Automat manipuliert

Prozess um Pfandflaschenbetrug endet mit einer Geldbuße

Öczan K. und Tural A. sollen mit der Masche mehr als 100.000 Euro ergaunert haben. Nachweisen konnte ihnen das Gericht die Tat nicht.

Zwei Männer sollen mehr als 110.000 Euro durch Pfandflaschen-Betrug ergaunert haben.

Zwei Männer sollen mehr als 110.000 Euro durch Pfandflaschen-Betrug ergaunert haben.

Foto: Peter Endig / picture alliance / ZB

Berlin. Wenn die Vorwürfe der Berliner Staatsanwaltschaft zutreffen, hätten Öczan K. und Tural A. mit ihrer Kreativität und ihrem technischen Sachverstand in vielen Berufen Kariere machen können. Die Anklagebehörde geht allerdings davon aus, dass die 34 und 32 Jahren alten Männer ihre Fähigkeiten eher für betrügerische Machenschaften nutzten. Und das durchaus erfolgreich. Nötig war dazu nach Überzeugung von Ermittlern lediglich die Manipulation eines Pfandflaschenautomaten.

Am Dienstag standen K. und A. vor Gericht. Und wiesen gleich zu Prozessbeginn die Tatvorwürfe weit von sich. Am Ende eines langen Verhandlungstages wollte das zuständige Schöffengericht am Amtsgericht Tiergarten der Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht gänzlich folgen. Die Angeklagten kamen glimpflich davon. Der Verdacht einer Manipulation des Flaschenpfand-Automaten steht weiter im Raum. Ob es allerdings die beiden Angeklagten waren, ließ sich nach Überzeugung der Richter nicht mit der notwendigen Sicherheit feststellen. Das Verfahren wurde gegen beide Männer gegen Zahlung einer Geldbuße von jeweils 3000 Euro eingestellt.

Vorwurf: Mehr als 110.000 Euro durch Pfandflaschen-Betrug ergaunert

Der Automat, der zur wundersamen Flaschen- und Geldvermehrungsanlage umfunktioniert worden sein soll, steht in der Halle einer Gastro-Vertriebs GmbH in Neukölln. Die Firma liefert unter anderem Getränke und Tiefkühlwaren.

Das zurück kommende Leergut landet in dem Automaten, wo die einzelnen Flaschen erfasst und anschließend planmäßig zerstört, genauer gesagt komprimiert werden, bevor sie zur Neuverwertung an ein Recycling Unternehmen gehen. Die Staatsanwaltschaft war mit der Überzeugung in die Verhandlung gegangen, dass es die beiden Angeklagten waren, die den Automaten so manipuliert haben, dass die Flaschen nicht zerstört sondern wieder entnommen und erneut eingeführt werden konnten. Dem Empfänger des Pfandgutes, der Berliner DPG Pfandsystem GmbH, sollen 456.921 Flaschen und 114.230,25 Euro innerhalb von zehn Monaten zu viel in Rechnung gestellt worden sein.

Im Tatzeitraum zwischen Dezember 2013 und Oktober 2017 waren K. und A. als geschäftsführende Gesellschafter der Gastro-Vertriebs GmbH eingetragen, dieser Umstand brachte sie letztlich auf die Anklagebank. Wie die Tätigkeit eines geschäftsführenden Gesellschafters in diesem Unternehmen offenbar aussieht, erläuterte einer der Verteidiger dem Gericht: „Mein Mandant hat sich in dem Betrieb hin und wieder blicken lassen und nur ein wenig gearbeitet“.

Die Angeklagten seien nur auf dem Papier Geschäftsführer gewesen und hätten mit Manipulationen des Automaten, so es sie denn gegeben hätte, absolut nichts zu tun gehabt, betonten beide Anwälte.

Gutachter: Flaschen mehrfach in Automaten eingeführt und abgerechnet

Das geschädigte Recycling-Unternehmen erstattete bereits 2014 Strafanzeige, nachdem massive Unregelmäßigkeiten entdeckt wurden, die auf einen Betrug hinwiesen. Auf Polizei und Staatsanwaltschaft allein wollte sich das Unternehmen allerdings nicht verlassen. Es schaltete gleichzeitig ein Firma in Düsseldorf ein, die auf Betriebsprüfungen und Untersuchungen im Bereich Wirtschaftskriminalität spezialisiert ist.

Ein Vertreter dieses Unternehmens präsentierte am Dienstag in der Verhandlung eine riesige Menge an Datensätzen und trug als Ergebnis schließlich vor, mit hoher Wahrscheinlichkeit seien zahlreiche Flaschen gleich mehrfach in den Automaten eingeführt und abgerechnet worden. Die Verteidiger ihrerseits äußerten Zweifel an der Verlässlichkeit der Untersuchungen.

Eine Sprecherin der DPG Pfandsystem GmbH sagte hingegen, die Automaten seien so eingestellt worden, dass ein erneutes Herausnehmen der Flaschen unmöglich sei. Geschehe das doch, müsse eine Manipulation und damit ein Betrug vorliegen.

Dass das Verfahren erst viereinhalb Jahre nach Eingang der Strafanzeige zu Ende gebracht wurde, hat die bereits bekannten Ursachen.

Die aufwendigen Ermittlungen eines technisch komplizierten Falles mussten mit knapper Personaldecke geführt werden. Und das chronisch überlastete Gericht musste erst einmal einen freien Termin finden.