Berliner Zoo

Paarungszeit: Panda Jiao Qing im ersten Anlauf gescheitert

Die Pandas im Berliner Zoo sollen Nachwuchs zeugen. Noch hat das nicht geklappt.

Der Große Panda Jiao Qing ist mit seinen acht Jahren noch ein junger und unerfahrener Bär. Das wird sich in den nächsten Tagen hoffentlich ändern.

Der Große Panda Jiao Qing ist mit seinen acht Jahren noch ein junger und unerfahrener Bär. Das wird sich in den nächsten Tagen hoffentlich ändern.

Foto: Zoo Berlin / Zoo berlin

Die alles entscheidende Frage ist am Freitagvormittag: Haben sie oder haben sie nicht? Die Antwort darauf lautet: Sie haben es versucht. Es ist Paarungszeit bei den Großen Pandas im Zoo. Das signalisiert das Weibchen Meng Meng (5) mit einem lauten Quieken, „wie ein Schwein, zuckersüß“, so Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem, und das Männchen Jiao Qing (8) mit einem Meckern, „wie eine Ziege“. Damit ist schon einmal klar: Beide finden sich attraktiv. Doch als die beiden am Freitag, 8 Uhr, erstmals im Innenbereich von Meng Meng aufeinandertrafen, kam es noch nicht zu einer Paarung. Das heißt im Moment noch gar nichts, außer dass das Männchen noch zu schüchtern und ängstlich ist. Weitere Versuche werden jetzt folgen.

Nach der kleinen Eisbärin Hertha, die seit kurzem im Tierpark über die Kletterfelsen tobt, ist jetzt alle Aufmerksamkeit auf den Zoo gerichtet. „Das könnte das Jahr der Bären werden“, sagt Andreas Knieriem. Seit zwei Jahren leben die beiden Großen Pandas im Zoo. Sie sind eine Leihgabe, eine Million Dollar zahlt der Zoo pro Jahr an China, das Geld fließt dort in den Artenschutz. Sollte es ein Jungtier geben, „wird es automatisch ein Chinese“, so Knieriem. Aber zwei bis vier Jahre bleibe es zunächst in Berlin bei der Mutter. Wenn alles wie erhofft klappt, ist im Juli oder August mit der Geburt zu rechnen. Es wäre der erste Panda-Nachwuchs in Berlin und in Deutschland überhaupt.

Im vergangenen Jahr waren die beiden Pandas noch zu jung für eine Paarung. In diesem Frühjahr allerdings ließ Meng Meng keinen Zweifel daran, dass sie bereit ist. Sie wurde unruhiger und lief auf und ab. Seit dem 6. März werden ihre Hormonwerte im Urin getestet, vor etwa zehn Tagen schnellten die Östrogen- und Progesteronwerte in die Höhe. Dazu kam das Quieken – alles eindeutige Signale, dass es soweit ist. Am Freitag waren die Werte dann noch einmal gestiegen – jetzt musste gehandelt werden. Denn Pandaweibchen sind höchstens 72 Stunden im Jahr fruchtbar.

Das Männchen hat als erstes eine Backpfeife bekommen

Die Annäherung der beiden Tiere wurde in der Vergangenheit schon trainiert. Sie konnten sich bereits hinter den Kulissen beschnuppern und das Innengehege des anderen kennenlernen, während dieser draußen war. Am Freitag öffnete sich nun erstmal der Schieber zwischen den beiden Ställen. „Als sich Jiao Qing langsam annäherte, hat Meng Meng ihm erst einmal eine Backpfeife gegeben“, berichtet Norbert Zahmel, Revierleiter bei den Pandas. Es war wohl eher liebvoll gemeint, denn sie muss ihm klarmachen, dass sie der Chef ist. Soweit war alles perfekt. Beim zweiten Annäherungsversuch habe Jiao Qing dann einen Versuch der Paarung unternommen. „Sie macht das wunderbar, aber er ist wohl noch zu jung und unerfahren“, sagt Zahmel.

Sollte es auf natürlichem Weg nicht klappen, ist alles für eine künstliche Befruchtung vorbereitet. „Wir haben in das Panda-Gehege eine Klinik integriert, in der sich alle Untersuchungsgeräte dafür befinden“, erläutert Andreas Knieriem. Ungewöhnlich wäre eine künstliche Befruchtung nicht. In der chinesischen Aufzuchtstation in Chengdu sind nur fünf Prozent der Jungtiere auf natürlichem Wege entstanden. Seit Ende März sind zwei Reproduktionsspezialisten aus Chengdu im Berliner Zoo. Sie haben nicht nur die gesamte Vorbereitungsphase begleitet – für sie ist eine künstliche Befruchtung auch ein Routineeingriff.

Ob Jiao Qing nun noch seine Schüchternheit überwindet und eine natürliche Paarung zustande kommt oder beide in der Klinik kurz unter Narkose gelegt werden – es wird auf jeden Fall noch eine Weile dauern, bis die Trächtigkeit überhaupt festgestellt werden kann. Bis zu einer möglichen Geburt vergehen drei bis sechs Monate. Zwischen der Befruchtung und der Einnistung des Embryos kommt es – wie auch bei den Eisbären – zu einer sogenannten Keimruhe, die bei jedem Panda verschieden lang ist. Deshalb kann erst vier Wochen vor der Geburt mit Sicherheit gesagt werden, ob Meng Meng trächtig ist. Im Durchschnitt kommen nach etwa 155 Tagen ein bis zwei unbehaarte und hamstergroße Jungtiere auf die Welt, die zwischen 80 und 200 Gramm wiegen.

Nachwuchs bei Pandas ist eine komplexe Angelegenheit

Wie schwierig eine erfolgreiche Paarung sein kann, hatte sich auch bei den früheren Berliner Pandas Yan Yan und Bao Bao gezeigt: Es war ein ewiges Hoffen und Bangen, aber mit Nachwuchs wollte es nicht klappen. „Für uns wäre es eine kleine Sensation“, sagt Zoodirektor Knieriem. Aber er sieht realistische Chancen auf ein Pandababy. Auch die Spezialisten aus China sind offenbar optimistisch, dass es zu einer natürlichen Paarung kommt.

Heute leben noch etwa 1860 Große Pandas in der Wildbahn. Der Pflanzenfresser ist nur noch in den lichten Laub- und Nadelwäldern von einigen chinesischen Bergregionen zu finden. Das einst vom Aussterben bedrohte Tier wird dank der Nachzucht, auch in Zoos, auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion nun nicht mehr als „stark gefährdet“, sondern nur noch als „gefährdet“ eingestuft.