Organspende

So reagieren Berliner Experten auf die Pläne zu Organspenden

Mediziner hoffen durch Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf eine höhere Bereitschaft der Berliner zur Organspende.

Von der Widerspruchslösung, nach der jeder ein potenzieller Organspender ist, wenn er dem nicht widerspricht, erhoffen sich viele eine höhere Spendenbereitschaft.

Von der Widerspruchslösung, nach der jeder ein potenzieller Organspender ist, wenn er dem nicht widerspricht, erhoffen sich viele eine höhere Spendenbereitschaft.

Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

Berlin. In Berlin stößt der Gesetzentwurf zur Organspende von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) überwiegend auf Zustimmung. Von der Widerspruchslösung, nach der jeder ein potenzieller Organspender ist, wenn er dem nicht widerspricht, erhoffen sich viele eine höhere Spendenbereitschaft und mehr Offenheit diesem Thema gegenüber.

„Ich begrüße den Entwurf sehr“, sagt Kai-Uwe Eckardt, Leiter der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie (Nierenheilkunde) und internistische Intensivmedizin an der Charité. Die überwiegende Mehrheit stehe der Organspende und Transplantation zwar positiv gegenüber, „die bisherigen Regelungen bedeuten aber ein ,im Zweifel nein’“.

In der Folge müssten die Patienten in Deutschland sehr viel länger auf ein Spenderorgan warten als in anderen europäischen Ländern oder den USA. Für Eckardt ist es daher auch eine Frage der Solidarität, das zu ändern. „Der vorliegende Entwurf ist pragmatisch und sieht unbürokratische Regelungen vor. Gleichzeitig wird das Recht der freien Entscheidung jedes Einzelnen nicht eingeschränkt“, so Eckardt weiter.

Strukturelle Verbesserungen in den Krankenhäusern

Positiv sieht er die geplante Neuregelung auch deshalb, weil sie mit strukturellen Verbesserungen in den Krankenhäusern einhergingen. Geplant seien mehr finanzielle und personelle Ressourcen, die es möglich machen sollten, sich dem Thema Organspende intensiver zu widmen. Kai-Uwe Eckardt sieht sein eigenes Haus dabei schon gut aufgestellt. „Die Charité hat ein sehr effizientes Team an Transplantationsbeauftragten, und die Zahl der Organspenden ist hier vergleichsweise hoch“ versichert Eckardt.

An vielen anderen Kliniken werde das Thema aber bislang vernachlässigt. Hier bestehe dringender Änderungsbedarf. In Berlin gibt es derzeit 46 Transplantationsbeauftragte und in Brandenburg 41. In Zukunft sollen sie mehr Zeit als bisher freigestellt werden.

Detlef Bösebeck, Geschäftsführender Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Region Nord-Ost, hofft, dass durch die veränderten Strukturen mehr Organentnahmen möglich sind: „Ich verbinde mit dem Gesetz die Hoffnung, dass auch diejenigen Krankenhäuser, die bisher keine Organspenden realisieren konnten, organisatorisch und finanziell dazu in die Lage versetzt werden“. Die schwerkranken Patienten auf der Warteliste müssen dadurch spürbar bessere Chancen auf ein neues Leben haben. „Daran werden sich das Gesetz und alle, die es mit Leben erfüllen müssen, messen lassen“, sagte Bösebeck.

Zahl der Organspender in Berlin und Brandenburg gestiegen

Immerhin ist die Zahl der Organspender in Berlin und Brandenburg im vergangenen Jahr wieder gestiegen. 2018 wurden hier nach Angaben der Koordinierungsstelle DSO Organe von 48 Spendern entnommen - 2017 waren es noch 35. In Brandenburg gab es 37 Spender im vergangenen Jahr nach 18 Spendern in 2017. Die Zahl gespendeter Organe stieg 2018 in Berlin von 110 auf 166, in Brandenburg von 49 auf 123. Transplantiert wurden 2018 in Berlin 272 Organe.

Mit der Neuregelung würde sich die Situation auch für die Angehörigen verbessern, ist Mediziner Kai-Uwe Eckardt überzeugt. Sie wären zukünftig als „Zeugen“ zwar involviert, müssten aber nicht mehr „Entscheider“ sein. Schwierig bleibt es für Angehörige und Betreuer aber dennoch. Darauf weist Karin Stötzner, Berlins Patientenbeauftragte, hin. „Noch gibt es nicht genug Beratung und Unterstützung, damit man solch eine Entscheidung souverän treffen kann“, sagt sie und weiß, dass der Gesetzentwurf nicht zuletzt deshalb in den Patientenverbänden heftig diskutiert wird. Dennoch begrüßt sie den Vorschlag: „Ich persönlich bin für die Widerspruchslösung.“ Allerdings betont sie auch, dass die Krankenhäuser bei der Organentnahme stärker unterstützt und die Honorierung verbessert werden müssten. Noch ist das ja erst in der Planung.

Die Patientenbeauftragte erhofft sich vor allem durch die Widerspruchslösung eine größere Zahl von Organspenden. Sie weiß, wie groß der Bedarf ist, wie viele Patienten dringend ein Spenderorgan brauchen und wie viele Menschen auf der Warteliste sterben. Die allermeisten von ihnen benötigen eine neue Niere. Eine inzwischen häufige Operation mit guten Erfolgsaussichten. Daher sagt Karin Stötzner: „Es muss etwas passieren.“