Verkehr in Berlin

Leipziger Straße: Ein Jahr Tempo 30 und was es gebracht hat

Nach einem Jahr ist klar: Viele fahren an der Leipziger Straße nicht schneller als 30km/h - aber das liegt nicht am Tempolimit.

Ein Schild begrenzt die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Leipziger Straße auf 30 Stundenkilometer. 

Ein Schild begrenzt die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Leipziger Straße auf 30 Stundenkilometer. 

Foto: dpa

Berlin. Ungewöhnlich wenige Autofahrer verstoßen gegen das Tempo-30-Gebot, das seit einem Jahr auf einem Teil der Leipziger Straße in Berlin gilt. Das liege aber vor allem daran, dass der ständig stockende Verkehr ein schnelleres Fahren gar nicht erst möglich mache, bestätigte die Polizei. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens gebe es häufig Staus, heißt es in der Antwort der Polizei - "weshalb die festgestellte Überschreitensrate geringer ist als bei vergleichbaren Straßenabschnitten".

Ein Jahr nach Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h auf einem Abschnitt der Leipziger Straße sieht die Statistik daher gut aus: "Die ermittelte Überschreitensrate von 3,92 Prozent liegt deutlich unter dem Berlin weiten Durchschnitt vergleichbarer Straßenabschnitte", heißt es seitens der Polizei. Das bedeutet: Nicht einmal 4 Prozent der kontrollierte Fahrzeuge fahren schneller als 30 km/h. Der Durchschnitt liegt in Berlin laut Polizei bei 11,34 Prozent.

Stickstoffdioxid offenbar um 23 Prozent gesunken

Hintergrund der Drosselung war eine zu hohe Konzentration von Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft an der Leipziger Straße. NO2 gilt als gesundheitsgefährdend. Vor einem Jahr rief die Stadt den Modellversuch mit Tempo-30-Zonen für bessere Luft auf einigen Hauptstraßen aus. Pilotstrecke war ab dem 9. April 2018 die Leipziger Straße. Die Stickstoffdioxid-Konzentration sei bereits um 23 Prozent gesunken, sagte Jan Thomsen, Sprecher der Berliner Umweltverwaltung. "Aber welchen Anteil Tempo 30 daran hat, das ist nun genau noch herauszufinden."

Für eine konkrete Jahresbilanz sei es noch zu früh. "Da ist nicht nur ein komplettes Jahr an Messwerten erforderlich, sondern es müssen auch noch Laboranalysen gewonnen werden", erklärt Thomsen. Im Sommer könnte feststehen, ob die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Leipziger Straße - einer der Hauptverkehrsachsen der Stadt - tatsächlich zu besserer Luft geführt habe.

Verkehrskontrollen binden Personal

Laut Polizei hatte die Begrenzung auch andere Effekte: Die Überwachung der Tempo-30-Strecken binde "materielle und personelle Ressourcen". Das gehe zu Lasten der Überwachung von sogenannten sensiblen Orten, etwa Schulen, Kitas, Senioreneinrichtungen und Unfallschwerpunkten. Die Umweltverwaltung kennt das Problem. Man sei in Gesprächen mit der Senatsverwaltung für Inneres und der Polizei, "um zu klären, was da machbar ist", sagte Thomsen. "Natürlich können wir nicht alle Leute jetzt überall abziehen und alle nur noch auf Tempo 30 oder Fahrverbotszonen lenken." Die begrenzten Personalkapazitäten der Polizei habe man im Blick, und man sei zuversichtlich, eine Lösung zu finden.

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