Sternfahrt

Taxifahrerin: „Die picken sich nur die Rosinen raus“

Anke Niggemann ist seit 1997 Taxifahrerin. Im Interview spricht sie darüber, warum sie bei der Taxi-Demonstration dabei ist.

Anke Niggemann fährt seit 1997 in Berlin Taxi.

Anke Niggemann fährt seit 1997 in Berlin Taxi.

Foto: Anke Niggemann

Berlin. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. ruft zu einem bundesweiten Aktionstag gegen das im Februar veröffentlichte Eckpunktepapier des Bundesverkehrsministeriums auf. In Berlin ist eine Sternfahrt geplant. Los geht’s um 12 Uhr zeitgleich am Olympischen Dorf, dem Flughafen Tegel und dem Ostbahnhof, mit dem Ziel Straße des 17. Juni und Brandenburger Tor. Die Kundgebung findet dann um 13 Uhr vor dem Brandenburger Tor statt.

Im Vorfeld sprach die Berliner Morgenpost mit Anke Niggemann, die seit 1997 als Taxifahrerin auf den Straßen Berlins unterwegs ist, über ihre Forderungen und Befürchtungen.

Sind Sie bei der Sternfahrt am Mittwoch dabei, Frau Niggemann?

Ja, selbstverständlich! Es geht um meine Zukunft und die ist momentan in ihrer Existenz stark gefährdet. Ich mache meinen Job seit zwanzig Jahren und ich würde ihn gerne noch weitere zwanzig Jahre machen, aber bei der derzeitigen Situation bin ich skeptisch ob das noch so klappt.

Welche Befürchtungen haben Sie denn auf Grund des Eckpunktepapiers?

Das Papier sieht vor, dass die Rückkehrpflicht für Mietwagen aufgehoben werden soll. Das würde bedeuten, dass das, was momentan schon viel passiert, dass sich Fahrer illegal im Stadtgebiet bereithalten, im Nachhinein legalisiert wird. Jetzt haben wir immerhin noch die Möglichkeit dagegen zu klagen und das haben wir auch schon mehrfach getan. Das Prinzip Mietwagen und Taxi, hat jahrzehntelang funktioniert und es gab immer die Unterscheidung zwischen Mietwagen und Taxi, aber in dem Moment wo sich die Mietwagen nur die Rosinen rauspickt, ohne irgendwelche Verpflichtungen zu haben funktioniert das Taxigewerbe nicht mehr. Ich habe im Taxi eine Menge Fahrten, die nicht lukrativ sind die aber natürlich auch erledigt werden – ganz klassisch die 5,10 Euro Tour von Oma Erna zur Augenklinik. Das funktioniert aber nur so lange ich eine Mischkalkulation habe. In dem Moment, in dem das Mietwagengewerbe gezielt nur die lukrativen Fahrten zum Flughafen fährt, kann ich von dem, was mir an Verpflichtungen bleibt, meine Rechnungen am Ende des Monats nicht bezahlen. Ich sehe momentan die große Gefahr, dass bei der Deregulierung das Taxi komplett auf der Strecke bleiben wird.

Welche Rolle spielt dabei das Unternehmen Uber für Sie?

Seit Uber ist die Anzahl von Mietwagen mit Chauffeur explosionsartig gestiegen und damit funktioniert auch die Unterscheidung nicht mehr. Die Uber-Fahrer hoffen jetzt, dass durch ganz viel Lobbyarbeit die Gesetze angepasst werden, und ihr illegales Handeln dann legal würde. Und da würde in erster Linie das Taxigewerbe drunter leiden.

Was halten Sie von den Forderungen nach farbigen Nummernschildern für Uber und andere Fahrdienstleister?

Ich denke das ist ein Ansatz von vielen, aber der alleine wird nicht für ein Ausgleich von Gerechtigkeit sorgen, kann aber ein Mittel sein, dass die Behörden und die Polizei diese Fahrzeuge erkennen und kontrollieren können. Momentan findet das überhaupt nicht statt, weil die Fahrzeuge als Privatfahrzeuge gehalten werden. Das macht Schwarzarbeit möglich. Wir haben momentan in Berlin um die 3000 völlig unkontrollierte Mietwagen. Beim Taxigewerbe haben wir das Fiskaltaxameter mit dem jeder einzelne Meter und jede Minute genau registriert wird und damit nachvollziehbar ist für die Behörden wer, wann und wo gefahren ist und welchen Umsatz er gemacht hat, das ist ein großer Unterschied. Die Nummernschilder reichen alleine nicht, es müsste auch digitalen Wegstreckenzähler mit GPS-Tracker geben, nur dann könnte man sagen ob sich dieser Betrieb rechtskonform verhält oder nicht.

Was erhoffen Sie durch die Sternfahrt?

Dass das Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert wird. Viele können mit dem Thema ja nicht viel anfangen. Es hört sich ja gar nicht so dramatisch an, ‘da soll die Rückkehrpflicht für Mietwagen abgeschafft werden – naja warum denn nicht?’ Aber welche Auswirkungen das hat, dass wir dadurch nämlich Ströme von Mietwagen, wie man es in anderen Großstädten schon beobachten kann, in Berlin haben werden und welche Auswirkungen das für die Stadt haben wird, das muss jetzt in der Öffentlichkeit diskutiert werden.