Neue Tarife und Tickets

Der öffentliche Nahverkehr in Berlin wird deutlich billiger

Schüler fahren ab 1. August zum Nulltarif bei BVG und S-Bahn. Für Azubis wird es billiger. Auch ein neues Jobticket wird eingeführt.

Tickets für S- und U-Bahnen sowie für Busse und Trams werden ab Sommer für viele Berliner billiger.

Tickets für S- und U-Bahnen sowie für Busse und Trams werden ab Sommer für viele Berliner billiger.

Foto: Reto Klar

Berlin.  Viele Berliner können schon bald deutlich günstiger als bisher BVG und S-Bahn nutzen. Möglich machen das drei neue Ticketangebote, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) jetzt einführt. Ganz ohne eigene Kostenbeteiligung können demnach ab 1. August alle Berliner Schüler in den Bussen und Bahnen in Berlin (Tarifbereich AB) unterwegs sein. Dies hatte die rot-rot-grüne Koalition bereits vor einiger Zeit angekündigt, nun wird es umgesetzt.

Deutlich billiger als bisher werden die Tickets für Auszubildende, Beamtenanwärter und Freiwilligendienste. Sie können gleichfalls ab 1. August das neue VBB-Azubiticket für 365 Euro im Jahr (umgerechnet ein Euro am Tag) kaufen. Es gilt im gesamten VBB-Gebiet, also auch in großen Teilen Brandenburgs. Einen Monat später, zum 1. September, wird zudem ein neues Jobticket für unter 50 Euro angeboten. Gegenüber den herkömmlichen VBB-Zeitkarten können Arbeitnehmer künftig zwischen 14 und 23 Euro im Monat beziehungsweise 168 und 276 Euro im Jahr sparen.

Jobticket für alle Unternehmen ab fünf Beschäftigten

Voraussetzung ist allerdings, dass die Firma sich am Ticketkauf beteiligt. Vorgesehen sind zwei Varianten, bei denen die Arbeitgeber entweder zehn oder 15 Euro im Monat dazugeben. Seit Jahresbeginn sind solche Zuschüsse steuerfrei gestellt. In Anspruch nehmen können das neue Angebot alle Unternehmen mit mindestens fünf Beschäftigten. Damit können laut VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel immerhin rund 90 Prozent der rund 2,3 Millionen Arbeitnehmer in Berlin und Brandenburg vom neuen Angebot profitieren.

Das VBB-Firmenticket, so die offizielle Bezeichnung, gibt es im Verkehrsverbund bereits seit Mitte der 90er-Jahre. Anfangs war es 15 Prozent billiger als eine normale Monats- oder Jahreskarte, seit 2005 beträgt der Rabatt nur noch fünf Prozent. Je nach Zahlweise und Geltungsbereich kostet das Firmenticket aktuell zwischen knapp 58 und 79 Euro im Monat. Es hat zudem den Nachteil, dass es die Inhaber anders als bei der regulären VBB-Jahreskarte nicht zeitweise an Familienangehörige oder Freunde weitergegeben können. Gerade einmal 68.000 Berliner und Brandenburger nutzen derzeit dieses Angebot.

Entlastung der Auszubildenden ist „überfällig“

Die neuen VBB-Jobtickets sind nunmehr bei einem Zehn-Euro-Zuschuss der Firma für 49,42 Euro (Stadtgebiet Berlin) oder 68,67 (Berlin und Umland) zu haben. Gibt das Unternehmen 15 Euro dazu, kosten die Tickets nur noch 40,42 Euro (Berlin) oder 59,67 (Berlin und Umland). Offiziell heißt es, dass es für die neuen Firmentickets keine Zuschüsse der Länder gibt. Das Ticket soll sich über das Gewinnen neuer Nahverkehrskunden für BVG, S-Bahn und alle anderen Nahverkehrsanbieter rechnen. Für Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) sind diese Angebote wichtig, um noch mehr Menschen von den Vorteilen des öffentlichen Nahverkehrs zu überzeugen. Dies sei auch ein konkreter Beitrag für den Umweltschutz.

„Dass Auszubildende endlich finanziell entlastet werden und vergleichbare Vergünstigungen erhalten wie Studenten, war überfällig“, sagte IHK-Geschäftsführer Jörg Nolte. Maßnahmen wie diese würden der Berliner Luft zudem mehr helfen als Fahrverbote. Nun komme es darauf an, die entsprechenden ÖPNV-Kapazitäten zu schaffen. „Denn Pendler brauchen nicht nur ein Ticket, sondern auch einen Platz im Nahverkehr. Hier reicht auch der neue Nahverkehrsplan für die nächsten Jahre bei Weitem nicht aus“, so Nolte.