Verkehr

Schlechte Noten für Berlin als Fahrradstadt

Das Klima für Fahrradfahrer in Berlin ist weiter schlecht. Im Klimatest des ADFC landet lediglich Berlin auf Platz 12 von 14.

 Ein Fahrradfahrer fährt über den Radweg am Moritzplatz. (Archivbild)

Ein Fahrradfahrer fährt über den Radweg am Moritzplatz. (Archivbild)

Foto: Britta Pedersen / dpa

In Berlin herrscht weiter ein schlechtes Klima für Fahrradfahrer. Das ist das Ergebnis des diesjährigen Fahrrad-Klimatests des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Im Vergleich der Großstädte über 500.000 Einwohner landet Berlin auf dem zwölften von 14 Plätzen und erhält von den Befragten nur die Note 4..

„Politisch hat sich Berlin auf den Weg zu einer fahrradfreundlicheren Stadt gemacht“, sagt ADFC-Vorstandsmitglied Beate Mücke. „Doch auf der Straße war davon in den letzten zwei Jahren noch wenig zu sehen.“

Viele Konflikte mit dem Autoverkehr

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen eine weitere Verschlechterung des Verkehrsklimas in der Stadt. Radfahrende fühlen sich demnach als Verkehrsteilnehmer nicht ernst genommen. Neun von zehn Befragten kritisierten, dass sie häufig in Konflikt mit dem Auto- und Lastwagen-Verkehr geraten.

Der ADFC fordert daher die Einrichtung breiter Radwege, um die Straßen sicherer zu machen. „Radfahren darf nicht nur etwas für die Mutigen und Trainierten sein“, sagte Mücke.

Der ADFC fordert getrennte Radwege

Fast neun von zehn Berlinern gaben an, Kinder nicht guten Gewissens Fahrradfahren lassen zu können. „Vor den Schulen herrscht Elterntaxi-Chaos, weil Eltern denken, dass Kinder nur im Auto sicher sind“, sagt Mücke. „Wir brauchen aber Radwege, die für alle Generationen funktionieren, auch Kinder haben das Recht darauf, eigenständig mit dem Rad mobil zu sein.“

Vier von fünf Radfahrern gaben zudem an, lieber getrennt vom übrigen Verkehr radfahren zu wollen. Das Bundesverkehrsministerium kündigte an, beim Ausbau der Infrastruktur künftig mehr auf die Bedürfnisse der Radfahrer eingehen zu wollen.

Mobilitätswende brachte keinen Stimmungsumschwung

Auch die Verabschiedung des ersten deutschen Mobilitätsgesetzes in Berlin, das den Radverkehr in der Stadt besser stellen soll, hat nichts am schlechten Urteil der Berliner geändert. Die Berliner honorieren zwar die politischen Bemühungen, spüren im Alltag aber noch nichts. Jetzt müsse der Senat liefern. „Es bewegt sich was in Berlin, wenn auch langsam“, sagt Mücke. Der politische Wille sei da und mit dem Mobilitätsgesetz gebe es eine klare Handlungsgrundlage. „Die Schonfrist ist vorbei, jetzt muss der Spaten in die Hand genommen werden.“

Immerhin: Zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr zeichnete der ADFC Berlin als „Aufholer“ des Jahres aus und honorierte damit die Ankündigungen des Senates. Als fahrradfreundlichste Großstädte wurden Bremen (Platz 1) vor Hannover und Leipzig ausgezeichnet. Diese drei Städte rangieren auch bei der Frage nach der Familienfreundlichkeit vorn.

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) begrüßte die Auszeichnung Berlins. „Darüber freuen wir uns, nehmen das Ergebnis aber vor allem als Ansporn, auf dem langen Weg, Berlins Radinfrastruktur entscheidend zu verbessern, schnell und gut voranzukommen“, sagte Günther am Dienstag.

Der Bund gibt 145 Millionen für den Radverkehr

Das Verkehrsministerium kündigte an, den Ausbau des Radverkehrs stärker zu fördern. „Wir wollen den Radverkehr besser und sicherer machen“, sagte Verkehrsstaatssekretär Guido Beermann. Dafür stehen nach Angaben des Ministeriums jedes Jahr 145 Millionen Euro zur Verfügung. „Das Rad ist auf vielen Wegen die bessere Alternative“, sagte Beermann.

Trotz aller Bemühungen sind im vergangenen Jahr wieder mehr Radfahrer in Berlin gestorben, als im Jahr zuvor. Insgesamt starben 45 Menschen (2017: 36), elf davon waren Radfahrer.

FDP fordert Änderungen im Mobilitätsgesetz

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, vor allem durch abbiegende Lastwagen, die Radfahrer übersehen. Auch zwischen Radfahrern und Fußgängern kommt es immer wieder zu Problemen. Die FDP fordert daher Nachbesserungen im Mobilitätsgesetz. „Die Vermeidung von Konflikten zwischen Fußgängern und Radverkehr muss im zweiten Teil des Mobilitätsgesetzes deshalb klarer und eindeutiger geregelt werden als der Gesetzentwurf des Senats es derzeit vorsieht“, sagte der infrastrukturpolitische Sprecher der Fraktion, Henner Schmidt. Fußgänger gelten unter den Verkehrsteilnehmern als gefährdetste Gruppe. Allerdings sind nach der aktuellen Kriminalstatistik der Polizei nur in vier Prozent der Unfälle Radfahrer die Verursacher. Mehr als zwei Drittel der Unfälle (68 Prozent) werden demnach von Autofahrern verursacht.

4500 Berliner beteiligten sich

Der Fahrradklimatest ist die größte Befragung dieser Art weltweit und erscheint alle zwei Jahre. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fragt seit 1988 bundesweit die Zufriedenheit von Radfahrern in Städten und Gemeinden ab. Im Herbst 2018 fand die bundesweite Umfrage zum achten Mal statt.

Die Ergebnisse sollen Städten Anhaltspunkte geben, wie sie den Radverkehr besser fördern können. Die Befragung ist nicht repräsentativ. Sie zeigt aber ein Stimmungsbild, das sich nach Angaben des Verbands oft mit anderen Studien deckt. Vom 1. September bis 30. November 2018 beantworteten rund 170 000 Bürger jeweils rund 30 Fragen zum Radfahren. In Berlin nahmen 4500 Radfahrer teil.

Der ADFC-Fahrradklima-Test wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplan 2020 gefördert.