Warnstreik

Bei der BVG wird gestreikt - und Berlin steigt um

Bei bestem Wetter verlief der Arbeitsausstand der BVG für viele Berliner mit wenigen Problemen – außer sie wollten zum Flughafen Tegel.

Wegen des Warnstreiks bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) drängten sich am Montag viele Menschen in die S-Bahn, die nicht vom Streik betroffen war. Die Tarifverhandlungen bei der BVG werden am Donnerstag fortgesetzt.

Wegen des Warnstreiks bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) drängten sich am Montag viele Menschen in die S-Bahn, die nicht vom Streik betroffen war. Die Tarifverhandlungen bei der BVG werden am Donnerstag fortgesetzt.

Foto: FABRIZIO BENSCH / Reuters

Berlin. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel: Für viele Berliner, die am Montag aufs Fahrrad umstiegen, hätte es kein besseres Wetter für den BVG-Streik geben können. Sie radelten am Montagmorgen teils in Kolonnen über die Radstreifen der Stadt zur Arbeit oder Schule, weil Busse, Trams und U-Bahnen ausfielen.

Der Streik bei der BVG im Liveblog

Seit der Nacht zu Montag standen wegen der stockenden Tarifverhandlungen bei der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) die Räder still. Tausende Mitarbeiter legten ihre Arbeit nieder und sorgten mit Ausnahme weniger Buslinien für einen Komplettausfall des Berliner U-Bahn-, Tram- und Bussystems.

Auch dank des guten Wetters kamen die meisten Berliner wie bei den beiden vorangegangenen Arbeitsausständen erstaunlich gut durch den Streiktag, gingen zu Fuß oder stiegen aufs Rad. Während viele aufs Zweirad auswichen, liefen von den S-Bahnhöfen aus teils Scharen von Fußgängern auf den Gehwegen die Strecken entlang, die sie für gewöhnlich mit den Verkehrsmitteln der BVG zurücklegen.

Streik bei der BVG: Autofahrer steckten im Stadtverkehr fest

Für mehr Probleme sorgte der Streik der Verkehrsbetriebe hingegen bei allen, die sich nicht auf den Sattel schwingen konnten oder wollten. Sie steckten im Stadtverkehr teils lange fest.

Ob in der Innenstadt oder am Stadtrand, die Straßen in der gesamten Stadt waren seit dem frühen Montagmorgen deutlich voller als an anderen Tagen. Viele Pendler seien schon eine Stunde früher unterwegs gewesen, teilte die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) auf Twitter mit.

Auf Einfallstraßen wie der B1 in Lichtenberg, der Hermannstraße und der Karl-Marx-Straße in Neukölln oder der Müllerstraße und rund um den Westhafen in Wedding staute sich der Verkehr. Aber auch im Zentrum hinterließ der BVG-Streik seine Spuren in Form etlicher zusätzlicher Autofahrer auf den Straßen.

Mit Folgen auch für die wenigen trotz des Streiks verkehrenden Busse der BVG: „Die Linien hatten wegen des gewaltigen Autoverkehrs mit Verspätungen zu kämpfen“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken.

Streik in Berlin fiel auf Beginn des Sommerflugplans

Am härtesten traf der Streik die Reisenden am Flughafen Tegel. Berlins City-Airport war komplett vom öffentlichen Nahverkehr abgeschnitten, zudem fiel der Streiktag auf den Beginn des Sommerflugplans mit deutlich mehr Flügen und bis zu 70.000 Passagieren.

Die Folge: Auf den Strecken zum Flughafen kollabierte der Verkehr. Teils steckten Reisende auf dem Weg zum Flugzeug bis zu eineinhalb Stunden im Stau fest, teilte die VIZ mit. Schon morgens um 6 Uhr staute sich der Verkehr vom Flughafen bis auf die Autobahn A100 und zum Saatwinkler Damm zurück.

In den Mittagsstunden reichte die Autoschlange dann bis zur Beusselstraße nach Moabit und zum Tegeler Weg in Charlottenburg. Als die Situation an der Einfahrt zum Flughafen Tegel zu chaotisch wurde, schaltete die Polizei die Ampel aus. Beamte regelten den Verkehr stattdessen mit Handzeichen.

Kein Chaos an den Terminals am Flughafen TXL

„Unregelmäßiger Shuttleverkehr“ hatte die Flughafengesellschaft ihren Bustransport zwischen Flughafen und S-Bahnhof Jungfernheide von vornherein nicht ohne Grund genannt. Die Busse hätten für die Strecke rund 40 Minuten gebraucht, sagte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf. Viele gingen da lieber zu Fuß und zogen auf dem 3,1 Kilometer langen Weg entlang der Autobahn ihre Rollkoffer hinter sich her.

Zu Chaos an den Terminals sei es dennoch nicht gekommen. „Entspannt“, nannte Tolksdorf die Lage am Montagnachmittag. Die Fluggäste seien ob des schönen Wetters gut gelaunt gewesen. Auch hätten nicht mehr Reisende als sonst ihre Maschine verpasst. „Die meisten haben das mit eingeplant und sind rechtzeitig angereist“, so der Flughafensprecher.

Geburtstagsgeschenk für BVG-Chefin Sigrid Nikutta

Zu Fuß gingen auch rund 200 BVG-Mitarbeiter am Morgen in Wedding. Sie zogen in einer Demonstration vom U-Bahnwerk Seestraße zum Bushof Müllerstraße. „Ich glaube, wir haben ihr ein passendes Geburtstagsgeschenk gemacht“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt bei der anschließenden Kundgebung vor dem Hoftor mit einem Grinsen in Richtung der Streikenden.

Gemeint war BVG-Chefin Sigrid Nikutta, die am Montag 50 Jahre alt geworden war. Es habe fast keine Streikbrecher gegeben, alle Fahrzeuge hätten seit 3 Uhr still gestanden, sagte der Verhandlungsführer. Arndt stellte zufrieden fest: „Die Kollegen stehen fest zusammen. Der Wille der Beschäftigten ist eindeutig.“

Tarifverhandlungen gehen Donnerstag in nächste Runde

Die Tarifverhandlungen waren am vergangenen Donnerstag ohne Ergebnis abgebrochen worden. Ein Angebot der BVG an die Arbeitnehmer mit Lohnerhöhungen mit 90 Millionen Euro Volumen pro Jahr stellte die Mitarbeiter nicht zufrieden. Kritisiert wird vor allem die ungleiche Lohnerhöhung in den verschiedenen Tarifstufen.

Während demnach neu eingestellte Fahrer 600 Euro mehr bekommen würden, betrüge das Lohnplus anderer Mitarbeiter rund 300 Euro. „Was vorliegt, führt zur Spaltung der Belegschaft“, sagte Arndt. Der Verdi-Verhandlungsführer forderte für die Mitarbeiter Lohnerhöhungen im Volumen von 120 Millionen Euro jährlich.

Arndt bemängelte zudem die Verhandlungsführung der BVG. Nach den gescheiterten Verhandlungen am vergangenen Donnerstag hätte ein neues Angebot der Verkehrsbetriebe den Streik verhindern können. Am Sonntagabend sei jedoch lediglich das Angebot für einen neuen Verhandlungstermin an diesem Donnerstag eingegangen.

Kritik von der BVG an der Verhandlungsführung

Dem widersprach BVG-Sprecherin Nelken. „Wir haben schon vor der Tarifrunde am vergangenen Donnerstag den nächsten Termin verabredet.“ Die Klagen der Arbeitnehmer über das ungleiche Lohnplus konnte die Sprecherin nicht nachvollziehen. Verdi habe am Anfang der Verhandlungen die Forderung gestellt, dass niedrigere Tarifgruppen stärker berücksichtigt werden sollten. Die Forderungen der Belegschaft seien zudem ohne die Sozialabgaben der Arbeitgeber ausgegeben worden. Diese hinzugerechnet müsste die BVG jährlich insgesamt 150 Millionen Euro zusätzlich zahlen, um die Forderungen zu erfüllen.