Jugend forscht

Warum man eine Zitrone nicht in Alufolie packen darf

Berliner Schüler wurden beim Landeswettbewerb Jugend forscht ausgezeichnet. Sie gingen auch ungewöhnlichen Fragen nach.

Wo sich Aluminium von der Folie löst und in die Zitrone dringt, färbt sie sich in Alexander Csaba Baumgartens Experiment rot.

Wo sich Aluminium von der Folie löst und in die Zitrone dringt, färbt sie sich in Alexander Csaba Baumgartens Experiment rot.

Foto: Reto Klar

Berlin. Wieso sollte eine Zitrone nicht in Alufolie gepackt werden, wann konzentrieren sich Schüler im Unterricht am besten, wie könnte die Bezahlung in der Schulcafeteria schneller und hygienischer ablaufen, und wann ist ein Induktionsherd für Menschen mit einem Herzschrittmacher nicht gefährlich?

Es sind vor allem Fragen aus dem Alltag, mit denen sich Schüler im diesjährigen Landeswettbewerb Jugend forscht befassen. Auch wenn es vielleicht etwas erstaunlich ist, wieso der 15-jährige Henrik Hermelink gerade auf einen Herzschrittmacher kommt. Aber dafür hat der Zehntklässler des Romain-Rolland-Gymnasiums in Reinickendorf eine einfache Erklärung: „Ich wollte mich eigentlich nur mit der Effizienz von Induktionsherden befassen, und dann habe ich gesehen, dass mein Betreuer immer auf Abstand vom Herd gegangen ist. Er trägt nämlich einen Herzschrittmacher. Und dann fand ich es viel interessanter zu untersuchen, wie man Risiken minimieren kann.“

Mit dem ersten Preis gibt es auch das Ticket zum Bundeswettbewerb

Für seine Forschungen bekam er am Mittwoch den mit 250 Euro dotierten ersten Preis in der Kategorie Physik und damit auch das Ticket für eine Teilnahme beim Bundeswettbewerb, der im Mai in Chemnitz stattfindet. Auch fünf weitere Projekte der Berliner Jungforscher werden dort gezeigt werden und sich der bundesweiten Konkurrenz stellen.

Dabei ist Jolanda Schumann vom Robert-Havemann-Gymnasium in Karow, die in Biologie einen der zwei ersten Preise bekam. Die 17-Jährige hat sich schon im vergangenen Jahr bei Jugend forscht mit den Gehirnwellen ihrer Mitschüler während des Unterrichts beschäftigt und ihr Projekt nun fortgeführt. Dafür wurden ihr fünf Sensoren zur Verfügung gestellt, die sie ihren Mitschülern aufgesetzt hat.

Das Ergebnis: „Die Konzentration steigt bei Experimenten, Animationen im Internet und auch bei Tests“. Ergebnisse, für die sich auch Jolandas Lehrer interessieren. Die viele Zeit, die die Elftklässlerin in ihre Forschungen investiert hat, soll sich im kommenden Jahr für sie lohnen. Dann will sie das Thema als fünfte Prüfungskomponente im Abitur bearbeiten.

In Berlin haben in diesem Jahr 438 Schüler mitgemacht

Und auch Alexander Csaba Baumgarten will weiter daran forschen, wie Säure Aluminiumfolie angreift. In diesem Jahr hat er das im Fachgebiet Chemie anhand einer Zitrone bewiesen. Wo sich Aluminiumpartikel lösen, färbt sich das Fruchtfleisch rot, zeigt er vor einem Aufbau an bunt leuchtenden Reagenzgläsern.

In Berlin haben sich in diesem Jahr 438 Schüler mit 245 Projekten am Wettbewerb beteiligt. 185 Teilnehmer traten in der Sparte Jugend forscht für Schüler zwischen 15 und 21 Jahren an, 253 Schüler experimentieren für die Jüngeren von der vierten Klasse bis 14 Jahre. Das ist ein leichter Zuwachs zum Vorjahr und entspricht dem Bundestrend: Insgesamt 12.150 Schüler waren in diesem Jahr in Deutschland dabei. Der Anteil der Mädchen lag in Berlin bei 35,2 Prozent, bundesweit: 38,6 Prozent.

Viele Arbeiten entstehen heute in Schülerlaboren

Zunächst wurden die Berliner Arbeiten im Februar bei drei Regionalwettbewerben von der Jury begutachtet, 42 Arbeiten kamen nun zum Landeswettbewerb in der Mosaikhalle in Siemensstadt. „Das Niveau in diesem Jahr war wieder hoch“, sagt Wettbewerbsleiter Sebastian Bognár, dazu beigetragen hätten auch die Schülerlabore, in denen inzwischen mehr als 20 Prozent der Arbeiten entstehen. Neben dem Schülerforschungszentrum auf dem Campus Efeuweg in Neukölln und dem Bildungs- und Forschungszentrum in Wedding gibt es nun auch das Netzwerk Schülerforschung in Pankow.

Dort ist auch Platon Pervushyn mehrmals in der Woche gewesen, um ein riesiges Modell einer Magnetfeldeisenbahn zu entwickeln. In der Kategorie Schüler experimentieren hat der 14-jährige vom Primo-Levi-Gymnasium untersucht, wie Menschen und Waren im Vakuum transportiert werden können.

Seine aufwendige Arbeit, die auch mit einem ersten Preis in Physik belohnt wurde, hat er „Burunduchok“ genannt, das russische Wort für Eichhörnchen, denn so wünscht sich der Schüler, der vor drei Jahren aus der Ukraine nach Deutschland kam, seine Bahn: „So fleißig und schnell wie ein Eichhörnchen.“