger haben. Dort können wir vor allem im Störungsfall sehr viel mehr anzeigen als heute.

Auffällig ist auch das neue Mehrzweckabteil im Zug.

In den großen Zügen, also den Vierwagen-Einheiten, haben wir Mehrzweckabteile direkt hinter den Führerständen. Sie sind hauptsächlich für die Rollstühle und Kinderwagen gedacht. In der Mitte des Zuges gibt es dann große Fahrradabteile, sodass Fahrgäste mit Rädern nicht denen mit Kinderwagen und in Rollstühlen in Kollision kommen.

Wann werden denn die Berliner die ersten neuen Züge erleben können?

Die ersten Züge werden im Herbst für Testfahrten nach Berlin kommen. Zu sehen bekommen die allerdings erst einmal nur Nachtschwärmer, weil wir in den Betriebspausen vor allem auf dem Ring unsere Runden drehen werden. Wer also zwischen 1 und 4 Uhr unterwegs ist, der kann unter der Woche auch mal einen neuen Zug sehen. Im Übrigen werden wir die Züge in den Werkstätten haben zur Ausbildung unserer Mitarbeiter. Zunächst werden das unsere Ausbildungslokführer sein, dann auch die Werkstattmitarbeiter.

Die Bewerber dafür stehen bei uns schon Schlange, jeder will zu den Ersten gehören. Und weil die neuen Züge auch viel mehr Elektronik als bisher an Bord haben, wollen wir ab nächstem Jahr auch drei neue Ausbildungslehrgänge für Elektroniker starten. Heimatwerkstatt für die neuen Züge wird Grünau sein, wo die bis zu 150 Meter langen Vierwagen-Einheiten auch schon jetzt gut reinpassen. Dort wollen wir nach dem Vorbild von Friedrichsfelde auch eine neue Waschanlage errichten, damit der neue Lack möglichst lange glänzt. Die Anlage kann im Winter auch für das Auftauen der Züge genutzt werden. Das war in den vergangenen Wintern zwar in Berlin nicht nötig, aber uns stecken die negativen Erfahrungen aus den harten Wintern 2009/10 und 2010/11 noch in den Knochen. Wir wollen auf so eine Lage gut vorbereitet sein.

Wann wird die erste reguläre Fahrt mit Fahrgästen sein?

Die erste reguläre Fahrt ist immer noch für den 1. Januar 2021, 4 Uhr geplant. In Südkreuz wird es losgehen. Jeder, der kommen will, ist herzlich eingeladen. Ich gehe davon aus, dass wir dann mit einen Vollzug fahren werden.

Und wie lange wird es noch dauern, bis die neuen Züge in nennenswerter Zahl die Berliner S-Bahn-Flotte verstärken werden?

Wir bekommen jetzt erst einmal zehn Vorserienfahrzeuge geliefert, fünf kurze und fünf lange. Die werden ab Januar 2021 zunächst zwischen Spindlersfeld und Südkreuz eingesetzt. Die Serie wird dann in den Jahren 2022 und 2023 ausgeliefert. Dann können wir zunächst die Ringlinien S41 und S41 auf die neuen Fahrzeuge umstellen. Dort werden wir künftig auch mit acht statt wie heute nur mit sechs Wagen fahren. Es folgen dann dann die S46 und S8, sodass wir im Südosten Berlins die meisten Linien mit neuen Fahrzeugen bedient werden.