Commerzbank

Zuzug nach Berlin hilft der Commerzbank

Weil mehr Menschen nach Berlin strömen, boomt das Privatkundengeschäft des Instituts. Das Firmengeschäft wächst hingegen nur verhalten.

Das Firmen- und Privatkundengeschäft der Commerzbank in Berlin ist im vergangenen Jahr erneut gewachsen. Rund 715.000 Berliner haben derzeit ein Girokonto bei dem Geldinstitut.

Das Firmen- und Privatkundengeschäft der Commerzbank in Berlin ist im vergangenen Jahr erneut gewachsen. Rund 715.000 Berliner haben derzeit ein Girokonto bei dem Geldinstitut.

Foto: Marius Becker / dpa

Berlin.  Mehr als 10.000 Berliner haben im vergangenen Jahr ein Girokonto bei der Commerzbank eröffnet. Damit ist die Zahl der Privatkunden des Geldhauses in der deutschen Hauptstadt auf 715.000 angestiegen. Nur bei der Sparkasse haben noch mehr Berliner ein Konto. Dort war die Zahl der Girokonten 2017 auf 1,3 Millionen angewachsen. Den Banken hilft auch der stetige Zuzug nach Berlin: Jährlich wächst die Stadt um bis zu 50.000 neue Einwohner.

„Wir sehen, dass unsere Wachstumsstrategie auch in Berlin funktioniert“, sagte Jenny Friese, Bereichsvorstand für Privatkunden bei der Commerzbank in Berlin, am Freitag. Als wichtigen Grund dafür nannte Friese das kostenlose Girokonto. „Das bieten wir weiter an“, so die Bankerin. Im Kreditgeschäft haben vor allem niedrige Zinsen und die gute wirtschaftliche Lage das Umsatzwachstum in der deutschen Hauptstadt weiter angekurbelt. In Berlin sei die Höhe der ausgegebenen Ratenkredite im vergangenen Jahr auf 136 Millionen Euro gestiegen – ein Plus von 50 Prozent gegenüber 2017.

Bank sieht keine Spekulationsblase im Immobiliengeschäft

Der Bereich Immobilienfinanzierung entwickelte sich 2018 „stabil und auf dem sehr hohen Niveau des Vorjahres“, sagte Friese. Die Commerzbank finanzierte in Berlin im vergangenen Jahr neue Immobilienprojekte mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro. Anzeichen für eine Spekulationsblase gebe es nach Angaben der Bank nicht. „Die Nachfrage ist da“, sagte Friese angesichts der Berliner Bevölkerungsentwicklung.

Friese ging auch mit der eigenen Kundschaft hart ins Gericht. „Bei der Geldanlage verschenken viele Menschen weiter Geld. Sie wissen, dass sie investieren sollten, sparen aber trotzdem zu Niedrigzinsen“, sagte Friese, die seit 2015 für das Privatkundengeschäft der Commerzbank in Ostdeutschland verantwortlich ist. Einlagen, Wertpapiere und ausgereichtes Kreditvolumen waren bei der Commerzbank in Berlin 2018 zwar um 8 Prozent auf 23,5 Milliarden Euro gewachsen. Friese räumte gleichzeitig aber ein, dass Verluste an den Börsen die Anleger im vergangenen Jahr verunsichert hätten.

Jeder vierte Kunde eröffnet sein Konto im Internet

Im Privatkundengeschäft der Commerzbank spielt zudem die Digitalisierung eine immer größere Rolle: Jeder vierte Kunde eröffnet sein Konto im Internet, rund 60 Prozent der Bankkunden würden ihre Geschäfte per Online-Banking abwickeln, so Friese. Dennoch werde die Commerzbank an der Zahl der Filialen festhalten: Derzeit hat das Geldhaus in Berlin 60 Standorte.

Zunehmend herausfordernd hat sich hingegen das Firmenkundengeschäft für die Commerzbank in der deutschen Hauptstadt entwickelt. Zwar konnte die Bank 2018 rund 190 neue Firmenkunden in Berlin gewinnen. Doch der bevorstehende Brexit und der drohende Handelskrieg zwischen China und den USA erschwerten das Geschäft. „Die Sorgenfalten des Mittelstandes wurden immer tiefer“, erklärte Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand Mittelstandsbank.

Internationale Krisen verunsichern Mittelstand

Angesichts der wachsenden Risiken im internationalen Handel seien viele Kunden verunsichert. Auch Investitionen würden zurückhaltender getätigt, sagte Kotzbauer. Die Commerzbank hat darauf im vergangenen Jahr reagiert, etwa mit dem neuen, sogenannten „Pay-per-Use“-Kredit. Die Tilgungs des aufgenommenen Darlehens erfolgt dabei nicht in festen Raten, sondern nach Auslastungsgrad der Maschine, die mit dem Kredit finanziert worden ist. „Das neue Angebot passt in die Situation, die von wirtschaftlicher Unsicherheit bestimmt ist“, so Kotzbauer. Auch im Exportgeschäft setzen Firmenkunden der Bank auf Sicherheit: Die Commerzbank sicherte im vergangenen Jahr in der Region Ost, zu der Berlin und alle neuen Bundesländer zählen, 1400 Auslands-Geschäfte in Höhe von 600 Millionen Euro ab.

Für die Commerzbank arbeiten in Berlin und Brandenburg rund 1900 Mitarbeiter. Derzeit spricht das Geldhaus mit der Deutschen Bank über eine mögliche Fusion.