Prozess in Berlin

„Automatenknacker“ stehen seit Freitag vor Gericht

Zwei Berliner sollen mehrere Automaten gesprengt haben, an Geld kamen sie aber meistens nicht. Nun startete ein Prozess gegen sie.

Der Eingang des Kriminalgerichts Moabit.

Der Eingang des Kriminalgerichts Moabit.

Foto: Sven Braun / dpa

Berlin. Mit Pressluftflaschen, hochexplosiven Chemikalien und Zündvorrichtungen ausgestattet suchten Heinz T. (62) und Sidney H. (35) mehrfach Bankfilialen in Berlin und Brandenburg auf. Ihr Ziel, die dortigen Geldautomaten zu sprengen, erreichten sie. Ihr Ziel, an das Geld im Inneren zu gelangen, verfehlten sie allerdings in den meisten Fällen. Seit Freitag müssen sich die Männer vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Professionelle Automatenknacker seien sie beide nicht, betonte der Angeklagte H. am ersten Prozesstag. Auf die Idee seien sie während eines gemeinsamen Gefängnisaufenthalts gekommen. Heinz T. stand bei den begangenen Taten noch unter Bewährung, und Sidney H. nutzte für die Taten seine Freigänge, nachdem er kurz zuvor in den offenen Vollzug wechseln durfte.

Der erste Versuch als „Automatenknacker“ fand im Dezember 2016 in einer Bankfiliale in Wandlitz statt. Der Schaden am Geldautomaten betrug 10.000 Euro, an das Bargeld im Inneren kam das Duo allerdings nicht. Versuch Nummer zwei folgte im Juni 2017 in Nauen. Das Ergebnis war das gleiche: hoher Sachschaden, aber keine Beute. Ein Erfolg hätte sich indes gelohnt, im Automaten befanden sich zur Tatzeit mehr als 200.000 Euro.

Beim Versuch Nummer drei im Februar 2018 in Berlin war den Angeklagten zumindest ein kleines Erfolgserlebnis beschieden. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft erbeuteten die Männer eine Geldkassette mit etwa 20.000 Euro.

Die Angeklagten hingegen beteuerten, nach der Explosion hätten nur „ein paar Scheine herumgelegen“, die seien allerdings mit roter Farbe beschmiert gewesen. Insgesamt befanden sich in dem Automaten 133.000 Euro.

Bei einem weiteren Versuch im Mai 2018 begnügten T. und H. mit dem Aufhebeln eines Einzahlungsautomaten einer Postbankfiliale in Tempelhof und gelangten so an 705,52 Euro in Münzen. Bei der fünften Tat im August 2018 in Charlottenburg betrug der durch die Explosion entstandene Schaden 13.000 Euro, Geld erbeuteten die Männer wieder nicht und nach der Tat wurden sie auf der Flucht von der Polizei gestellt.

Nach Absprachen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung über eine Verständigung (Strafrabatt gegen Geständnis) einigten sich alle Beteiligte am ersten Prozesstag auf eine Einstellung der ersten beiden in Brandenburg verübten Taten. Der Prozess zu den verbliebenen Taten in Berlin wird am 12. April fortgesetzt.

Polizei fahndet aktuell nach weiteren Automatenknackern

Zu weiteren Serien von Automatensprengungen in Brandenburg hat das dortige Landeskriminalamt am Freitag Blitzerfotos veröffentlicht, auf denen mutmaßliche Täter zu sehen sind.

Ein Foto vom 8. Oktober 2016, 3.50 Uhr zeigt drei Männer in einem weißen Mercedes CLA mit dem Kennzeichen BGO 5329 auf der L 33 bei Altlandsberg (Märkisch-Oderland). Ein weiteres Foto vom 7. Januar zeigt vermutlich die gleichen Männer in einem Fahrzeug auf der Frankfurter Allee in Berlin. Hinweise zu den gezeigten Männer nimmt das LKA Brandenburg, Soko „Geld“ unter der Telefonnummer 0335-561 4343 entgegen.