Nahverkehr in Berlin

Berliner S-Bahn ist so populär wie nie

Die Bahntochter beförderte in Berlin im vergangenen Jahr 478 Millionen Reisende, macht aber weniger Gewinn.

Eine Zug der Linie S41 der Berliner S-Bahn.

Eine Zug der Linie S41 der Berliner S-Bahn.

Foto: dpa

Berlin. Trotz vieler Beschwerden über Zugausfälle und Verspätungen: Berlins S-Bahn ist so populär wie nie. Im vergangenen Jahr haben die rot-gelben Züge mehr als 478 Millionen Reisende befördert. Von montags bis freitags sind das umgerechnet mehr als 1,5 Millionen Fahrgäste pro Tag – ein Rekord. „Wir haben damit mehr Fahrgäste als jedes Nahverkehrsunternehmen in Nordrhein-Westfalen oder Bayern, ja selbst mehr als die berühmten Schweizer Bundesbahnen – und darauf sind wir sehr stolz“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner am Dienstag bei der Vorstellung der Bilanz für 2018.

Das große Plus von 42 Millionen ‘S-Bahn-Fahrgästen gegenüber 2017 erklärte Buchner auch mit einem deutlich genaueren Zählverfahren, das im Vergleich zu den vorherigen Hochrechnungen für 2018 angewandt wurde. Die letzte vergleichbar genaue Erhebung dazu habe es 2012 gegeben, damals wurden für die S-Bahn 395 Millionen Personenfahrten ermittelt. Seither ist laut S-Bahn die Zahl der beförderten Fahrgäste um 21 Prozent gestiegen.

Der deutliche Zuwachs hat sich jedoch nicht positiv im wirtschaftlichen Ergebnis der Bahntochter niedergeschlagen. So verringerten sich 2018 die Umsatzerlöse von knapp 782 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 746,5 Millionen Euro. Grund sind die neuen Verkehrsverträge, die Berlin und Brandenburg Ende 2017 mit der S-Bahn vereinbarten. Sie fährt seither für einen Festpreis, die höheren Ticketeinnahmen fließen dagegen den Ländern zu. Vorher betrug das Verhältnis ein Drittel Bestellerentgelt, zwei Drittel Fahrgelderlöse.

Trotz der Einnahmeverluste ist die S-Bahn nicht in die roten Zahlen gerutscht. Der Gewinn, der an den Mutterkonzern, die bundeseigene Deutsche Bahn abgeführt wird, reduzierte sich jedoch gegenüber 2017 um 20 Millionen Euro auf nunmehr 49,4 Millionen Euro.

Züge immer voller, denn Zahl der Fahrzeuge konstant

Dass die S-Bahnen nicht nur gefühlt immer voller werden, ist nunmehr auch belegt. Denn die Zahl der eingesetzten Fahrzeuge ist seit 2012 mit 650 Doppelwagen konstant geblieben. Die reine Verkehrsleistung, bei der die Zahl der Fahrgäste mit der Zahl der von den Zügen zurückgelegten Kilometer multipliziert wird, stieg von 2012 bis 2018 nur um rund zwölf Prozent.

Als Gründe für den starken Fahrgastanstieg nannte Buchner das Bevölkerungswachstum in Berlin und im Umland, die steigende Zahl von Arbeitsplätzen und das sich ändernde Verkehrsverhalten. Letzteres trifft allerdings nur teilweise auf die Pendler aus dem Speckgürtel zu. So ist zwar die Zahl der Fahrgäste auf den Außenästen der Linien S1, S2 oder S5, die allesamt ins brandenburgische Umland führen, leicht gestiegen. Doch die größten Zuwächse konnte die S-Bahn in der Berliner Innenstadt verzeichnen. So wuchs die Zahl der Fahrgäste auf der Stadtbahn (also zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof) um 50.000 am Tag. Auf dem Ring sind im Vergleich zu 2012 rund 40.000 mehr Nutzer unterwegs. Dagegen betrug das Plus auf den östlichen Zulaufstrecken nur 10.000 Fahrgäste am Tag. „Wer etwa aus Erkner zur Arbeit nach Berlin fahren will, nutzt dafür viel lieber den RE1, der auf der Strecke viel schneller unterwegs ist“, so Buchner. Und seit die Züge auch in Ostkreuz halten, könnten die Pendler dort auch direkt vom Regionalexpress in die Ringbahn umsteigen.

Die größte Nachfrage im gesamten Netz hat die S-Bahn zwischen Friedrichstraße und Hackescher Markt, wo täglich rund 230.000 Fahrgäste unterwegs sind. Zwischen Ostkreuz und Treptower Park wurden 167.000 Kunden pro Tag gezählt. Auf Platz drei liegen die Nord-Süd-Verbindungen: Zwischen Friedrichstraße und Brandenburger Tor nutzen 120.000 Fahrgäste die S-Bahn. Die wichtigsten Bahnhöfe im 327 Kilometer langen Netz sind Ostkreuz (235.000 Fahrgäste am Tag), Friedrichstraße (222.000), Gesundbrunnen (140.000), Alexanderplatz (112.000) und Südkreuz (110.000 Fahrgäste am Tag).