Technologie

Xing kauft Berliner Start-up für 22 Millionen Euro

Honeypot geht an das Online-Karriere-Netzwerk Xing. Das Start-up bietet eine originelle Lösung für den Mangel an IT-Kräften.

Die Honeypot-Gründer Kaya Taner und Emma Tracey haben ihr Unternehmen an den Wettbewerber Xing verkauft.

Die Honeypot-Gründer Kaya Taner und Emma Tracey haben ihr Unternehmen an den Wettbewerber Xing verkauft.

Foto: Robert Rieger / Honeypot

Berlin. Wie schwer für Technologie-Unternehmen die Suche nach neuen Fachkräften mitunter ist, zeigt eine Statistik des Branchenverbandes Bitkom: Ende Dezember des vergangenen Jahres gab es demnach deutschlandweit rund 82.000 offene Stellen im IT-Bereich. Jobs in dem Segment blieben im Schnitt etwa fünf Monate vakant. Sechs von zehn Unternehmen gehen davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Jahren sogar noch verschärft.

Kaya Taner (40) und Emma Tracey (31) haben erkannt, dass Firmen bereit sind, ungewöhnliche Wege bei der Suche nach neuen Talenten zu gehen. Ihr Start-up Honeypot, 2015 in Berlin gegründet, bietet dafür die Plattform. Honeypot hat den klassischen Bewerbungsprozess auf dem Arbeitsmarkt umgedreht. Unternehmen bewerben sich über Honeypot bei den Fachkräften – und nicht wie sonst üblich umgekehrt.

Auch Großunternehmen suchen über Honeypot

Schon bei der Kontaktaufnahme müssen die Firmen Informationen wie Gehaltsniveau und inhaltliche Anforderungen nennen. Die Entwickler wiederum werden vor der Freischaltung durch Honeypot einem Check unterzogen und können Angaben zu Fähigkeiten, Wunschgehalt und Arbeitsort machen.

1500 Firmen suchen bereits heute regelmäßig über Honeypot nach neuen Arbeitskräften, darunter auch Groß-Unternehmen wie die ProSiebenSat1 Media SE, der Online-Modehändler Zalando und der Optik-Konzern Zeiss. Nach Honeypot-Angaben sind derzeit rund 100.000 IT-Fachkräfte auf der Plattform registriert, wöchentlich kommen 1000 neue hinzu.

Dem Hamburger Wettbewerber und Platzhirschen auf dem Online-Karrierenetzwerk-Markt Xing ist diese neue Art der Job-Vermittlung nun viel Geld wert: 22 Millionen Euro zahlt Xing für Honeypot, teilten beide Unternehmen am Montag mit. Erfolgsabhängig können in den nächsten drei Jahren weitere 35 Millionen hinzukommen. Dafür muss Honeypot vor allem Umsatz steigern – und Gewinn erzielen.

Honeypot will zehn neue Märkte erschließen

Im vergangenen Jahr setzte das Start-up rund fünf Millionen Euro um. Gleichzeitig soll das Start-up aber auch einen einstelligen Millionenverlust eingefahren haben. Mit Xing im Rücken peilen die Berliner nun ein kräftiges Wachstum an.

„In den nächsten drei Jahren wollen wir zehn Märkte neu erschließen“, sagte Honeypot-Gründer Kaya Taner am Montag der Berliner Morgenpost. Bislang ist das Unternehmen nur in Deutschland und den Niederlanden aktiv. Xing werde den „Expansionsplan mit signifikanten Investitionen unterstützen“, hieß es in einer Mitteilung.

Mehr als 50 Beschäftigte arbeiten derzeit für das Unternehmen, das erst im vergangenen September in ein neues Büro an der Schlesischen Straße in Kreuzberg gezogen war. Mindestens 200 weitere Mitarbeiter wollen Taner und Tracey, die auch nach der Übernahme als Geschäftsführer an Bord bleiben, perspektivisch einstellen.

Größte Einzelinvestition von Xing

Nach Angaben von Taner haben seine Firma und Xing seit sechs Monaten Gespräche über einen Verkauf geführt. Auch Angebote von Risikokapitalfirmen habe es gegeben, bestätigte Taner auf Nachfrage. Mit Xing allerdings gebe es die besten Entwicklungsperspektiven für sein Unternehmen, sagte der Gründer.

„Xing und Honeypot verfolgen gleichermaßen die Vision, Menschen dabei zu helfen, sich beruflich zu entwickeln und zu wachsen. Mit Xing als Partner können wir die weltweit rund 100.000 IT-Spezialisten, die auf Honeypot angemeldet sind, mit allen attraktiven Arbeitgebern im deutschsprachigen Raum zusammenbringen“, erklärte Tamer. So könne Honeypot den heimischen Markt weiter entwickeln und zeitgleich seine internationale Community weiter ausbauen.

Für Xing ist Honeypot die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 235 Millionen Euro. 15 Millionen Mitglieder zählt die Plattform, davon sind eine Million kostenpflichtig. Die Mehrheit an Xing hält das Münchner Medienunternehmen Burda. Größter Wettbewerber ist das amerikanische Karriereportal LinkedIn mit mehr als 500 Millionen registrierten Nutzern weltweit.

Xing ändert seinen Namen in New Work

Für Xing-Chef Thomas Vollmoeller ist Honeypot ein idealer Baustein, um weiter aufzuholen. Rund 20.000 Unternehmen suchen derzeit über Xing nach neuen Arbeitskräften. Honeypot bietet ihnen nun Zugang zu IT-Fachkräften auf der ganzen Welt. „Mit der Übernahme wächst unser Produktangebot um einen weiteren echten New Work Anbieter. Honeypot stellt die Kandidaten in den Fokus und ermöglicht ihnen, den Job zu finden, der zu ihren individuellen Präferenzen passt“, sagte Vollmoeller. Der Erwerb von Honeypot sei ein Meilenstein, so der Xing-Chef. Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Internationalisierung soll in den nächsten Monaten folgen: Xing kündigte am Montag an, sich in der zweiten Jahreshälfte in „New Work SE“ umzubenennen.