Verkehr

Ist der Berlkönig eine Bedrohung für Berlins Taxigeschäft?

Der Sammelfahrdienst der BVG ist bei Fahrgästen beliebt. Doch es gibt viele Kritiker - und sie kommen nicht nur aus dem Taxigewerbe.

Durch die geplanten Änderungen im Personenbeförderungsgesetz und die zunehmende Konkurrenz des US-Fahrdienstes Uber fürchten viele Fahrer und Taxi-Unternehmer um ihre Existenz.

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Berlin. App herunterladen, Start und Ziel der Fahrt angeben, Fahrt buchen – und in wenigen Minuten steht das bestellte Fahrzeug an der nächsten Straßenecke bereit. Seit vergangenem Herbst bieten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Fahrgästen neben der üblichen Fahrzeugflotte den Sammelfahrdienst Berlkönig an.

Die Fahrt mit den schwarzen Mercedes-Vans und Limousinen mit dem blau-rot-schwarzen Tarnprint kostet pro gefahrenem Kilometer 1,50 Euro. Unabhängig von den gefahrenen Kilometern ist ein Mindestpreis von vier Euro zu zahlen.

Berlkönig-App 160.00 mal heruntergeladen

Anders als beim Taxi werden die Fahrgäste nicht allein befördert, denn auf dem Weg können andere Personen zusteigen.

Durch das Angebot sollen möglichst viele Menschen auf das eigene Fahrzeug verzichten. Der Shuttle, der zunächst nur testweise in der Innenstadt eingesetzt wird, kommt seit dem Start gut an: 97 Prozent der Kunden würden ihn laut BVG-Sprecher Markus Falkner positiv bewerten.

Bisher haben rund 160.000 Nutzer die App heruntergeladen, rund 100.000 Kunden haben sich registriert und insgesamt 400.000 Fahrten gebucht. Die Zahl der Fahrzeuge wurde von 50 auf 130 erhöht und während der Fahrdienst zu Beginn nur abends am Wochenende genutzt werden konnte, ist er nun rund um die Uhr verfügbar.

Berlkönige sollen weiter nur den inneren östlichen S-Bahnring bedienen

Das Einsatzgebiet, das sich bisher auf den inneren östlichen S-Bahnring sowie Gesundbrunnen, Michelangelokiez und das Komponistenviertel beschränkt, soll jedoch trotz der guten Zahlen zunächst nicht ausgebaut werden. „Aktuell konzentrieren wir uns darauf, im genehmigten Bediengebiet in hoher Qualität die Nachfrage zu befriedigen. Bei anhaltendem Erfolg ist eine Ausweitung des Bediengebiets denkbar“, sagt Markus Falkner.

Dass das Angebot die Außenbezirke nicht bedient, wird von einigen Seiten scharf kritisiert. Politiker der Berliner Regierungsfraktionen befürchten, dass die BVG-Shuttles für mehr Verkehr auf den Straßen sorgen, anstatt ihn zu reduzieren.

Tino Schopf, verkehrspolitischer Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus, forderte in der „Abendschau“ des RBB eine Verlagerung des Fahrdienstes in die Außenbezirke, wo es Löcher im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) gebe. In der jetzigen Form widersprächen der Berlkönig und sein West-Berliner Pendant Clevershuttle dem Vorhaben der Berliner Landesregierung, eine Verkehrswende einzuleiten.

Scharfe Kritik von den Berliner Linken an BVG-Service

Auch aus der Fraktion der Linken kam bereits Kritik an den App-gesteuerten Diensten. Der Abgeordnete Kristian Ronneburg bezweifelt, dass die Shuttleservices mit den Zielen der Regierungskoalition vereinbar sind.

Mit dem im vergangenen Sommer beschlossenen Mobilitätsgesetz soll Fahrrädern und dem ÖPNV in der Verkehrsplanung Vorrang vor dem Autoverkehr eingeräumt werden. Speziell dem Berlkönig wirft Ronneburg Rosinenpickerei vor: „Die Taxen dürfen das abdecken, was sich für Daimler, Via & Co. nicht rentiert.“ Via ist das Start-up, das gemeinsam mit Daimler und der BVG den Berlkönig betreibt.

Bei der Auslastung der Fahrzeuge ist noch Luft nach oben. Die BVG geben an, dass bei 60 Prozent der Fahrten mehr als eine Person im Wagen gesessen habe und in 40 Prozent der Fälle weitere Nutzer hinzugestiegen seien. Es komme oft vor, dass die anderen Sitze leer bleiben, sagt ein Fahrgast der Morgenpost, der den Shuttle-Service häufig nutzt. „Das angestrebte Ziel, Mitfahrten zu stemmen, wurde verfehlt und ist zur reinen Taxi-Konkurrenz verkommen“, schreibt ein Nutzer auf Twitter.

Taxifahrer sehen ihr Geschäft in der Berliner Innenstadt bedroht

Tatsächlich sehen Berliner Taxifahrer ihr Geschäft in den Innenstadtbezirken durch das wachsende Angebot von Sammelfahrdiensten zunehmend bedroht. So auch Richard Leipold, der seit über 40 Jahren in dem Beruf arbeitet und ehrenamtlicher Vorsitzender der Taxivereinigung ist.

Die Sammel-Shuttle grüben nicht nur den Taxifahrern die Gäste ab, sondern auch Bussen und Bahnen und zerstörten so das bestehende ÖPNV-Angebot. Taxifahrer stünden plötzlich in Konkurrenz mit Mercedes Benz und der öffentlichen Verwaltung, die in ihrer Preispolitik viel flexibler seien. Als Gewinner stünden am Ende allein die großen Unternehmen dar, die Daten über das Fahrverhalten abgriffen.

Berlins Senatsverwaltung sieht keinen Konflikt

Weder der Taxibranche noch Bus, Bahn und Tram könne der Ridesharing-Dienst Konkurrenz machen, heißt es dagegen von Seiten der BVG. Im Gegensatz zum Taxi etwa sei der Berlkönig nicht lange Zeit im Voraus bestellbar, würde mit anderen Menschen geteilt und biete darum deutlich weniger Komfort. Das Probegebiet liege in Bezirken innerhalb des S-Bahn-Rings, um in der Testphase möglichst viele Fahrten machen zu können.

Die Senatsverwaltung für Verkehr sieht derzeit keinen Grund für einen Konflikt zwischen Taxifahrern und Berlkönigen, denn sie würden unterschiedliche Bedürfnisse und Kundenkreise ansprechen.

Außerdem würden für Taxifahrer wichtige West-Berliner Ziele wie die City West, die Messe und der Flughafen Tegel von den BVG-Shuttles nicht angefahren werden. Diese werden wohl weiterhin das Stadtbild prägen, denn die Behörde hat sie zum Test für maximal vier Jahre genehmigt.