Schleuser-Kriminalität

Kinder illegal eingeschleust - Ehepaar vor Gericht

Wegen Einschleusung minderjähriger Flüchtlinge stand am Mittwoch ein Ehepaar vor Gericht. Das Urteil fiel milde aus.

Archivbild.

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Foto: Florian Schuh / dpa

Berlin.  Minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland einzuschleusen, das sollte für Kader A. (42) und Helena S. (43) eine dauerhafte lukrative Einnahmequelle sein. Mitte November begann das in Griechenland lebende Ehepaar seine Tätigkeit, zwei Monate später war alles schon wieder vorbei.

Bei der Einreise über den Flughafen Tegel kamen Beamte der Bundespolizei zunächst der Frau und zwei Tage später ihrem Mann auf die Schliche. Beide landeten erst in Untersuchungshaft und am Mittwoch auf der Anklagebank des Amtsgerichts Tiergarten.

Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten

Banden- und gewerbsmäßiger Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz und Missbrauch von Ausweispapieren lautete die Anklage. Weil die beiden Angeklagten in der Bande, die der Tatvorwurf erwähnt, ganz weit unten in der Hierarchie standen und von den Bossen offenbar skrupellos ausgenutzt wurden, fanden Kader A. und Helena S. milde Richter. Am Ende der Verhandlung kam für beide eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten heraus, ausgesetzt zur Bewährung.

Die Hoffnung, einen „größeren Fisch“ an Land gezogen zu haben und tiefere Einblicke in das Geschäft der Schleuser zu bekommen, mussten die Ermittler in der Sache schon kurz nach der Festnahme beider Angeklagter Mitte Januar aufgeben. Die Eheleute gehörten in der Tat zu den kleinsten Rädchen im Getriebe der kriminellen Geschäftemacher.

Fall zeigt Vorgehensweise

Ein paar Einblicke bekamen die Ermittler dann aber doch. Der Fall zeigt zudem, wie die Drahtzieher des Menschenhandels ihre Helfershelfer rekrutieren und anleiten. Und er zeigt, wie einfach es ist, oder zumindest mitunter sein kann, die „Ware Mensch“ ins Land zu bringen.

Die Angeklagten flogen mit ihren Schützlingen jeweils von Athen nach Berlin-Tegel. Ihre Auftraggeber machten sich dabei zunutze, dass die Eheleute einen achtjährigen Sohn hatten. Sie sollten, so die Anweisung, die etwa gleichaltrigen Kinder als ihre eigenen ausgeben und dafür jeweils den Pass ihres Sohnes vorweisen. Getreu dem Motto eines Bosses: „Für deutsche Beamte sehen die sowieso alle gleich aus.“

1500 Euro pro Schleusung

Viermal funktionierte das, pro Schleusung bekamen die Angeklagten 1500 Euro, für beide unvorstellbar viel Geld. Beim fünften Mal sah ein Bundespolizist in Tegel genau hin und die Schleuser-Kariere war beendet. Bis dahin lief das Geschäft nach einem festen Plan. Einen Tag, bevor wieder ein Flug von Athen nach Berlin anstand, wurde dem Ehepaar ein Kind übergeben. „Wenn dich jemand fragt, heißt du Abdul und du musst zu uns Mama und Papa sagen“, wurde den Kindern eingeschärft. Der Rest lief wie von selbst.

Woher die Kinder kamen und wer die Menschen waren, die sie ihnen in Athen übergaben, das wussten die Angeklagten nicht und fragten auch nicht danach. Ebensowenig wie nach der Identität der Männer, die die Jungen am Flughafen Tegel übernahmen. Es gab nur ein paar Namen, von denen unklar ist, ob sie echt waren.

Gleiches gilt auch für die Männer, die dem Ehepaar im Herbst vergangenen Jahres in Athen erzählten, es gebe für sie eine Möglichkeit, schnell viel Geld zu verdienen. Der aus Bangladesch stammende Kader A. und seine in Indonesien geborene Ehefrau betreiben in Athen eine Schneiderei. Die Geschäfte gingen schlecht, beide hatten hohe Schulden bei Menschen, die keinen Spaß verstehen, wenn es um die Rückzahlung geht.

Es war die eigene verzweifelte Situation, die sie zu diesen kriminellen Machenschaften verleitet hätten, ließen die Angeklagten über ihre Verteidiger verlauten. Nachdem mit der Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe auch die Haftbefehle aufgehoben wurden, wollen beide so schnell wie möglich zurück nach Athen zu ihren Kindern und ihrem Geschäft. Wie sie da hinkommen, ist nicht mehr Sache der deutschen Justiz.