Rückzug von Grütters

CDU-Machtwechsel: „Niemand hatte einen Dolch in der Hand“

Kleinigkeiten in der Mimik und einzelne Aussagen verraten, wie verletzt Monika Grütters ist. Aber Kai Wegner hat sich durchgesetzt.

Monika Grütters macht gute Miene, Kai Wegner freut das.

Monika Grütters macht gute Miene, Kai Wegner freut das.

Foto: Sergej Glanze / Berliner Morgenpost

Berlin. Als Monika Grütters eine Viertelstunde vor der kurzfristig angesetzten Pressekonferenz zu ihrem Rückzug als Landesvorsitzende in der CDU-Geschäftsstelle am Wittenbergplatz erscheint, wirkt sie schlecht gelaunt und gestresst. Die Tür im zweiten Stock ist verschlossen. Sie rüttelt, tritt gegen das Milchglas. „Na das passt ja“, sagt sie ungehalten.

Wenige Minuten später hat sich die Kulturstaatsministerin gefangen. Sie sitzt neben Kai Wegner, der sie gegen ihren Willen aus dem Amt gedrängt hat, macht gute Miene und liest ihr Statement vom Blatt ab. Ausgesperrt hat die Berliner CDU ihre Spitzenfrau zwar nicht. Aber Landeschefin darf sie nicht länger sein.

Dabei hatte sie auch nach dem ersten Bericht in der Berliner Morgenpost über Wegners Absichten beharrt, ihr Amt behalten zu wollen. Das seien ja nur „Gerüchte“ gewesen zu diesem Zeitpunkt, sagt Grütters. Gleichzeitig betonen beide, in den vergangenen Tagen mehrfach ausführlich miteinander gesprochen zu haben, auch bevor Wegner seine Kandidatur offiziell bekannt gegeben hatte.

Grütters zieht die Augenbrauen hoch

Dass die demonstrative Harmonie zwischen der Noch-Vorsitzenden und ihrem designierten Nachfolger nicht so weit reicht, verraten immer wieder die Mimik und die Körpersprache der Kulturministerin. Sie räumt ein, der Rückzug sei ihr nach acht Jahren in der engsten Landesspitze der CDU nicht leicht gefallen. Ihre Augen werden feucht, einen Moment ringt sie, der Polit-Profi Grütters, um Fassung. Als Wegner sagt, es gehe nicht so sehr darum, Frauen in den neuen Landesvorstand zu holen, als um das Angebot der Union für weibliche Wähler, um Kinderbetreuung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf, widerspricht Grütters: „Doch.“ Es gehe um Frauen im Landesvorstand.

Als ein Journalist feststellte, die beiden sähen aus wie ein „neues Dream Team“, antwortet Wegner: „Das sind wir auch.“ Grütters zieht nur die Augenbrauen hoch und blickt spöttisch he­rüber. Der Spandauer verwehrt sich dagegen, die Landesvorsitzende mit Strippenzieherei aus dem Amt gedrängt zu haben „Niemand hatte einen Dolch in der Hand“, sagt er. „Ich sowieso nicht“, lautet Grütters Replik.

Grütters will im Landesvorstand bleiben

Dass die Stimmung in der Partei sich gegen sie gewendet habe, sei erkennbar gewesen, sagt sie. „Da brauche ich den Untersuchungsausschuss zum Fall Knabe nicht ausdrücklich zu erwähnen“. Wegner war treibende Kraft hinter den Bemühungen von Teilen der CDU, den Rauswurf des Direktors der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, den Grütters mit betrieben hatte, vom Landesparlament untersuchen zu lassen. Gleichwohl bewahrte Grütters die Contenance. Ihren „moderierenden Stil“ wolle sie weiter zum Wohle der Partei einsetzen. Sie will 2021 wieder in den Bundestag einziehen und soll wohl auch im Landesvorstand bleiben.