Unterkunft

Immer mehr Kritik am Zeltkonzept für Obdachlose

Nach dem Brand im Rummelsburger Camp gerät Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach unter Druck.

Schätzungen zufolge leben bis zu 10.000 Obdachlose in Berlin.

Schätzungen zufolge leben bis zu 10.000 Obdachlose in Berlin.

Foto: Ralf Hirschberger, dpa

Berlin. Nach dem Brand in einem Obdachlosencamp wächst die Kritik an der Unterbringungsstrategie von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). Am Mittwoch hatten Zelte in dem Camp an der Rummelsburger Bucht gebrannt. Ein Zweimannzelt und das Gemeinschaftszelt der Bewohner wurden vollständig zerstört, teilte die Berliner Polizei am Donnerstag mit. Das Feuer war gegen 14 Uhr an zwei Orten im Lager ausgebrochen. Das Landeskriminalamt ermittelt wegen Brandstiftung.

„Einen Übergriff auf die Obdachlosen von außen können wir nicht ausschließen“, sagte Jörg Richert von der Sozialgenossenschaft Karuna, die die Menschen betreut. Die Sozialarbeiter hatten das Feuer entdeckt und schlafende Obdachlose aus ihren Zelten geholt, verletzt wurde niemand. In dem Camp in Lichtenberg leben zurzeit etwa 70 Menschen – vor allem aus Osteuropa.

Zeltstädte: In anderen gab es gute Erfahrungen

Aus der Sozialverwaltung heißt es, dass Senatorin Breitenbach trotz des Brandes an ihrer Unterbringungsstrategie festhalten werde. Sie hatte angekündigt, Obdachlose auch in Zeltstädten unterzubringen. Damit habe man in anderen Ländern gute Erfahrungen gemacht. Wichtig sei, sagte ihre Sprecherin Regina Kneiding am Donnerstag, dass es in Berlin ein einheitliches Konzept gebe, das mit den Bezirken abgestimmt sei.

Allerdings gibt es auch innerhalb der Koalition Kritik an Breitenbachs Zeltstadtkonzept. Fatoş Topaç, sozialpolitische Sprecherin der Grünen, sagte der Berliner Morgenpost: „Ich bin heilfroh, dass niemandem etwas passiert.“ Der Fall zeige aber, dass Zeltplätze keine sicheren Orte für Obdachlose seien. „Der Brand bestätigt mich in meiner Meinung, dass die Strategie falsch ist“, sagte Topaç, die einst selbst als Sozialarbeiterin tätig war.

„Diese Camps sind ein Angebot unterhalb der Standards, die wir haben.“ Topaç wies daraufhin, die vorhandenen Angebote zu verbessern: Sie fordert eine bessere Barrierefreiheit der Einrichtungen für ältere und kranke Obdachlose, Hospize und mehr psychiatrische Einrichtungen für Menschen, die auf der Straßen leben. SPD-Sozialpolitikerin Ülker Radziwill sagte: „Die Camps können keine Regellösung sein.“

Angst vor Situation wie an der Cuvry-Brache

Auch in den Bezirken ist man skeptisch. Hört man sich um, gibt es vor allem die Angst vor einer Situation wie an der Cuvry-Brache in Kreuzberg. Dort hatten Menschen bis zu einem Brand im Jahr 2014 in selbgezimmerten Hütten und Zelten gelebt. Die Polizei musste am Ende räumen. „Der Brand an der Rummelsburger Bucht zeigt, dass Zeltstädte keine sicheren Orte sind“, sagte Taylan Kurt von den Grünen-Mitte. Die Bewohner wollen sich nicht einschüchtern lassen, sagte Karuna-Chef Richert. Einen vom Senat bezahlten Wachschutz haben sie abgelehnt.

Mehr zum Thema:

Berliner Obdachlose sollen in Zeltstädte ziehen